Neustart im Ausland – Teil 2. Die Rückkehr nach Deutschland

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Expat-Mama Tina Busch hat gemacht, wovon viele träumen: Sie ist mit Mann und Kindern ins Ausland gezogen und hat dann Jahre dort gelebt. Ihr Wahl fiel auf den Süden der USA. Wie das ging, was beachtet werden musste und ob sich das gelohnt hat, hat sie mir im ersten Teil verraten. Heute, im zweiten Teil, geht es um die Rückkehr nach Deutschland. Die beiden Niedersachsen verschlug es nach Burgenhausen ins tiefste Bayern …

MB: Ihr war vier Jahre in den USA, als ihr beschlossen habt: So langsam könnten wir wieder nach Deutschland zurück. Dein Mann suchte eine neue berufliche Herausforderung. Wie war Deine Reaktion auf diesen Entschluss? 

TB: Mein Kopf wusste von Anfang an, dass es die richtige Entscheidung war. Nur mein Bauch musste sich erst an den Gedanken gewöhnen. Ich fühlte mich so wohl in Chattanooga, wir waren gut integriert, der Alltag lief. Da ich auf meinem Blog über die letzen Jahre immer wieder andere Expat-Frauen, die kurz vor der Rückkehr standen, interviewt hatte, wusste ich ziemlich genau, was auf mich und auf uns als Familie zukommen würde. Trotzdem war mit ein bewusster Abschied wichtig: Ich habe mir zum Beispiel eine persönliche Bucket-List zusammengestellt, mit Dingen, die ich unbedingt noch erledigen wollte und diese Stück für Stück auf Instagram abgearbeitet.

MB: Was sprach für eine Rückkehr?

TB: Das Expatleben, als im Ausland für einen deutschen Arbeitgeber arbeiten, bietet viele Vorteile: finanziell, die soziale Absicherung oder im Bezug auf die Anzahl der Urlaubstage – im Vergleich zu den Amerikanern. Das alles wäre weggefallen, wenn wir in den USA geblieben wären, denn nach 5 Jahren wäre mein Mann verpflichtet gewesen zu einem lokalen Arbeitgeber zu wechseln. Außerdem war es uns wichtig, dass unsere Kinder Deutschland noch in jungen Jahren kennen- und hoffentlich auch lieben lernen würden. Die Nähe zu den Großeltern und der Familie (wobei nah relativ ist, weil Oma und Opa immer noch 700km entfernt wohnen) war dabei auch ein wichtiger Faktor.

MB: Also alles wieder Retour! Was war Dein erster Gedanke hinsichtlich der vielen Aufgaben? 

TB: Warum hatte ich den Umzug IN die USA nicht besser dokumentiert – dann könnte ich jetzt einfach alles umkehren …!

MB: Wie hast Du aus der USA alles nötige in Deutschland organisiert?

TB: Ich bin im April letzten Jahres alleine nach Deutschland gereist, um mir Haus, Schule und Kita anzugucken – und habe meine Eindrücke offen und ehrlich gebloggt. Den Alltag in der ersten Zeit für uns gut hinzubekommen hat Monate in Anspruch genommen. In dieser Zeit standen meine eigenen Bedürfnisse hinten an. Es ging erstmal nur darum, dass meine Kinder sich wohlfühlen und wir als Familie ankommen.

MAMA BERLIN Tina Busch Expat-Mama

MB: Wie lange hat die Rückkehr gedauert? 

TB: Die eigentliche Rückkehr zog sich von Ende Juni bis Mitte August. Ende Juni haben wir unser ganzes Hab und Gut auf die Reise geschickt und noch ein paar Nächte in unserem leeren Haus verbracht. Im Anschluss ging es für fast 4 Wochen nach Kalifornien und Hawaii (LINK) – ein wohlverdienter Urlaub, der uns auch gedanklich die nötige Ruhe gegeben hat, damit wir uns auf den neuen Lebensabschnitt einstellen konnten. Auf dem Rückweg Richtung Osten haben wir noch einen kurzen, aber mental wichtigen Abstecher nach Chattanooga gemacht. Wichtig, weil es uns allen den Abschied sehr erleichtert hat. Nach Wochen aus dem Koffer leben und ohne eigenem Dach über dem Kopf konnten wir Chattanooga zwar mit schwerem Herzen, aber bereit für einen Neufang, den Rücken kehren.

MB: Wie hast Du in Deutschland ein Haus gefunden? 

TB: Das kam über die Firma meines Mannes. Sobald feststand, dass wir zurückgehen würden, haben wir jedem erzählt, dass wir in Burghausen in Bayern ein Haus suchen und schließlich kam das Angebot rein.

MB: Was habt Ihr mit den Dingen gemacht, die ihr nicht mitnehmen wolltet?

TB: Wir haben über den Yard Sales in unserer Community und vielen Facebook-Freunden Dinge verkauft und abgegeben, vor allem Lampen, Elektrogeräte und unsere Autos, das ging schnell und einfach.

MB: Wie fanden es die Kids? 

TB: Wir haben den Kindern offen und ehrlich erklärt, dass Papa mit seiner Arbeit in den USA bald fertig sein wird und wir im Sommer 2016 nach Deutschland ziehen werden. Das haben sie akzeptiert und sie kannten das schon von anderen Expat-Familien aus der Nachbarschaft. Ich habe darauf geachtet, den Blick auf die positiven Seiten des Umzugs zu lenken: Dass wir Oma und Opa einfach mal so besuchen können. Dass wir alte Expat-Freunde wiedersehen. Dass es im Kindergarten einen riesengroßen Garten und ein Bälle-Zelt gibt. Dass das Schulgebäude so viel schöner ist als in Chattanooga. Dass wir im Schnee spielen können. Dass man im Supermarkt Überraschungseier kaufen kann …

MB: Wir habt ihr euch von euren Freunden verabschiedet?

TB: Mit einer Abschiedsparty bei uns Zuhause und vielen ganz persönlichen letzten Malen haben. Dabei sind natürlich viele Tränen geflossen. Nie vergessen werde ich den letzten Schultag meiner Tochter. Sie hatte ein wunderbares erstes Schuljahr an einer ganz besonderen Schule gehabt … Nach dem Abschiedsfoto mit ihrer Klassenlehrerin sind wir ins Auto gestiegen und da brachen bei ihr alle Dämme. Sie hat so herzzerreissend geweint, wie noch nie in ihrem Leben. Und ich mit. Wir haben zusammen geweint, bis keine Tränen mehr kamen.

MB: Wie lief die Umschulung in Deutschland?

TB: Auch das sprach für die Rückkehr: Unsere Tochter konnte zu diesem Zeitpunkt normal mit sechs Jahren eingeschult werden, musste sich nicht in eine bestehende Klassengemeinschaft einfügen und hat das ABC und das Rechnen noch einmal ganz in Ruhe auf Deutsch lernen dürfen.

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MB: War das Ankommen in Deutschland leichter als damals das Ankommen in den USA? 

TB: Ganz klar: nein. In unserem Fall war der Weg INS Ausland zu gehen viel leichter als zurückzukommen. Für uns ging damals ein Lebenstraum in Erfüllung: Alles war geprägt von der Aufregung und Neugier Neues zu entdecken. Fünf Jahre lang hatten wir ein komplett anderes Leben geführt. Mit der Rückkehr nach Deutschland sind wir in ein ganz normales, irgendwie langweiliges Leben zurückgekehrt. Und die ersten Monate in Deutschland waren sehr hart. Obwohl ich wusste, dass es dauern wird, bis wir Fuß fassen, bis die Kinder Freunde finden, bis wir uns wiederfinden, war ich oft ungeduldig, unglücklich und verzweifelt.

MB: Das klingt nach Fernweh …  

TB: Wieder so richtig in Deutschland ankommen und mich ganz zuhause fühlen, werde ich wahrscheinlich nie mehr. Ich werde jetzt immer auch Chattanooga, Tennessee, den Geburtsort meines Sohnes, der für immer mit den Kleinkindjahren meiner Kinder verbunden sein wird, im Herzen tragen.

MB: Dein Mitte gegen Start-Schwierigkeiten?

TB: Mein Blog hat mir geholfen, das Schreiben … Und ich bin froh, dass ich mich schon im Vorfeld so intensiv mit der Rückkehr auseinandergesetzt habe. So konnte ich in den ersten Wochen und Monate in Deutschland vieles proaktiv angehen: z. B. mich in der Schule, im Kindergarten und im Sportverein zu engagieren. Oder Small Talk führen, obwohl es an Reaktionen mangelte, weiter viele Fragen stellen und Griesgrämigkeit immer ein Lachen entgegensetzen.

MB: Und Dein Resümee?

TB: Persönlich würde ich sagen: Es war eine einmalige und wunderbare Zeit, die uns und unsere Kinder ein Leben lang begleiten wird. Die Zeit in den USA hat uns sehr geprägt und wird in unserem Leben immer einen großen Einfluss haben. Fünf Jahre Expat-Leben waren nicht zu lang und nicht zu kurz und die Rückkehr im letzten Jahr erfolgte genau zur richtigen Zeit. Und das hat nicht nur mit dem neuen Präsidenten zu tun …

Und allgemein gesagt: Auslandszeit ist intensive Familienzeit. Für Euch alle ist es die Chance, dem alltäglichen Trott zu entfliehen und Euch als Familie neu aufzustellen. Was gibt es schöneres als als Familie ein neues Land, eine neue Kultur, eine neue Sprache gemeinsam zu entdecken. Ins Ausland zu gehen, ist ein Abenteuer und eine einmalige Erfahrung, die Euch keiner nehmen kann. Macht Euch das als Familie bewusst und genießt die Zeit!

Hast Du Interesse bekommen oder stehst gerade vor einem Umzug ins Ausland? Dann lies hier einmal Tinas Tipps – Sie machen Dir das Leben leichter!

Sei Dir Deiner Vorbildfunktion bewusst. Deine Einstellung  gegenüber dem Auslandsaufenthalt ist entscheidend: Wenn Du voll dahinter stehst und Dich auf das Abenteuer Ausland freust, werden auch Deine Kinder der Veränderung positiv(er) entgegensehen. Haderst Du mit der Entscheidung, musstest Du vielleicht sogar zu diesem Schritt überredet werden, werden auch Deine Kinder der Entsendung eher negativ und kritisch gegenüber stehen.

Je nach Alter der Kinder ist es sinnvoll, sie von Anfang an in den Entscheidungsprozess mit einzubeziehen. Entscheide nichts über die Köpfe Deiner Kinder hinweg. Sprich immer positive und negative Aspekte an. Stell sicher, dass auch die Zweifel, Sorgen und Ängste der Kinder Gehör finden. Vielleicht ist es möglich, dass Ihr alle zusammen an den neuen Wohnort reist, Euch gemeinsam auf Haussuche begebt, verschiedene Schulen besichtigt und dann gemeinsame Entscheidungen trefft. Sind Deine Kinder noch zu klein für diese Reise, nimm sie auf jeden Fall durch Fotos, kurze Videos oder Skype-Gespräche mit an den neuen Wohnort.

Denke bei allen vorbereitenden Gesprächen mit dem Unternehmen, das Euch ins Ausland schickt, auch an Deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse und an die der Kinder!

Sinnvoll ist zum Beispiel:

  1. Sprachunterricht schon vor der Abreise. (Ja, Kinder lernen eine neue Sprache viel schneller als Erwachsene. Aber auch nicht über Nacht und auch nicht in einem Monat. Sprachen lernen und Ankommen braucht immer Zeit.)
  2. Interkulturelles Training für die ganze Familie.
  3. Nachhilfe und Deutschunterricht während des Auslandsaufenthalts, aber auch nach der Rückkehr
  4. Coaching (Expat und/oder Karriere)
  5. Therapiemaßnahmen. Anpassungsschwierigkeiten können sich bei Kindern (und Erwachsenen) ganz unterschiedlich äußern. Scheu Dich nicht frühzeitig professionelle Hilfe in Anbruch zu nehmen.
  6. Weiterbildung – nutze die Zeit und das Ausland, um deine Fähigkeiten weiterzuentwickeln

Kläre Rechtliches noch vor dem Umzug in Deutschland. Was passiert zum Beispiel im Fall einer Trennung oder Scheidung? Wo ist der Gerichtsstand? Was passiert im Todesfall? Setzen wir vorher noch ein Testament auf? Wie sieht es mit der rechtlichen Situation der Frau im Entsendungsland aus?

 Informiere und vernetze Dich schon vor dem Umzug. Heutzutage gibt es so viele tolle Blogs, Webseiten, Instagram-Accounts und Facebook-Gruppen, die wertvolle Informationen und virtuellen Austausch bieten. An den klassischen Expat-Standorten gibt es oft schon bestehende Expat-Meet-Ups, Stammtische oder andere Veranstaltungen, auf denen man andere Expats kennenlernen und sich mit ihnen austauschen kann. Vernetz Dich so schnell wie möglich mit anderen deutschen Expats vor Ort und löchere sie mit Fragen! Warum nicht von dem bereits vorhandenen Wissen und den Erfahrungen profitieren? Vielleicht gibt es sogar die Möglichkeit, dass Ihr Euch schon auf Eurem Look&See-Trip mit einer Expat-Familie trefft, die Kinder im gleichen Alter hat und auf viele Fragen Antworten geben kann.

Sei Dir Deiner Rolle als Expat-Partnerin bewusst. Es wird hauptsächlich Deine Aufgabe sein, Dich um die Kinder, den Alltag, das soziale Leben zu kümmern. Du hälst Deinem Mann den Rücken frei, damit er sich auf seine neue Aufgabe konzentrieren kann. Aber vergiss dabei bitte Deine eigenen Bedürfnisse nicht! Nutze das Weiterbildungsbudget, das Dir in der Regel vom Unternehmen zur Verfügung steht, um Dich weiterzubilden oder das auszuprobieren oder zu lernen, was Du schon immer machen wolltest. Nur wenn es Dir gut geht, werdet Ihr als Familie eine schöne Expat-Zeit haben. Wie sagt man so schön: Happy wife, happy life 🙂

 Und noch ein paar Links für Dich!

Netzwerk für Expat-Mamas

Und die dazugehörige Facebook-Gruppe

Tinas Umzugs-Checkliste

Tinas emotionaler 10-Punkte-Plan

Back in Germany – Tinas Eindrücke

Fotos. Tina Busch, Pixabay

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