#mehrjobsfürmütter: Wie Nadja sich mit Blümelkind selbständig machte

Blümelkind Nadja

Viele Mütter arbeiten heute in Selbständigkeit – oft mit Erfolg und mit Zufriedenheit, denn die Selbständigkeit bringt oft mit sich, dass die Tätigkeit mehr mit einem selbst zu tun hat und sich besser mit Erziehungsarbeit vereinbaren lässt.

Ich stelle hier immer wieder Frauen vor, die Euch schildern, wie sie die Selbständigkeit angegangen sind und eine Anregung für alle sein sollen, die unzufrieden sind mit ihrem jetzigen Berufsleben, die nach Alternativen suchen und die selbst schon mit dem Gedanken der Selbständigkeit gespielt haben, aber noch Angst haben, den ersten Schritt zu gehen. 

Nadja Blümel, Mama von zwei Jungs, erzählt hier, wie sie ihren Online-Shop eröffnete und mit ihrem Label Blümelkind Zubehör rund um Kinderwagen (Sonnensegel, Wickeltasche, Sitzauflagen etc…) entwickelt und fertigt. 

MAMA BERLIN: Wie entwickelte sich die Idee für Deine Selbständigkeit, Deinen Shop?
Nadja: Als mein erster Sohn auf die Welt kam, setzte ich in meinem damaligen Job aus und hatte auf einmal wieder Zeit für meine Nähmaschine. Als Studentin hatte ich viel genäht: Hosen, Röcke, Kleider … Meine Großmutter war Schneiderin und hatte mir viele Details der Näherei beigebracht. Eines Tages brauchte ich ein Sonnensegel für den Kinderwagen, ich recherchierte und fand, die könnte man praktischer machen! Daraufhin entwickelte ich eines zum Hochschieben, so dass Du die Kinder sehen kannst, wenn sie im Wagen liege, ohne dafür immer das komplette Segel abnehmen zu müssen. Ich erfand ein Schlaufensystem, an denen man das Segel hochschieben kann, wie bei einer Jalousie. Und ich wollte eine kleine Tasche für die Windelsachen haben, keine große Wickeltasche. Ich wollte sie eher als kleines praktisches und schönes Accessoire, das in eine normale Handtasche paßt oder nett in der Einkaufsablage unten im Kinderwagen liegt.
MB: Wir war die Entwicklung von der Idee zum konkreten Angebot?
Nadja: Nachdem die ersten Sonnensegel und Windeltaschen entstanden waren, zeigte ich sie meinen Freunden und holte ihre Meinung ein. Meine Produkte kamen bei ihnen gut an, sie fanden sie praktisch und schön und meinten, ich solle sie auf den Markt bringen. Zeitgleich wurde damals Dawanda gegründet, für mich die ideale Plattform, um erstmal loszulegen. Ich gründete mein Label „blümelkind“ und startete meinen Dawanda-Shop … So bin ich in die Selbständigkeit reingerutscht.
Auslage bei Blümelkind
MB: Lief es gleich von Anfang an? 
Nadja: Die Sonnensegel verkauften sich super. Ich wurde allerdings auch schnell kopiert, ließ mich davon aber nicht entmutigen, sondern arbeitete weiter an der Verbesserung der Details, an der Praktikabilität und dem Design der Produkte und erweiterte mein Angebot.
MB: Als was warst du vorher tätig gewesen?
Nadja: Ich war viele Jahre als Unternehmensjuristin, Personalerin und Ausbildungsleiterin tätig. Oftmals alles gleichzeitig. Meine Aufgabe war es u.a., Verträge aller Arten für Unternehmen zu gestalten, Mitarbeiter-Bewerbungsverfahren durchzuführen, auch zu kündigen oder arbeitsgerichtliche Verfahren zu führen und daneben noch 35 Azubis zu organisieren und zu betreuen. Das war oftmals mit reichlich Verantwortung verbunden,die Arbeitstage waren lang und hektisch. Aber auch sehr abwechslungsreich und haben viel Spaß gemacht.
Blümelkind Wickeltasche
MB: Hattest Du nie überlegt, zurück in Deinen alten Job zu gehen?
Nadja: Ursprünglich wollte ich das schon, aber dann kam mein zweiter Sohn zur Welt und ich musste mich entscheiden, ob ich wirklich zurück ins Unternehmen wollte. Das war keine leichte Entscheidung: Ich konnte von meinem Job als Syndikusanwältin gut leben und gut für meine Alterssicherung sorgen. Ich hatte geregelte Arbeitszeiten und berufliche Anerkennung als Unternehmensjuristin – was nicht zu vernachlässigen ist. Aber die neue Tätigkeit machte mich glücklich: Eigene Ideen verwirklichen! Der handwerkliche Schaffensprozess macht mich sehr zufrieden, die Anerkennung der Kunden ist toll. Inzwischen lasse ich produzieren, die Fertigung findet in einer Werkstatt für Menschen mit körperlichern oder geistigen Einschränkung statt.
Blümelkind Auslage
MB: Welchen Ausschlag gab die Vereinbarkeit mit der Familie und Kindererziehung? 
Nadja: Einen großen. Die Selbständigkeit und mein Online-Shop ließen sich super nach den Bedürfnissen der Kinder ausrichten. In unserer Familie bin ich im wesentlichen für die Kindererziehung zuständig und meine Selbständigkeit lässt genug Raum, um mich um die Kinder zu kümmern: Ich kann jetzt gut am Nachmittag und alle Schulferien für sie da sein. Wenn sie krank sind, können wir zu Hause bleiben, online Aufträge annehmen kann ich ja von überall. Dafür arbeite ich allerdings auch oft nachts, am Wochenende und eben auch im Urlaub. Dafür entfallen aber auch die anstrengenden Urlaubsabstimmungen im Unternehmen oder das schlechte Gewissen, wenn ich nicht für die Kinder da sein kann, weil ich auf der Arbeit gebraucht werde oder umgekehrt, dass ich Termine wegen Krankheit der Kinder absagen müsste.
Blümelkind Kinderreisetasche
Die neueste Entwicklung von Nadja: Eine Kinder Reisekosmetiktasche auch für Bastelzeug verwendbar. Allerdings, so Nadja, sehr aufwendig in der Herstellung. Sie überlegt noch, ob sie damit in Serie geht …
MB: War es Dir immer wichtig, auch als Mutter eigenes Geld zu verdienen? 
Nadja: Mir war wichtig, als Mutter mein bisheriges Leben nicht aufzugeben. Die Kinder kommen dazu und bringen erhebliche Änderungen mit sich. Aber man wird kein anderer Mensch und ich glaube, es ist wichtig, das man das nicht vergisst. Ob es wichtig ist, sein eigenes Geld zu verdienen, hängt von den individuellen Umständen ab. Ich finde wichtig, als Familie ausreichend Geld zur Verfügung zu haben – wie das geregelt wird, muss sich jedes Paar selbst überlegen, da gibt es viele Möglichkeiten … Auch wichtig finde ich, dass jeder seinen eigenen Bereich hat, in dem er sich verantwortlich fühlt und für den er Anerkennung bekommt.
MB: Wenn du nochmal die Wahl hättest, würdest Du Dich wieder so entscheiden?
Nadja: Rückblickend hatte ich viel Glück. Ich habe großartige Kinder, einen tollen Mann und Eltern, die mich diese vielseitigen Fähigkeiten haben entwickeln lassen. Ich würde es wieder so machen – oder vielleicht hätte ich es auch schon viel früher machen sollen!
Danke, Nadja!  
Fotos: Verena Schulemann

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