Fee Linke ist „Die Feeministin“ und fragt in ihrer Kolumne: Wer bewertet eigentlich unsere Leistung?

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Gestern erschien der erste Teil von Fees Kolumne, die ich in drei Teilen veröffentliche. Lest hier den zweiten Teil und morgen den dritten. 

Ich begann mich in die Gender Ökonomie Forschung einzulesen, in matrilineare Gesellschaften, befragte Bekannte und Freunde aus aller Welt, wie sie traditionelle Besitzverhältnisse in ihrer Heimat oder der Heimat ihrer Eltern regelten. Und fand heraus: Es war eigentlich überall dasselbe. Die klassische Haus- und Erziehungsarbeit, die meistens von Frauen erledigt wird, ist in allen Wirtschaftssystemen benachteiligt. Zwar werden die Frauen durch Gesetze, Normen, die Ehe und religiöse Regeln auch abgesichert – aber immer nur in Abhängigkeit zu einem Mann.

Das, was Frauen innerhalb der Familien leisten, ist und bleibt immer noch ein Ehrenamt, der wirtschaftliche und soziale Status ist abhängig vom Vater oder vom Ehemann. Bei Frau Holle war das dagegen anders: Sie tat, was mir das einzig Richtige schien. Sie entlohnte die fleißige Marie, die selbstverständlich den Baum rüttelt um die Äpfel zu ernten (Primärsektor) und das Brot aus dem Ofen holte (Sekundärsektor). Die die Stube kehrte (Tertiärsektor) und die Betten schüttelte , dass die Federn nur so flogen und es schneite in der Welt, so dass die Kinder Freude hatten (Carearbeit und Ehrenamt).

Wer legt überhaupt fest, was Leistung ist und wieviel was wert ist? Ich dachte über Leistung nach und fand, dass die Menschen, die sehr viel leisten oft nicht nur nicht ausreichend belohnt werden sondern auch eher schlecht oder auch gar nichts verdienen.Wenn man vergleicht, wie Einkommen sich entwickelt haben, stelle ich mir gerne vor, dass Erzieherinnen für ihre harte Arbeit unter großem Lärm und viel Verantwortung richtig gut verdienen müssten, so dass vor jeder KiTa total schicke Autos stehen.

Wieso werden Erziehungsberufe z.B. so schlecht bezahlt?

Ich denke an Altenpfleger und -pflegerinnen, die im Schichtdienst alte und sterbenskranke Menschen im Akkord versorgen müssen. PflegekräfteDeswegen sollten diese Leute besonders hohe Zulagen erhalten. Das tun sie aber trotz aller Bemühungen ihrer Gewerkschaften nicht. Ein Industriearbeiter erhält ungleich viel mehr Geld – bei gleicher Stundenzahl. Liegt es daran, dass in dem einen Sektor vor allem Frauen, in dem anderen vor allem Männer beschäftigt sind? Sind wir Frauen nicht in der Lage, für gerechte Bezahlung einzustehen oder wird es uns schwerer gemacht? Ich denke, so ist es.

Nach der Umschulung bekam ich aufgrund guter Prüfungsergebnisse auch bald einen Job. Immerhin hatte ich ja auch jede Menge Berufserfahrung. Ich stellte mich darauf ein, bald aus dem finanziellen Loch zu krabbeln, um mit meinen Kindern endlich  in Urlaub fahren zu können. Mein Einstiegsgehalt war jetzt nicht die Welt, aber ich hatte einen sehr familienfreundlichen Arbeitgeber mit Gleitzeitregelung und Bezahlung nach TVÖD.

Ich kürzte meine Arbeitszeit – und zu meiner Überraschung nicht wesentlich weniger Geld am Monatsende …

Aber die Sorgen rissen nicht ab: Den ersten Rückfall erlebt ich, nachdem die Zahlung der Unterhaltsvorschusses eingestellt wurden – der erfolgt nur sechs Jahre lang (eine absurde Regelung), und diese Zeit war nun rum. Für mich bedeutete das monatliche Einbußen von 338 Euro im Monat. Dafür konnte ich Kinderzuschlag beantragen, immerhin 260 Euro pro Monat – doch der fiel wieder weg, als mein Gehalt um 80 Euro pro Monat angehoben wurde – Zähneknirschen und immer wieder einen neuen Antrag ausfüllend.

Mein Leistung auf der Arbeit wurde geschätzt und ich bekam neue Aufgaben aber ich merkte, dass ich so an meine Grenzen stieß. Ich litt unter der Ungerechtigkeit und Belastung als alleinerziehende Mutter mit einem Vollzeitjob, der vielen Arbeit, der nicht vorhandenen Anerkennung und nicht zuletzt, an der Ungerechtigkeit viel zu leisten, aber überhaupt nicht entsprechend unterstützt zu werden, also weiterhin arm zu sein.

Irgendwann brach ich zusammen. Diagnose: Burn-out. Auf der anschließenden Kur lernte ich viele Frauen, Mütter, kennen, denen es genauso ging wie mir. Ich hätte nie gedacht, dass hier offensichtlich ein Strukturproblem bestand! Ich kürzte meine Arbeitszeiten, hatte damit weniger Stress im Job, mehr Zeit für die Familie – und zu meiner Überraschung: Nicht wesentlich weniger Geld am Monatsende …

Lest morgen Teil 3: Der Markt regelt leider nichts

Fee Linke ist Mama von zwei Kindern und seit 2005 vom Vater getrennt. Vor der Familienphase hat sie als Journalistin in Köln gearbeitet. MAMA BERLIN Fee Linke Kolumnistin

Nachdem sie alleinerziehend wurde und in ihrem Job auf Grund eingeschränkter Arbeitsmöglichkeiten nicht mehr genug verdienen konnte, machte sie eine Umschulung zur Kauffrau für Bürokommunikation und arbeitet mittlerweile im öffentlichen Dienst. Während der Umschulung erhielt sie Grundsicherung für sich und ihre Kinder.

Fee Linke schreibt bei MAMA BERLIN über Ungleichgewichte und Ungerechtigkeiten und fordert ein Umdenken in der Arbeits- und Wirtschaftswelt. 

Fotos: pixabay, Fee Linke

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