#MommyWars: Warum bekriegen wir uns eigentlich ständig?

MAMA BERLIN Mommy Wars

„Freundschaft zwischen Frauen ist nicht viel mehr als ein Nichtangriffspakt“, sagte der Dramatiker Henry de Montherlant, der Frauen mochte.

Die Schauspielerin Bette Davis konterte: „Wenn ein Mann seine Meinung sagt, ist er ein Mann. Wenn eine Frau ihre Meinung sagt, ist sie ein Miststück.“

Und der Satiriker Peter Ustinov ergänzte: „Viele Frauen wissen nicht, was sie wollen, aber sie sind fest entschlossen, es zu bekommen.“

Aber lassen wir einer Frau das letzte Wort in diesem Disput, der Journalistin Helen Rowland, die sich eines gewissen Dilemmas bewusst war: „Eine Frau braucht zwanzig Jahre, um aus ihrem Sohn einen Mann zu machen – und eine andere macht in nur zwanzig Minuten einen Dummkopf aus ihm.“

Es ist eine interessante Frage: Nicht nur Väter und Mütter bekriegen sich in nie enden wollenden Rosenkriegen, auch Mütter untereinander. Aber warum? Warum zicken wir uns so oft an?

Wir verbeißen uns in solchen Momenten in unseren Überzeugungen, als hätten wir vergessen, dass „viele Wege nach Rom führen“. Vor allem wenn es um Kinder geht, kochen die Emotionen schnell hoch.

Dabei wissen wir doch meistens, dass wir alle (!) verschieden sind (zum Glück) und es ja jede/jeder eigentlich auch so machen darf, wie sie/er es für richtig hält (so lange es keine Gesetze verletzt). Die Rahmenbedingungen sind also gesteckt – aber trotzdem kann die Frage, ob das Kind Nutella darf oder nicht, zu tiefen Grabenkämpfen führen.

Aber warum machen wir das immer wieder? Was ist denn da nur los? 

Die Autorin Jana König (29) aus Berlin, gerade schwanger mit dem zweiten Kind, ist eine, die da mal genauer hingeschaut hat und ein Buch über „Den täglichen Wahnsinn der Mommy Wars“ geschrieben hat.

Wenn Mütter Rot sehen“ (Wenn Du auf den Titel klickst, kannst Du das Buch direkt bei Amazon bestellen, ich bekomme dann Provision und kann damit ein wenig die Arbeit auf diesem Blog finanzieren). Ich wollte von Ihr wissen, was da in uns Müttern vorgeht …

MAMA BERLIN Mommy Wars Jana Koenig

MAMA BERLIN: Jana, warum kritisieren wir Mütter uns ständig gegenseitig? 

Jana König: Das dem so ist, wurde mir erst bewusst, als ich selbst Mutter wurde. Normales Konkurrenzverhalten nahm plötzlich ungeahnte Ausmaße an. Plötzlich gab es ungefragte Ratschläge, Bevormundungen aber auch zwischenmenschliche Aggressionen. Meine Freundinnen erzählten mir von der ständigen Einmischung anderer in ihre Erziehungsweisen. Und ich sah: Es gibt tatsächlich diese Tendenz von Eltern, auf einander einzuhacken. Das Interessante dabei ist, dass es uns allen im Grunde um das Selbe geht: Wir wollen es möglichst gut machen.

MB: Wenn wir eigentlich alle nur gute Eltern sein wollen, warum machen wir es den anderen dann so schwer? 

JK: Ich denke, wir sind durch diese vielen Möglichkeiten, die wir heute haben, auch verunsichert, wollen uns das vielleicht aber auch nicht eingestehen. Wir müssen ja Entscheidungen treffen, wollen gleichzeitig aber nicht fehlerhaft sein und vertreten daher unsere Positionen besonders stark, um eben diese Unsicherheiten damit auch ein wenig zu kaschieren. Und dann ist es auch ein wenig Biologie: Unser Helfertrieb springt bei Kindern schneller an.  Wir müssen nur aufpassen, dass wir hier nicht vorschnell urteilen. Ein weinendes Kind ist ja nicht automatisch immer Opfer einer Misshandlung. Kleine Kinder weinen viel – auch aus Bockigkeit, Müdigkeit, Wut oder Trotz und da ist es viel besser, sich nicht einzumischen, sondern die Eltern machen zu lassen.

MB: Wir setzen uns also unter Druck? Aber warum eigentlich? 

JK: Es ist heute ja nicht mehr so der normale Lauf der Welt, Kinder zu bekommen, sondern viel mehr eine bewusste Entscheidung als in der Generation unserer Großmütter. Wir investieren heute mehr in unsere Kinder, sind auch mehr auf deren Entwicklung fokussiert, haben auch deutlich weniger Kinder, die dann natürlich auch optimal sein sollen. Und es gibt grundsätzlich den Anspruch in unserer Leistungsgesellschaft, alles richtig zu machen.

MB: Welche Bevormundungen hast Du selbst erlebt? 

JK: Ein Kritikpunkt war, dass ich mein Kind viel im Tragetuch bei mir hatte, statt es in den Kinderwagen zu legen. Dann hieß es: „Kriegt es da Luft?“ Oder: „Es muss auch mal liegen!“ Und: „Es muss sich an den Kinderwagen gewöhnen!“. Ich hatte aber gesehen, wie unwohl sich meine Tochter im Kinderwagen fühlte und es machte mir auch überhaupt nichts aus, sie am Körper zu spüren – im Gegenteil.

MB: Was ist der absurdeste Fall, der dir berichtet wurde? 

JK: Interessant fand ich die Geschichten, in denen die Souveränität des mütterlichen Körpers in Frage gestellt wird. Ein Klassiker ist das Thema „Abtreibung“. Hat hier der Vater ein Mitspracherecht? Das Gesetz sagt nein und ich finde es auch, aber viele sehen es doch anders. Sobald eine Frau ein Kind in sich trägt, gibt es bei vielen diese Denke, die Interessen der Frau dem ungeborenen Baby unterzuordnen. Spannend war auch der Fall einer Verkäuferin, die sich weigerte, einer Schwangeren Zigaretten zu verkaufen: „Wir verkaufen nicht an Minderjährige“, hatte sie ihre Einmischung begründet. Der Fall sorgte für Schlagzeilen und daran sieht man, dass es hier ein öffentliches Interesse gibt.

Die Zicken-Liste von Jana König – Streitthemen und welche Sprüche dann kommen:

Typische Sprüche: „Wieso bringst du dein Kind so früh in die Kita?“ „Warum hast du überhaupt Kinder bekommen, wenn du sie abgibst?“
„Wieso stillst du nicht? Das ist egoistisch deinem Kind gegenüber!“. Oder: „WAAAS???! Du stillst immer noch? Kannst du nicht loslassen?“ Und hinter der Hand: „Ich find’s ja ein wenig eklig.“
„Weißt Du nicht, welche Gefahr du damit deinem Kind aussetzt?“ „Masern sind viel gefährlicher als Impfen!“, „Wegen Leuten wie dir gibt es demnächst wieder die Pocken …“. Oder: „Das ist fahrlässig. Dein Kind wird schlimme Allergien entwickeln!“, „Du nimmst dem Kind die Möglichkeit, einen natürlichen Schutz zu entwickeln“, „Du bist ein Opfer der Pharmaindustrie“.  
„Die ganzheitliche Methode ist einfach viel besser für das Kind“, „Du vergiftest dein Kind“, „Du machst es von Medikamenten abhängig“. Oder: „Totale Spinnerin“.

MB: Gibt es Themen, über die heute nicht mehr gestritten wird – früher aber schon? 

JK: Ja, Streitthemen unterliegen klar dem Zeitgeist und die mehrheitliche Meinung ändert sich auch oft in die komplett gegensätzliche Richtung. Zum Beispiel die Frage, ob man Kinder schlagen darf. Heute würde das wohl kaum jemand befürworten – vor 100 Jahren war es dagegen gängige Erziehungsmethode sogar an Schulen. Das Thema Hygiene und Desinfektion wurde vor 30 Jahren hoch gehalten, heute geht man hier eher wieder den anderen Weg und vermeidet diese Dinge. Interessant ist auch die Väter-Frage: Wieviel sollen sie sich in die Erziehung einbringen? Wie verwirklichen Mann und Frau in einer Beziehung gerecht ihre beruflichen Ambitionen? Vor 40 Jahren waren Männer dagegen ganz klar Familienernährer und galten sogar bei manchen als Versager, wenn sie nicht in der Lage waren, das Einkommen zu sichern.

MB: Was können wir denn jetzt dagegen tun? Wie vertragen wir uns besser? 

JK: Sich zu informieren und auszutauschen ist ja zunächst einmal richtig. Andererseits sollten wir uns einfach weniger verrückt machen (lassen). Wir sind individuell, unsere Kinder sind zudem auch alle anders. Normalerweise weist unsere Körper und unser Gefühl uns schon den richtigen Weg. Wir sollten auf unsere Intuition vertrauen und uns entspannen – das ist besser für uns und für das Kind. Humor hilft natürlich auch, nicht alles so verbissen sehen und eine Grundgelassenheit hilft, sich selbst auch reflektiert zu sehen: Wenn ich merke, dass ich Ratschläge erteilen will, obwohl danach gar nicht gefragt wurde, dann vielleicht lieber einfach die Klappe halten.

MAMA BERLIN Mommy Wars

Fotos: Pixabay, Eulenspiegel Verlag

 

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