Die Einsamkeit der Solo-Mamas, Teil 2: Hier erzählen Frauen von ihren Erfahrungen – was Du tun kannst!

MAMA BERLIN Einsamkeit Solo Mamas Teil 2

Es ist ein wichtiges Thema und ich wünsche mir, dass es mehr thematisiert wird: Die Einsamkeit als Solo-Mama. Gestern veröffentlichte ich den Post der alleinerziehenden Mama Sabine Christel zu dem Thema, die anschaulich beschrieben hat, was da passiert. Und viele von Euch waren darüber dankbar. Dass Sabine das zum Ausdruck brachte, was viele bewegt und betrifft. 

Heute kommt daher der zweite Teil – noch mehr Frauen kommen zu Wort, die berichten, wie auch sie mit der Einsamkeit zu kämpfen haben. 

Sabine Christel Porträt Auch ich kenne das. Mir ging es vor ein paar Jahren genauso: Von einem Leben mit aufregendem Beruf, viel Sport, Unternehmungen und aktivem Freundeskreis, fiel ich plötzlich ins das Solo-Leben mit meinem kleinen Baby – begrenzt aufs Haus und einen kleinen Radius zwischen Spielplatz, Supermarkt und Kinderarzt.

Besuche wurde immer seltener: Meine Freunde (ohne Kinder) waren nicht mehr kompatibel mit meinen Mama-Zeiten (wenn sie frei hatten, war ich müde, wenn ich frei hatte, waren sie auf dem Weg ins Büro) und meine Freunde (mit Kindern) waren  meist liiert und taten sich schwer, die Alleinerziehende in ihrem Freundeskreis zu integrieren.

Auch als mein Sohn älter wurde, blieb es schwierig, die Babysitter waren teuer und wenn ich mal einen Abend frei hatte, war ich froh, mal Zeit für mich zu haben und gar nicht in Stimmung, um jetzt wild um die Häuser zu ziehen.

Hinter der Einsamkeit steckt oft Ausgrenzung durch andere

Mir halfen Baby-Kurse, in denen ich andere Mütter treffen konnte, später auch die Kita oder Spielplatz-Unterhaltungen und Facebook-Gruppen – auf und in denen ich mich austauschen konnte. Zu meinem Glück zog der beste Mitbewohner der Welt ein, der nie müde wurde, mit zuzuhören und es immer verstand, mich zum Lachen zu bringen, das dämpfte das Alleinsein am Abend …

Doch eins wurde für mich deutlich, je mehr ich mit anderen Frauen, vor allem Alleinerziehenden sprach: Hinter der Einsamkeit steckt oft auch eine vorangegangene, manchmal unabsichtliche, aber doch tief treffende Ausgrenzung (meistens durch andere Frauen!), die dazu führt, dass sich die Mamas unsicher fühlen. Oft nimmt es ihnen sogar ganz die Motivation und den Mut, in die Öffentlichkeit zu gehen, andere anzusprechen, sich auszutauschen. Nicht wenige resignieren. 

Ich wünsche mir hier mehr Miteinander, mehr Toleranz und mehr Verständnis. Und den tollen Solo-Mamas sage ich: Lasst Euch nicht einschüchtern. Pfeifft auf die Meinung der Zicken. Holt Euch, was Euch zusteht und lasst Euch NIE den Spaß am Leben nehmen! 

Lest hier die Stimmen der Frauen, die sich an die Autorin Sabine Christel wandten und über ihre Einsamkeit berichten

Regina, 43 Jahre, seit sieben Jahren alleinerziehend, drei Kinder berichtet: „Ich habe noch immer den Freundeskreis, den ich auch vor meiner Ehe hatte. Teilweise kennen wir uns sogar aus dem Kindergarten. Die Kinder spielen zusammen, wir Mütter treffen uns regelmäßig ohne Männer und trinken Kaffee oder gehen mal Essen. Klar, ich bin nicht so frei, muss die Betreuung organisieren. Mein Exmann ist aber zuverlässig. Wenn er die Kinder hat, habe ich frei. Das brauche ich aber auch. Wenn mal was kaputt ist im Haus oder am Auto „leihen“ mir meine Freundinnen auch mal ihren Mann aus. Allein würde ich das sonst nicht schaffen. Ich bin froh, das es so ist. Natürlich fehlt mir auch mal jemand zum „in den Arm nehmen“ oder um Probleme mit den Kindern zu diskutieren. Wie gesagt, mein Exmann nimmt die Kinder zwar regelmäßig, aber unser Verhältnis ist nicht so toll, als das wir miteinander mehr als nötig reden. Wenn ich dann sehe, wie es in anderen Beziehungen läuft, das tut manchmal schon weh. Ich bin nicht unbedingt einsam, aber ich sitze schon abends allein auf dem Sofa und meine Kommunikation beschränkt sich vorwiegend auf das Telefon oder über kurze Begegnungen. Als Paar hat man mehr Möglichkeiten. Und ja, manchmal beneide ich die anderen Frauen um ihre Beziehung, nicht um den Mann, aber darum, nicht immer alles allein entscheiden zu müssen.“

Tanja, 37, seit zwei Jahren getrennt, 1 Kind: „Für mich hat sich die Situation durch die Trennung verbessert. Mein Ex kam gar nicht gut klar mit meinen Freunden. Er kam auch ungern mit, wenn wir mal eingeladen waren. Er ist lieber mit seinen Kumpels los oder zum Fußball. So hat jeder seinen Freundeskreis behalten. Derzeit geht es mir ganz gut so, wie es ist. Ich würde aber lieber wieder eine Beziehung haben. Ich hätte nicht gedacht, wie hart das ist, allein zu sein. Also immer. Wenn ich krank bin, wer kümmert sich um die Kleine?

Wer bringt sie in den Kindergarten? Wer holt sie ab? Wer kocht? Wer kauft ein? Das Weggehen abends oder mal mit einer Freundin Kaffeetrinken ist ja das Eine. Aber mir fehlt eher jemand, der mich im Alltag unterstützt. Wenn ich krank bin stoppt zu Hause alles. Ich kann dann meine Tochter nur zu Hause versorgen, Kindergarten fällt dann aus. Das ist schade, aber ich kann es nicht ändern. Das sehen viele Frauen gar nicht, die in einer Beziehung sind. Das man nämlich auf sich gestellt ist und keinen hat, auf den man zurückgreifen kann.“

Steffi, 29, frisch getrennt, Zwillinge: „Ohne meine Familie wüsste ich nicht, wie ich das schaffen sollte. Sie springen ein, wenn ich mal nicht kann. Dafür bin ich dankbar. Ich weiß, das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich sehe das in der Schule, wenn die Alleinerziehenden abgehetzt zum Elternabend kommen, weil der Babysitter sich verspätet hat oder wenn ein Kind krank ist und dergleichen. Meine Eltern helfen mir da sehr. Das beruhigt mich natürlich und deshalb schiebe ich auch keine Panik, wenn die Erkältungszeit ist und wir krank sind. Dann kommt die Oma und kocht oder versorgt die Kinder. Freunde? Wenig. Eher oberflächlich. Ich kenne einige Mütter von der Schule oder vom Verein her. Richtig in Kontakt komme ich aber nicht. Es bleibt beim „Hallo“ und „Tschüss“. Ich fühle mich manchmal ausgegrenzt oder auch nicht verstanden. Familie ist gut, klar, aber nicht alles. Ich würde gern auch als Frau was machen, rauskommen, was unternehmen, tratschen, so wie früher. Wenn man mit anderen Müttern zusammensitzt kommt aber meistens deren Familienleben auf den Tisch. Und wenn ich mich mal ausheulen will, dann verstehen die das nicht. Die können sich nicht vorstellen, wie es ist allein zu sein. Und auch der finanzielle Aspekt. Mir fehlt oft das Geld. Kann meinen Kindern vieles nicht kaufen. Ich habe nur einen Halbtagsjob und das reicht hinten und vorn nicht. Da kann ich nicht mal eben für 100 Euro eine Markenjacke kaufen. Dann fühl ich mich echt ausgeschlossen. Ich muss die Jacke gar nicht haben, aber ich will auch nicht ständig das Gefühl haben, wie arm ich eigentlich bin.“

Simone, 41, fünf Jahre getrennt, zwei Kinder: „Freunde? Schwierig. Mein Freundeskreis hat sich irgendwann aufgelöst. Zu Geburtstagen wurden halt Paare eingeladen, da war ich nicht mit dabei. Am Anfang schon, dann nicht mehr. Vermutlich, weil ich keinen passenden Partner hatte. Ich hab auch gemerkt, dass mich manche Frauen anders behandelt haben. Wenn ich dem Mann was gesagt habe, wurden die schon zickig. Könnte ich als Kompliment sehen, wie begehrenswert ich doch sein muss, hat mich aber eher traurig gemacht: So sehen sie mich also? Ich habe das nach einem Elternabend, als wir noch in ein Bistro gegangen sind, mal knallhart gesagt: „Als ob eine Singlemutter sich einen Mann mit Kindern aus einer Beziehung nehmen würde. Wer will das schon? Die Frau, die das denkt, hat wohl eher Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein oder mit der Beziehung.“ Zack, das hat gesessen. Beim nächsten Mal sind sie ohne mich los. Da scheine ich wohl in ein Wespennest gestochen zu haben. Aber – so ist es doch? Warum sollte ich eine Freundschaft aufs Spiel setzen für einen gebundenen Mann? Überhaupt, der war vorher ein Freund und ist es noch, aber mehr nicht. Warum kapieren die Frauen das nicht? Und dann sind sie ja alle irgendwie „alleinerziehend“. Der Mann arbeitet und schon sind sie mit mir auf einer Stufe. Die wissen gar nicht, wie gut sie es haben, dass sie finanziell anders eingestellt sind; das jemand da ist, mit dem sie sich austauschen können. Mein Exmann ist nicht nur weg, er ist auch mein Feind. Wie oft versucht er, über die Kinder, mir Probleme zu machen? Lerne ich tatsächlich mal jemanden kennen, mischt er sich in die Beziehung ein, in dem er die Kinder aufhetzt, damit sie den neuen Freund ärgern. Und wenn ich was mit ihm besprechen möchte, hat er keine Zeit oder kein Interesse. Dabei geht’s um die Kinder. So, das berücksichtigen die „Pseudo Alleinerziehenden“ nämlich gar nicht. Wie schwierig so ein Expartner sein kann. Und ja, ich hätte gern Freunde. Freunde, die mich einladen, auch ohne Partner. Und Freunde, die auch mal zuhören, wenn ich reden möchte. Wenn es mir nicht gut geht. Das ging doch früher auch? Warum jetzt nicht mehr? Das Alleinsein ist gar nicht das schlimmste, das schlimmste ist, wenn man alleingelassen wird.“

Thea, 33, zwei Jahre getrennt, ein Kind: „Ich habe nach der Trennung erstmal völlig isoliert dagestanden. Ich hatte zwar eine gute Freundin, die steht auch zu mir. Aber das war es. Und alles auf sie abladen wollte ich auch nicht. Ich habe überlegt, was ich machen könnte. Wie hätte ich es früher als Single gemacht, ohne Kind? Also hab ich es erst im Sportverein versucht, aber da waren eher wenn, dann Frauen ohne Kind. Die hatten mit Kindern auch noch nicht viel am Hut, also das war höchstens mal was Trinken nach dem Training. So Kontaktbörsen wollte ich nicht, ich suchte ja Frauen, keine Männer. Dann hab ich gedacht, vielleicht kann ich das nicht erzwingen, das muss sich ergeben. Ich mache jetzt was, was ich zeitlich und finanziell hinbekomme und wozu ich Lust habe. Es gab bei der Volkshochschule einen Nähkurs, da hab ich mich angemeldet. Ich wollte sowieso immer mal was für meine Tochter selbst nähen. Und im Kurs hab ich dann andere Frauen kennengelernt. Erst blieb es beim Treffen im Kurs, später haben wir uns dann auch bei uns zu Hause getroffen, zusammen genäht oder einfach nur mal was gegessen oder geredet. Da war das Singlemutter sein von mir kein Thema. Klar, ich bin schon anders, weil ich halt nichts vom Mann erzählen kann und bei manchen Themen bin ich nur Zuhörer, aber es geht. Es tut gut, einfach Kontakte zu haben. Es muss nicht immer der große Tiefgang sein bei dem man sich total öffnet. Aber wir haben Spaß und ich kann mal nur ich sein, was mir richtig gut tut. Und sonst habe ich ja noch meine beste Freundin. Ich kann mir vorstellen, dass langjährige Freundschaften auch eine Trennung vom Partner überstehen. Weil man als man selbst wahrgenommen wird.“

Was Du gegen die Einsamkeit tun kannst – Sabines Tipps

  1. Allem voran: Wie reagiert mein Freundeskreis? Werde ich noch eingeladen, gehöre ich dazu? Bekomme ich Hilfen? Wenn nicht – unbedingt ansprechen. Aber nicht beleidigt oder enttäuscht reagieren, sondern vielmehr das Gespräch suchen und schildern, wie es sich anfühlt, wie man gesehen werden möchte. Man wird schnell merken, ob das Gegenüber darauf eingeht oder eher unangenehm berührt reagiert. In dem Fall: das sind keine Freunde, höchstens Bekannte. Da lohnt es sich, die Erwartungshaltung zurückzuschrauben.
  2. Vernetzen. Das Allerwichtigste! Schreibt Zettel und hängt sie aus: gute Plätze sind – Kinderarzt, Gynäkologe (da muss jede Frau ja mal hin), Supermarkt, Kindergarten, Schule, Sporthalle, etc. Überall da, wo ihr gern seid oder hingehen müsst und wo FRAUEN vermehrt auftauchen.
  3. Im Internet nach Alleinerziehenden googeln. In den sozialen Medien gibt es viele Gruppen für Alleinerziehende. Dort kann man sich oftmals mit Postleitzahl vorstellen und so Kontakte knüpfen. Manchmal reicht auch, sich zu schreiben oder zu telefonieren. Wichtig ist, überhaupt in Kontakt zu kommen! Gemeinsam findet man oft Lösungen oder hat zumindest Gleichgesinnte zum Reden und Schreiben.
  4. Sich ein Hobby zulegen, das finanziell und zeitlich passt: im Sportverein, Volkshochschule, Malkurs, Kochen, egal. Vielleicht auch mal Nachfragen, ob es Kurse speziell für Singles gibt oder für Frauen. VORSICHT! Manche Kurse sind tatsächlich für Singles, werden aber gern als Kontaktbörse gesehen. Nehmt auch Kurse, die nicht auf den ersten Blick nach Singles aussehen, was wolltet ihr immer mal gern machen? Den Sprachkurs? Klöppeln? Asiatisches Kochen? Egal – Gleichgesinnte haben schon mal eine Gemeinsamkeit, das verbindet. Vielleicht nur für den Kaffee nach dem Kurs, aber immerhin! Aus jedem Kontakt kann sich ein weiterer Kontakt knüpfen. Und es entspannt und entschleunigt den Alltag.
  5. Sich nicht verbiegen oder anfangen, sich selbst zu verleugnen oder die Kinder abzulehnen, weil sie im Weg sind. Das kann passieren, wenn man ständig ausgegrenzt wird oder sich einsam fühlt.
  6. Die Zeit mit den Kindern genießen, viel mit ihnen unternehmen. Das sind besondere Momente – ihr bestimmt, was ihr unternehmen wollt. Das kann eine ganz innige Zeit sein und ihr lebt für den Moment.
  7. Die Zeit alleine aktiv für SICH nutzen! Macht aus der Not eine Tugend: Schönheitspflege, abends gemütlich eine DVD gucken, wenn die Kinder im Bett sind; lesen, Musik hören, alles Dinge, die man gut allein machen kann und wichtig: das alles auch GENIESSEN!!

Über Sabine Christel: Die zweifache Mutter ist Autorin von zwei Büchern, in denen sie sich viel von der Seele schrieb. „Teenager Trouble“ und „Mama will Meer“ sind im Eigenverlag erschienen (Wenn Ihr auf den Titel klickt, kommt Ihr zurAmazon-Bestellung). Außerdem betreibt Sabine einen Blog.

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2 Comments

  • Hi, ich bin selber alleinerziehende Mutter eines 8-jährigen Sohnes und komme wenig unter Gesellschaft und habe noch weniger Austausch zu anderen Alleinerziehenden. Deshalb liebe ich solche Seiten wie diese und Erfahrungen von anderen Alleinerziehenden zu lesen. Macht bitte weiter so, ich schaue fast täglich bei euch vorbei!

    LG,
    Mareike

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