Die Einsamkeit der Solo-Mamas – Sabine erzählt was da abgeht. Und was sie dagegen tat

MAMA BERLIN EInsamkeit Solo-Mama

„Ich war scheinbar eine neue Spezie: Für die einen fehlte mir der Mann, für die anderen hatte ich zu viele Kinder. Ich war Single und eigentlich doch wieder nicht, ich hatte ja Familie. Ich war Familie und eigentlich doch wieder nicht, ich hatte ja keinen Partner …“Sabine Christel Porträt

So schreibt die Autorin Sabine Christel. Die alleinerziehende Mama von zwei Kinder schrieb sie sich von der Seele, was sie selbst erlebt hatte und veröffentlichte im Eigenverlag: „Teenager Trouble“ (2015) und „Mama will Meer“ (2016) und sie erntete großes Feedback, nachdem ihr Buch in einer Tageszeitung besprochen worden war.

Sabine: „Es gab so viele Frauen, die das gleiche erlebten hatten. Die sich ausgegrenzt fühlten und einsam waren.“ Für MAMA BERLIN hat Sabine Christel diesem wichtigen Thema angenommen – auf der Suche nach Ursachen. 

Single + Mama = allein

von Sabine Christel

Als ich noch verheiratet war und dann Mutter wurde, meinte meine damalige beste Freundin zu mir: „Das waren schöne Zeiten, als Du noch Single warst. Weißt Du noch, wie wir es uns bei Dir gemütlich gemacht haben in Deiner kleinen Wohnung? Oder wir einfach so ins Kino gehen konnten – spontan …“

Als ich dann ein Jahr später tatsächlich getrennt und wieder Single war, erinnerte ich sie an ihre Worte: „Lass uns ausgehen – ich würde gern mal auf andere Gedanken kommen, die nichts mit Scheidung und dergleichen zu tun haben …“ Doch sie druckste herum. Schließlich meinte sie: „Du, triff dich doch lieber mit Frauen, die so sind wie Du …“ Wie ich? Ich verstand nicht sofort. Sie setzte nach: „Na, Single-Mütter, halt.“

Und das war nicht der einzige Spruch: „Stell Dich nicht so an, Prinzessin“, sagte sie mir, „Du hast doch eine Wohnung und ein Auto, was willst Du noch? Ob nun mit Mann oder ohne, das spielt doch keine Rolle. Du hast wenigstens keinen Stress mit dem Mann, das ist doch auch was.“ Peng! 

Die Worte saßen. Im Gegensatz zu mir lebte sie mit Mann und Kindern weiter ihren Kleinfamilie-Traum. Zum ersten Mal wurde mir klar, dass eine Scheidung mehr ist, als die bloße Trennung vom Partner: Jetzt bist du in den Augen der anderen, „anders“. Aber alles nur wegen des Beziehungsstatus? Sollten wir wirklich alle noch so ticken?

In einer Zeit, in der sich die Gesellschaft rühmt, alles anzugleichen – Väter nehmen Elternzeit, Frauen arbeiten in Männerberufen, wir leben gleichgeschlechtliche Partnerschaften, es gibt eine Vielzahl von getrennten Elternpaaren und fast zwei Millionen Alleinerziehende – in so einer Zeit bist Du als Singlemutter plötzlich irgendwie übrig?

Leider bestätigte sich mein Gefühl. Das „Anderssein“ trat schnell an allen möglichen Stellen zu Tage: Zur Einschulung stellten sich die Eltern vor – ich war die einzige ohne Ehemann. Natürlich war es für mich auch nicht so einfach, die Termine in der Schule unter einen Hut zu bekommen: Elternabende und gleichzeitig Kinder betreuen. Alles, bei dem ich die Kinder NICHT mitnehmen konnte, fiel für mich aus. Verständnis dafür brachte mir niemand entgegen.

Eine Lehrerin meinte einmal, als ich leider wieder mal absagen musste, „andere schaffen das doch auch!“ Ich bat sie: „Okay, dann nennen Sie mir doch bitte die Namen dieser anderen Singlemutter, damit ich sie fragen kann, wie sie es schafft, alles ,unter einen Hut‘ zu bekommen, damit ich es ändern kann.“ Doch es stellte sich heraus, dass sie mich mit einem Paar verglich, das sich bei der Kinderbetreuung abwechselte – wo es also noch einen Elternteil gab, der mit anpackte. Davon konnte ich nur träumen.

Ich hatte ein Stillkind zu Hause und konnte deshalb den Schulausflug nicht begleiten. Sollte ich jemals erwartet haben, dass Eltern Rücksicht oder Verständnis zeigten, so wurde ich auch hier eines besseren belehrt. 

Ich wurde nicht mehr eingeladen: „Du fühlst Dich ja bestimmt nicht wohl unter all den Paaren … „

Mir wurde klar: Man wird blind gegenüber den Bedürfnissen der Single-Mütter, wenn man selbst einen Partner an der Seite hat. Man verliert das Gefühl dafür, wie es ist, allein zu sein. Jeden Tag alles alleine organisieren zu müssen. Und offensichtlich auch überheblich – denn man übersieht völlig, was das Alleinsein tatsächlich für die Betroffenen bedeutet: Ich hatte eben keinen Helfer in der Hinterhand, der einsprang, wenn ich nicht konnte.

Zudem kam die gesellschaftliche Ausgrenzung. Ich wurde nicht mehr eingeladen! Eine Freundin vertraute mir hinter vorgehaltener Hand an, dass ich mich bestimmt nicht wohlfühlen würde, so unter Paaren …

Viele Frauen sehen sich trotz Beziehung als alleinerziehend an

Ich wäre sehr gern abends mal ausgegangen – aber für die Ehefrauen ging das nur, wenn ein Mädelsabend anstand – was sehr selten der Fall war. Was selten genug vorkam. Und natürlich ging es bei diesen seltenen Abenden meistens um IHRE Familie: Was der Mann so macht, wohin sie verreisen, wer wo gebaut hatte und was für eine Party man mal machen könnte. Ich konnte nicht mitreden: Einen Mann hatte ich nicht, für Reisen fehlte mir das Geld und für Partys fehlte die Begleitung.

Und wenn ich mal kurz aus meinem Alltag erzählte, erwähnte, wie anstrengend es ist, alles allein machen zu müssen, dann fuhr mir irgend eine Mutter über den Mund: „Denkst Du, mein Mann hilft mir mit? Im Prinzip sind wir doch alle alleinerziehend!“.

Am Auffälligsten war, dass viele Frauen IN einer Beziehung sich selbst als alleinerziehend bezeichneten, entweder weil der Mann sich wenig in das Familienleben einbrachte, beruflich viel unterwegs war oder die Frau ebenfalls berufstätig war, die Kindererziehung aber zusätzlich als ihre Aufgabe ansah.

Die Bedeutung von „ALLEIN“ in „Alleinerziehend“ scheinen viele gar nicht wahrzunehmen. Du hast niemanden, der mit Dir gleichberechtigt die Familie zusammenhält. Im besten Fall hast Du Unterstützung von deiner Familie, Freunden oder staatlicher Betreuung  – aber du hast keinen Partner, der den Alltag mit dir teilt.

Im Gegenteil: In vielen Fällen hat man Probleme mit dem Ex-Partner, die zusätzlich belasten. Die meisten sind finanziell sehr eingeschränkt und immer am Limit, was die eigene Kraft betrifft. Dazu kommt die Sorge, was ist, wenn ich selbst ausfalle? Wer ersetzt mich, wer springt ein? Das ist belastend.

Auch in der Nachbarschaft spalteten sich die Gemüter. Ich erinnere mich, das die Nachbarn neu renovierten und mich der Vater eines Tages fragte, ob ich mir mal die neuen Räume ansehen möchte. Es war heller Tag, die Kinder – seine und meine – spielten zusammen, ich ging hinüber.

Ich wirkte plötzlich auf andere Ehefrauen wie eine Gefahr

Ich bewunderte gerade die tolle Tapete, als seine Frau nach Hause kam. Sie beachtete mich gar nicht, sondern fuhr ihren Mann an, warum er herumstehen würde. Ich bedankte mich für die Führung und wollte mich verabschieden. Sie verbot ihm, mich hinauszubegleiten.

Wie gesagt, die Kinder waren dabei, es war nichts verwerfliches an der Situation. Trotzdem: Seitdem grüßte er mich nur noch, wenn seine Frau nicht dabei war.

Ich war plötzlich zu einer Gefahr für die Ehefrauen geworden! Ich war das, was sie nicht sein wollten: eine Singlemom.
Und natürlich hat jede Singlemom nichts besseres im Sinn, als einer anderen Frau den Ehemann auszuspannen, so dachte sie anscheinend.

Oder galt das Misstrauen eher den Ehemännern? Ich machte auch die Erfahrung, dass verheiratete Männer mir eindeutige Avancen machten. Angenehm war auch das nicht. Sie spielten den Chauvi-Retter: Die arme Frau ist bestimmt froh, wenn sie mal wieder einen Mann im Bett hat …

Ernste Absichten hatten diese Männer nicht. Ich bekam immer mehr das Gefühl: Welcher Mann bindet sich die Kinder eines anderen ans Bein? Ich fühlte mich wie Secondhandware, schon benutzt und irgendwie dadurch auch nicht mehr Frau, sondern eigentlich nur noch Mutter.

Auch keine Option waren leider die Singlefrauen ohne Kinder. Wir kamen nicht auf einen Nenner: Für nächtelange Züge durch die Disco fehlten mir Energie und Babysitter und zu einer Zeit, in der sie arbeiteten, war ich zu Hause, machte mit den Kindern Hausaufgaben oder hing mit ihnen auf dem Spielplatz und buddelte im Sand. Über was sollten wir uns austauschen?

Und dann traf ich (endlich) auch mal eine Singlemutter. Es stellte sich allerdings heraus, dass sie eher eine kostenlose Kinderbetreuung suchte, als Freundschaft. Ich ließ den Kontakt auslaufen.

Aber manchmal siegt auch die Wahrheit – wenn es auch dauert. Meine damalige beste Freundin, die mit dem Superspruch von oben, rief eines Tages an. Mittlerweile ebenfalls frisch getrennt. Plötzlich erlebte auch sie ihren Partner völlig verändert und verstand pklötzlich: „Ich wollte mich bei Dir entschuldigen, für den ganzen Mist, den ich so gesagt habe“, sagte sie. „JETZT weiß ich erst, wie scheisse es ist, allein zu sein.“

Wenn wir uns alle ein wenig mehr verstehen, ändert das schon eine ganze Menge

Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann dass wir Frauen und Mütter mehr für einander da sind und dieses Konkurrentinnen-Ding einfach mal abstellen. Wir Solo-Mamas wollen nichts anderes als alle Mamas, nämlich …

  • … Freundinnen haben, die sie verstehen und ihnen nicht das Gefühl vermitteln, sie gehörten nicht dazu
  • … als Frau gesehen werden, ohne abgewertet zu werden.
  • … eingeladen werden; wo steht geschrieben, dass man wie auf der „Arche Noah“ nur paarweise auftreten kann? Und am besten lädt man gleich noch ein paar Single-Väter dazu ein
  • … nicht als Feindin der Ehefrauen gesehen werden. Vielleicht sich auch einfach mal selbst erkennen: Warum bin ich denn so ängstlich? Was soll diese Eifersucht? Kriselt es in meiner Beziehung? Was fehlt mir? Was wünsche ich mir? Was brauche ich?

Das habe ich gegen die Einsamkeit unternommen

  • Teenager Trouble CoverWas ist nun aus mir geworden? Ich habe akzeptiert, dass wir anscheinend doch unter uns am besten verstanden werden und mich auf die Suche nach anderen Mamas gemacht, die offen sind für neue Kontakte. Hier möchte ich Euch meine Ideen weitergeben:
  • Ich habe einige Singlemomgruppen online gegründet und bin auch in anderen Gruppen aktiv. Einige der Mitglieder kenne ich inzwischen auch persönlich. Der Online-Austausch tut gut. Ich weiß, da sind noch mehr, denen es genau so geht wie mir und wir uns austauschen können. Mama-will-Meer-CoverfrontDM
  • Ich habe einen Mütter-Stammtisch vor Ort gegründet (ich fing mit einem Aushang im Kindergarten an). Seitdem treffen sich Mütter, die Lust auf ein wöchentliches gemeinsames Frühstücken haben. Diese regelmäßigen Treffen bringen Abwechslung in meinen Alltag.
  • Außerdem habe ich über den Alltag einer Singlemom zwei Bücher geschrieben, mit allen Sonnen- und Schattenseiten, die sich so zeigen.
  • Ich habe mir nicht den Humor nehmen lassen. Meiner Meinung nach ist er das Wichtigste. Ehe ich mich über etwas aufrege, versuche ich die Sache mit Humor zu betrachten. Gelingt natürlich nicht immer – aber es wird besser.

 

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13 Comments

  • Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil und ich spüre ihre Lebenserfahrung, die so bitter sie ist, nie den Humor verliert. Wo bekomme ich ihre Bücher ?

    D. Maria – Berlin

  • Ich mußte lachen, meine Trennung liegt sieben Jahre zurück, denn mir ist es zu mei.er totalen Überraschung damals genauso mit den Gattinnen ergangen. Ich wurde von einem Tag auf den anderen nicht mehr eingeladen, gefragt, warum ich mich mit dem Mann unterhalte und, schlimmer, die Kinder flogen ebenfalls aus vertrauten Kreisen raus. Ich kam mir vor, wie in einem 50ger Jahre Heimatfilm…Hinzu kam ebenfalls die veränderte finanzielle Situation, die uns auch nicht mehr erlaubte, an manchen Unternehmungen teilzunehmen. Allerdings habe ich auch selber schnell gemerkt, dass mir der Austausch mit Anderen in der selben alleinerziehenden Situation wichtig war. Ich habe somit sehr schnell Kontakt zu anderen Alleinerziehenden gesucht und auch gefunden. Es ist wichtig, da selber aktiv zu werden, offen zu sein, andere einzuladen. Auch für die Kinder war es gut und wichtig, Kinder in ähnlichen Lebenssituationen kennenzulernen, festzustellen, dass es auch andere Gleichaltrige in ihrer Lebenssituation gibt. Letztendlich hab ich tolle neue Menschen kennengelernt und die alte Umgebung hat sich irgendwann auch wieder eingekriegt. Man darf vielleicht auch nicht vergessen, dass eine Trennung ein Affront für manche Familien darstellt, der Austausch über Partnerprobleme auch andere an ihre Paarprobleme stösst. Das scheint zu beängstigen. Heute kann ich da nachsichtiger sein – während der Trennung war ich einfach nur verletzt von dem Verhalten. Aktiv werden finde ich elementar wichtig, aber es fiel mir auch nicht schwer und ich lebe in einer Großstadt. Ich habe mich oft gefragt, wie es alleinerziehenden auf dem Land ergeht – und ahne, dass es sehr schwierig ist, der Einsamkeit dort zu entgehen.

  • Also… ich finde es einerseits legitim, wenn hier mit dem Focus auf die Sicht von alleinerziehenden Frauen berichtet wird – andererseits sieht die Wirklichkeit von alleinerziehenden Männern in vielen Bereichen sehr ähnlich aus. Eine Möglichkeit, die Situation zu verändern, Sichtweisen zu überprüfen, wäre, auch die Perspektive von diesen Männern einzunehmen. Daraus erwächst viel mehr die Chance, sich aus dem unterschwelligen Selbstmitleid, dass hier ständig mitklingt, zu befreien und Chancen und Möglichkeiten zu erkennen – auch im Umgang mit anderen Männern/Vätern. Den Status „getrennt / alleinerziehend“ erleben statistisch heute die meisten Menschen in ihrem Leben mindestens einmal für längere Zeit, meist häufiger.

    • Das ist noch nicht mal das Klopapier wert, mit dem ich mir gerade den Hintern abgewischt habt. Das kleine Muttersöhnchen, als wenn es irgendjemanden interessiert, was der Wirres von sich gibt.

      • Nunja, mag man denken, was man will, aber er hat im neuesten Artikel vom 01.03.217 bis jetzt (2.3.2017, 15:27) bereits 414 Kommentare.
        Bei Deinem letzten Artikel (BGH-Urteil vom 28.02.2017) sind es knapp 2 Kommentare.
        Ich willl jetzt nicht irgendetwas über Wahrnehmung in der Öffentlichkeit oder Relevanz („als wenn es irgendjemanden interessiert“) des „kleinen Muttersöhnchens“ sagen.
        Ich nenne nur Fakten oder für Dich als Breitbart-Liebhaberin evtl. „alternative Fakten“.
        Einen schönen Tag Dir.

        • Hallo Veritar, ich würde gerne antworten, wenn deine Kommentare so ein wenig mehr Inhalt oder überhaupt welchen hätten. Ansonsten weiterhin viel Spaß beim Kommentieren.

          • – Chapeau.

            Mamaberlin zensiert nicht, die hat Selbstbewusstsein.

            Mit dir würde ich gern mal über Über die ästhetische Erziehung des Menschen diskutiern.

      • Kleiner Nachsatz, was mir eben so einfiel – und weil Du ja auch journaillistisch (kein Orthographiefehler – ist Absicht) tätig bist.
        Eventuell ist ja die Zielgruppe für Deine Artikel zu klein, so daß Du mehr oder weniger in einer kleinen Blase lebst, ohne es zu wissen. Ich öffne mal ein bißchen das Fenster……
        Klar, die AE stellen in Deutschland 2,3 Millionen aber hast Du Dich nicht schonmal gefragt, warum sich die nicht bei Dir ausheulen? (Und Deine Kommentare nach oben jubeln?)
        Ich kann Dir eine mögliche aber plausible Antwort geben: Die meisten AE haben ihr Leben im Griff, besonders AE-Väter wie ich.
        Die jammern nicht, sondern machen und wissen, daß zur Entstehung einer AE immer 2 Personen und niemals nur der Mann notwendig ist.
        Leider sind einige AE – wie stehts mit Dir? – nicht in der Lage zuzugeben, daß auch sie selber zu ihrer Situation aktiv beigetragen und somit die Situation selbst gewählt haben. Und die jammern dann in Blogs, statt zu machen.

        Also, einen schönen Tag.

  • Liebe Mamaberlin,
    ich frage mich, wer diese „Veritars“ immer so schnell aus dem Hut zaubert, sobald eine Alleinerziehende aus ihrer Isolation rausgeht und ihre Geschichte öffentlich macht. Sie sind ja gar so bezaubernd, die kleinen Trolle. Ich sollte sie gar nicht erst erwähnen, ich weiß, aber sie sind mir sehr aufgefallen, nicht nur auf deiner Seite, daher wollte ich das nun hier zum Ausdruck bringen.
    Ich bin selbst in zweiter Generation alleinerziehend und weiss sowohl aus Kindersicht als auch auch Müttersicht ganz genau, worüber du schreibst und finde es toll, dass du es tust. Ich weiß, dass die Trolle jetzt wohl auch Jagd auf mich machen werden. Von wem werden sie dafür bezahlt, frage ich mich.
    Ich denke darüber nach, dem Verband für Alleinerziehende beizutreten. Das hätte ich mir früher finanziell einfach nicht leisten können, obwohl der Mitgliedsbeitrag gar nicht so hoch ist. Allerdings gibt es eine höchst erschreckende Sache, die mir auffällt, die nichts mit dem Verband zu tun hat, und mich würde deine Meinung dazu interessieren. Es schockiert mich immer wieder, wenn ich die Filme / Bilder über Alleinerziehende sehe und es scheinbar nur diejenigen wert sind, porträtiert zu werden, die sich ständig in einem Zustand der totalen Erschöpfung befinden. Das wäre ja in Ordnung, und ich kenne diesen Zustand aus persönlicher Erfahrung zur Genüge, aber was mich verstört, ist, daß die porträtierten Damen als Helden des Alltags richtiggehend „glorifiziert“ werden. Es verstört mich, dass dieser Zustand zum „Leitstern“ erklärt wird. Also, erst wenn ein alleinerziehender Mensch am Ende seiner Kräfte ist, ist sie es wert, beachtet zu werden? Mein Credo wäre, eine Struktur für Alleinerziehende zu schaffen, die es VERHINDERT, dass diese ständig ihren Tag am Limit leben müssen, nicht nur finanziell…Warum sollen sie denn Vollzeit arbeiten, wenn sie schon Vollzeitmama sind, wenn das alle – auch wenn ein Kita-Platz da ist bzw. Betreuung in der Schule – super stresst? Denn das ist weder ein gutes Vorbild für die Kinder noch nützt es den Kindern oder der Frau selbst. Ich finde es ist an der Zeit, darüber zu diskutieren, und freue mich, daß ich auf deiner Seite einen Anfang dazu gefunden habe. Ich fange gerade erst an, darüber radikaler zu denken. Ich finde, es wird auch für Alleinerziehende Zeit, heftig auf die Bremse zu treten, was Selbstausbeutung angeht – nicht nur in ihrem eigenen Interesse, sondern auch im Interesse der Kinder. Ich weiß nicht, wie gut ich mich da ausgedrückt habe, würde mich aber über deinen Kommentar freuen.

    • Danke für den Kommentar. Ich bin da ein wenig offener. Ich denke, es wird schwer, EINE generelle Lösung zu etablieren. Ich finde auch, dass z.B. die Struktur und auch der Umgang mit alleinerziehenden Müttern hier in Berlin ein viel unkomplizierter ist, als ich das manchmal aus Berichten aus deutschen Kleinstädten höre. Ich kenne auch viele Mütter, die sehr gerne arbeiten WOLLEN – nicht weil sie es MÜSSEN, sondern weil sie es als erfüllend finden, selbstverantwortlich zu sein und finanziell unabhängig. Auch das Thema Kinderbetreuung wird von vielen Müttern sehr unterschiedlich empfunden und eingeschätzt – es kommt natürlich immer auf die eigenen Sensibilität und die der Kinder an … Auch hier gibt es meines Erachtens keine GENERELLE Lösung. Ich habe als Alleinerziehende dieses „ausgelaugt fühlen“ auch nie so gehabt, was vielleicht daran liegt, dass ich ein gutes Netzwerk hatte, relativ gute Einnahmen hatte und einen Job habe, der sich auch teilweise von zuhause erledigen lässt, sowie teilweise frei einteilbare Arbeitszeiten und dadurch gewissen Freiraum genieße und auch nur einen Sohn habe. Grundsätzlich liegt das Problem meines Erachtens an der schlechten Vorbereitung vor allem von Frauen auf die heutige Familiensituation. Wir haben keinen Versorgungsanspruch mehr durch unsere Männer/Väter der Kinder und ich persönlich finde das auch richtig. Ich merke auch, dass sich viele Frauen nicht wirklich auf die Situation als Mutter und Berufstätige einstellen und z.B. eine Lebensstruktur schaffen, die sich gut mit dem Müttersein vereinbaren lässt, damit dieser Stress nicht aufkommt, d.h. auch mehr Anerkennung im Job und keine so strikte Trennung von Arbeits- und privater Lebenswelt, sondern vielleicht auch Berufe wählen, die zeitlich und inhaltlich kompatibel sind. Ich habe mich beruflich auch komplett anders aufgestellt, seit ich Mutter bin, meine Einnahmen sind zurückgegangen, aber nicht so dramatisch, dass ich nicht mehr davon leben kann und ich kann eben auch weiter etwas sparen und für das Alter zurücklegen kann. Damit entsteht für mich sehr viel weniger Stress. Das musst Du auch bedenken: Viele Mütter empfinden Abhängigkeiten – egal von einem Mann oder vom Staat als stressig. Ich gehöre auch dazu. Für mich ist das Kinderkriegen auch vor allem eine private Entscheidung, die Vor- und Nachteile hat, die man sich gut überlegen sollte. Aber gezwungen wird ja nun niemand dazu, Mutter oder Vater zu sein und ein Leben ohne Kinder hat zudem auch eine Reihe von Nachteilen, wenn auch weniger finanzieller Hinsicht – u.a. zahlen Kinderlose doch auch oft sehr viel Steuern und können eben nicht die Vorzüge einer Familie genießen. Ich denke, wir sollten eher dazu tendieren, zu überlegen, was wir SELBST zur Verbesserung beitragen können. Dazu gehört aber auch die Verantwortung und den Mut für Veränderungen zu haben und zum Neudenken. Es war schon immer so, dass Mütter sehr wohl für die Familie aufkommen und viele das auch leisten.
      Vielleicht auch noch ein Gedanke, der wichtig ist: Auch viele „normale“ Familien oder auch Singles sind überlastet, auch wenn sie zu zweit sind, werden die Probleme nicht unbedingt kleiner. Wenn beide nicht besonders viel verdienen, wenn wenig Zeit da ist, die Arbeit viel Zeit verschlingt, die Ansichten sich unterschiedlich entwickeln … Ausgelaugt sein ist nichts, von dem nur Alleinerziehende betroffen sind.

      Was ich allerdings total daneben finde, ist dass die Verantwortung der Väter für IHRE Kinder nicht eingefordert wird. Vor allem nicht finanziell. DAS geht gar nicht.

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