Mehr Arbeitsplätze für Mamas: Die besten Tipps von Uta Gärtner von Goldnetz e.V.

MAMA BERLIN Goldnetz Gärtner
Uta Gärtner, Projektmanagerin bei Goldnetz e.V.

Dass Eltern finanziell für ihre Kinder aufkommen, egal ob sie nun getrennt oder zusammen leben, ist selbstverständlich. Dass Frauen und Männer, auch wenn sie Eltern werden, weiterhin für ihr Einkommen zuständig sind – natürlich auch.

Bei Männern ist die durchgängige Berufstätigkeit viel selbstverständlicher als bei Frauen, was mit der Wirtschaftsgeschichte zu tun hat und dem patriarchalen Selbstverständnis, was sich auch Frauen zu eigenen gemacht haben – nicht zu ihrem Vorteil.

Denn nun haben wir den Salat: Viele Frauen, die wegen der Kinder zu Hause blieben, sich auf die Einnahmen des Mannes stützten, stehen bei einer Trennung ohne Job, Geld und gesellschaftlich isoliert dar – ein Unterhaltsanspruch der Frau besteht so gut wie gar nicht mehr (was viele Frauen immer noch nicht wissen). Väter zahlen nur noch für das Kind – doch auch den leisten mindestens die Hälfte der Väter nicht einmal.

Nach der Trennung stehen die Frauen, die wegen der Kinder zu Hause blieben, vor dem beruflichen Nichts

Diese Frauen finden oft nichts, denn die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind als alleinerziehende Mutter katastrophal, landen oft in Armut, arbeitslos – obwohl sie eine Ausbildung, oft auch absolviertes Studium zu bieten haben … Die Vorurteile sind vor allem in Deutschland noch zu groß. Das drückt wiederum auf die Motivation der Mütter. Eine schlimme Situation ist das! Und viele Väter freuen sich geradezu hämisch über die Armut ihrer Ex-Frauen – sogar auf Kosten der eigenen Kinder! Das ist noch schlimmer!

Kurzum: Wir Frauen müssen die Möglichkeit haben, auch als Mütter beruflich agieren zu können und zwar so, dass wir und unsere Kinder davon leben können. Wir müssen uns alle – und das fängt bei unseren Töchtern und Erziehung an – mehr für anständige Kinderbetreuung und familienfreundliche Arbeitsmöglichkeiten einsetzen. Damit wir nicht abhängig sind, damit wir selbständig agieren können – letztendlich auch, damit wir nicht in diese ungute Abhängigkeit zum Mann geraten, die jede Beziehung in eine gefährliche Schieflage bringen kann. 

Viele Mütter wollen arbeiten – aber es mangelt an reellen Möglichkeiten

MAMA BERLIN Goldnetz LogoImmer mehr Orte in Deutschland widmen sich daher gezielt alleinerziehenden Frauen, denn die Notwendigkeit wurde auch politisch erkannt. Goldnetz e.V. in Berlin-Steglitz ist so eine Anlaufstelle. Die Schulungsstätte wird mit Mitteln des Senates finanziert, Senatorin Kolat (die den Antrag zur Neuregelung des #Unterhaltsvorschusses eingereicht hat) erklärte Goldnetz zu einem Herzensprojekt. MAMA BERLIN Goldnetz Alleinerziehend zum Erfolg

Die Arbeit zeigt Erfolg: 508 Frauen nahmen im letzten Jahr am Coaching teil, rund 40 Prozent fand danach einen Job oder einen Ausbildungsplatz. 

Ich traf die Goldnetz-Projektmanagerin Uta Gärtner (auch alleinerziehende Mama) zum Gespräch. Sie führt hier auf, welche Argumente für Mütter als Arbeitnehmerinnen sprechen können. Verbreitet diese Argumente gerne, fragt im Betrieb nach, was davon bei Euch umsetzbar wäre und erzählt davon anderen – so kann sich etwas verändern!

Gärtner bekommt viele Emails von Müttern, die sie erfolgreich vermitteln konnte, die glücklich sind, endlich wieder im Berufsleben zu stehen. Eins, so Gärtner, sei klar: „Viele Mütter WOLLEN arbeiten. Es mangelt einfach nur an ausreichend reellen Möglichkeiten“. Ich finde: Das muss sich ändern!

Was kann ein Arbeitgeber tun, um familienfreundlicher zu sein?

  • Betreuungsangebote: Betriebskindergarten oder Erwerb von Belegplätzen (machen z.B. Bayer Pharma AG, Deutscher Bundestag, Dussmann, Siemens, Springer Verlag, Daimler AG, Berliner Hochschulen und Universitäten), Unterstützung von Elterninitiativen, Zusammenarbeit mit Tagespflegepersonen oder Beauftragung von Familiendienstleistern
  • Angebote für eine Notfallbetreuung: z.B. Spielecken mit Spielzeug, Still- und Wickelzimmer, Eltern-Kind-Zimmer im Unternehmen, Angebote in Ferienzeiten, Babysitter-Pool für den Fall, dass ein Kind krank wird oder bei Überstunden
  • Zahlung eines Kinderbetreuungszuschusses durch den Arbeitgeber
  • Fortlaufender Kontakt zu den Beschäftigten in der Elternzeit: u.a. regelmäßige Informationen während der Elternzeit über E-Mail-Verteiler, Intranet, Teilnahme an betriebsinternen Veranstaltungen und Fortbildungen, Mentoring/Patenprogramme während der Elternzeit, betriebliche Elternnetzwerke
  • Familienbewusste Arbeitszeitmodelle mit flexiblen Arbeitszeiten: z.B. Gleitzeit, Einrichten von Arbeitszeitkonten, Home-Office, Teilzeit, Teilzeit mit Job-Sharing (Position wird mit einer Kolleg/in geteilt), sogenannte „Muttischichten“
  • Angebote für eine Teilzeit-Ausbildung

Was hat ein Betrieb davon, wenn er mütterfreundliche Arbeitsplätze schafft?

  • Motivierte Arbeitnehmerinnen: Wenn Verständnis gezeigt wird, dann ist die Verbindlichkeit viel größer
  • Produktivere Beschäftigte: mehr Motivation, mehr Identifikation – mehr Produktivität: Mütter oder Väter arbeiten stressfreier und motivierter, wenn sie sich im Ganzen anerkannt fühlen.
  • weniger Fehlzeiten, weniger Kündigungen, mehr Loyalität dem Unternehmen gegenüber
  • Reduzierung der Kosten für Überbrückungen von Ausfallzeiten, Ersatz oder Neueinstellung, Vermeidung von Fluktuationskosten
  • Beschäftigte kehren schneller aus der Elternzeit zurück und erhalten ihre beruflichen Kenntnisse aufrecht
  • Mehr Chancengerechtigkeit
  • Positives Image, Unternehmen erscheint bei Mitarbeitern und Kunden verantwortungsvoller

Was muss ich als Mama über mich wissen und organisiert haben – bevor ich beruflich verlässlich sein kann?

  • Mein Selbstbewusstsein stärken! Ich will und ich kann – daran muss ich glauben können.
  • Ein soziales Netzwerk: Freunde und Familie, auf die ich mich im Notfall verlassen kann – und ich für sie
  • Proaktive Bewerbungsstrategien kennen und einsetzen
  • Realistische Selbsteinschätzung der vorhandenen fachlichen und persönlichen Ressourcen haben
  • Sicherung der Betreuung der Kind(er), auch in Notsituationen
  • Gutes Zeit- und Familienmanagement – ich muss Zeiten einschätzen, gut organisieren können
  • Meine Grenzen kennen: Regelmäßige Auszeiten nehmen, einen gesunden Workflow entwickeln, Prioritäten setzen können, Unterstützung und Hilfe annehmen können
  • Ziele formulieren und dran bleiben
  • Sich nicht unterkriegen lassen und den Humor nicht verlieren!
MAMA BERLIN Frauen in Teamwork
Tut Euch zusammen, unterstützt Euch, nur so kann es gehen. Stutenbissigkeit war gestern!

Wo bekomme ich als Mama Unterstützung bei der Kinderbetreuung, um überhaupt arbeiten zu können?

  • Kitas mit verlängerten Öffnungszeiten (6 bis 21 Uhr): Anfrage beim zuständigen Jugendamt
  • Ergänzende Kindertagespflege beantragen: Kann man sich auch mit einer Freundin teilen – sie passt Donnerstags auf, ich mittwochs. Beiden steht dann finanzielle Unterstützung über das Jugendamt zu, einfach dort anfragen, wo der Antrag gestellt werden kann
  • Ergänzende, bedarfsgerechte Betreuung außerhalb der Kita- und Schulöffnungszeiten: u.a. flexible Betreuung zu Hause, Kinderbegleitservice, Großelterndienste – Anfrage u.a. bei SHIA e.V., SelbstHilfeInitiave Alleinerziehender (flexible Kinderbetreuung), VAMV e.V. (Kinderbetreuungsprojekt für alleinerziehende Mütter und Väter im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf), Frauenzentrum Paula Panke e.V. (flexible Kinderbetreuung), Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg, KIKON – Kinder und Kontakt, Känguru – hilft und begleitet, Großelterndienst Berlin
  • Betreuung des Kindes und Weiterführung des Haushalts bei Erkrankung, Krankenhausaufenthalt, Kur oder Reha-Maßnahme: Anfrage bei der jeweiligen Krankenkasse

Links rund um das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf

  1. Beruflich wieder aktiv! Von der Idee zur Erfolgsgeschichte: Das Lotsenportal für Wiedereinsteigerinnen und Berufsrückkehrerinnen: Portal des Bundesfamilienministeriums und der Bundesagentur für Arbeit: www.perspektive-wiedereinstieg.de
  2. Zentrales Informationsportal für familienfreundliche Unternehmen, Netzwerk mit Informations- und Kooperationsbörse: www.erfolgsfaktor-familie.de
  3. Informationen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Darstellung beispielhafter Unternehmen, Maßnahmen, Gesetze, Statistiken und Literatur sowie Veranstaltungen: www.beruf-und-familie.de
  4. Tipps, Anregungen und Checklisten zum Aufbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten und familienfreundlichen Lösungen in der Arbeitswelt – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen: www.mittelstand-und-familie.de
  5. Präsentation der lokalen Bündnisse für Familie mit Betreuungswegweisern sowie Beratungsstellen: www.lokale-buendnisse-fuer-familie.de
  6. Berliner Beirat für Familienfragen: ein von der Senatsverwaltung gefördertes Projekt mit dem Landeswettbewerb „Unternehmen für Familie – Berlin“: www.familienbeirat-berlin.de

Fotos: Pixabay und Goldnetz e.V.

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