MAMA BERLIN Presseschau: Mama und Beruf – warum tun sich deutsche Frauen so schwer?

Wir alle müssen arbeiten. Das ist ein Fakt. Wie müssen uns ab einem gewissen Altern selbst versorgen. Wenn wir Kinder haben, nicht nur uns selbst, sondern auch diese. Wir MÜSSEN keine Kinder haben und wir können unsere Kinder auch zur Adoption oder ins Heim geben – das ist nicht verboten, aber natürlich nicht erstrebenswert. So ist es nun mal. 

Wenn wir der Meinung sind, es wird uns zu viel, wir krank oder auf Jobsuche sind, dann hilft uns der Staat und unterstützt uns finanziell. Es gibt nicht unendlich viel Geld, aber zumindest soviel, dass wir mit Ach und Krach über die Runden kommen können – zumindest einen zeitlang. Das ist eine enorme Sicherheit und ein Luxus des Sozialstaates, den es fast nirgendwo anders auf der Welt so gibt. Es ist auch nicht verkehrt, sich daran auch von Zeit zu Zeit zu erinnern.

Und trotzdem: Vielen Frauen und vor allem Mamas fällt es immer noch schwer, sich mit diesem Umstand abzufinden. Vor allem, die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Berufstätigkeit scheint für viele ein Problem – in Deutschland scheint es auch mehr ein Problem zu sein, als z.B. in Frankreich oder Spanien. Nur warum? 

Warum fällt es Müttern oft so schwer, Beruf und Elternschaft zu vereinbaren?

  1. Mein Eindruck ist, dass es oft nicht das Pensum ist, was viele Mamas vom Gelderwerb abhält, sondern das „Wie soll ich es angehen?“ also schlichtweg die Organisation. Was passiert mit den Kindern? Wie komme ich rechtzeitig von der Kita zur Arbeit? Was mache ich, wenn die Kinder krank werden? Wie bekomme ich als Mutter überhaupt einen Job und lande nicht schon bei der Bewerbung in Postfach „zweite Wahl, weil wenig belastbar“? Diese Dingen können durch ein Coaching erarbeitet werden, schwerer wird es beim zweiten Punkt, den ich in der gesellschaftlichen Ausrichtung und Vorurteilen, sowie das Verhaften an Rollenbildern sehe.
  2. Ich meine den Mangel an Anerkennung im Beruflichen von Frauen. Werden Männer immer wieder für berufliche Erfolge gelobt, bekommen sie selbstverständlich Anerkennung und definieren sie sich per se über Erfolg, bleibt das bei Frauen meistens auf der Strecke. Es ist wie beim Fussball – obwohl die deutschen Frauen öfter den WM-Titel erspielten, gelten sie als keineswegs gleichranging zu den „deutschen Jungs“. Wenn die EINMAL den Titel holen, dann steht ganz Deutschland Kopf, bei den Frauen ist es eine Bericht im Sport-Teil, das war’s. Und so ist es auch in allen anderen Bereichen. Im Gegenteil: Wird eine Frau Kanzlerin oder bewirbt sich für das Amt der US-Präsidentin, muss sich sich immer für ihr Geschlecht rechtfertigen. So was kann lähmen, denn für die Motivation muss hier viel mehr Kraft aufgewendet werden.
  3. Der dritte Punkt hat vielleicht mit unserer Vergangenheit zu tun: Die „deutsche Mutter“, die Erfindung der Nazis, wirft noch immer ihren langen Schatten bis in die jüngste Generation. Die Mutter, die Urkraft des Lebens, die einzig Wahre und Fähige für die Erziehung der Kinder. Aber auch die Frau, die sich über die Mutterschaft definiert – je mehr, desto mehr Status, die ihre Dominanz und Macht über das Muttersein definiert und am Ende auch ihre weibliche Selbstdefinition und das weibliche Selbstverständnis ist ein deutsches Phänomen, dass auch mit Eva Hermann nicht abgeschlossen scheint.

Was brauchen wir Mütter, was nicht?

MAMA BERLIN Presseschau - Karriere und Kind

Diese Woche erschienen zwei Artikel, in der konservativ einzuordnenden „Welt“ und in der sozial-liberalen „Zeit“ bzw. im Frauen-Onlineportal „EditionF“, die sich mit dem Thema alleinerziehende Mamas und Karriere befassten. Zwei Porträts von Müttern mit jeweils diametral entgegengesetzten Ergebnissen.

In der „Zeit“ wurde der Alltag einer erfolgreichen Anwältin beschrieben, die mit kleiner Tochter und alleinerziehend, den Sprung in die Kanzlei-Chefetage geschafft hatte – durch die volle Rückendeckung der Partner und dem Vorteil, firm in einem noch wenig besetzten Spezialgebiet zu sein

Der „Welt“-Artikel zeichnete dagegen ein problematischeres Bild. Eine Frau, die einerseits Geld verdient, erfolgreich im Beruf steht, Sohn und Tochter groß zieht – und andererseits unzufrieden scheint, in einer Dauer-Auseinandersetzung mit dem Vater liegt, die zahlreichen Problematiken und überholten Strukturen im Steuer- und Familienrecht anprangerte. Statt Arbeit und Erfolg war hier von „Kampf“ die Rede.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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