Männermodelle Teil 4: Der dumme Mann

MAMA BERLIN Trump in BILD

„Es lastet auf dieser Zeit, der Fluch der Mittelmäßigkeit“, schrieb 1931 so gewandt und leider auch richtig der große Kurt Tucholsky.

Und nun ist es wieder so weit. Die Dumpfbackigkeit hat die Mehrheitsschwelle überschritten. Nicht engagierte Menschen, sondern zunehmend frustrierte, geben die Wegrichtung vor und die führt nun, so sieht es allen Ankündigungen nach aus, in keine gute Zukunft.

„Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“ Palaberte der konservative, französische Philosoph Joseph Marie Comte de Maistre im 18. Jahrhundert. Der überzeugter Katholik und Gegner der Aufklärung nahm das Volk per se nicht ernst. „Pöbel“ sagte man damals, nicht in der Lage, sich eine staatstragende Meinung zu bilden.

Nun ja, die Gefahr ist erkannt, würde ich sagen. Aber was wir dagegen tun können, wissen wir nicht. Fast scheint es, als mache Klugheit und ein weiter Horizont Menschen zu sanft, zu sicher, zu angstfrei …

Nur weil 50 Millionen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem dumm

„Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.“ Drückte diesen Umstand Marie von Ebner-Eschenbach aus. Tja. Anatole France war genauso ratlos, als er feststellte: „Wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit.“ Das Verrückte: Wer einmal verstanden hat, der erkennt Dummheit 2o Meilen gegen den Wind. Alle anderen aber eben nicht.

Der dumme Mann fällt in diese Kategorie. Er kann seinen Verstand nicht in dem Maße und in dem Umfang gebrauchen, wie es intelligente Menschen tun.

Der dumme Mann hat EIN PROGRAMM auf seiner Festplatte, das er von Kindheit bis zum Tod abspult. Der dumme Mann entwickelt sich nicht weiter, es ist ihm einfach nicht gegeben. Er zieht durch, was man ihm einst beigebracht hat – ohne jemals zu hinterfragen. Schon gar nicht sich selbst.

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Er ist ein erwachsener Mann aber seine Psyche ist noch die eines (meist unbefriedigten) Kindes. Er ist immer noch auf der Suche nach der Bestätigung von außen. Er möchte, dass Daddy stolz auf ihn ist und seine Mama ihn liebt. Oft hat er das Gefühl, er müsste es den Leuten, die es seinem Papa einst schwer machten (oder von denen er denkt, sie machten es ihm das schwer) heimzahlen. Es ist dann ein Drang in ihm, allen zu zeigen, wer die Hosen anhat.

Im Bezug auf seine Sexualität hat der dumme Mann sich seit der Pubertät nicht großartig weiterentwickelt

Der dumme Mann ist sexuell nicht ausgereift – oder sagen wir auch hier einfach: sexuell dumm. Es scheint, als hätte er sich im Bezug auf Fantasie und Körperempfinden seit der der Pubertät nicht großartig weiterentwickelt.

Er hat einen Tunnelblick der zum Ziel hat, am Ende des Aktes einen – seinen – Orgasmus zu erreichen. Dass da noch jemand in das Geschehen involviert ist, nimmt der dumme Mann nicht bewusst und reflektiert wahr. Natürlich sollte es der Frau auch gefallen, aber die Motivation des dummen Mannes ist dabei Selbstbestätigung, nicht Empathie.

Der dumme Mann hat seine Gefühle im Fokus und versteht nicht, dass sich diese nur auf ihn beziehen. Genauso wenig wie er in allen anderen Momenten in der Lage ist, die Gesamtsituation und die Blickwinkel aller Beteiligten zu berücksichtigen, schließt er auch beim Sex von sich auf andere. Durch diesen Mangel an Selbstzweifel funktioniert er auch im hohen Altern zwar oft noch dynamisch, aber stets routiniert und auf eine eigentümliche Art verklemmt, wenn er auch für Experimente offen scheint.

Eheleben und regelmäßige Kontakte zu Prostituierten sind für ihn ohne Bedenken grundsätzlich vereinbar und werden mit seinem diffusen Gefühl von Männlichkeit gerechtfertigt. Allerdings weiß er (immerhin), dass er darüber nur mit seinen (dummen) Männerfreunden sprechen darf – und sich in Acht nehmen muss, um nicht straffällig zu werden.

Der dumme Mann denkt in traditionellen Rollenmuster, anders kann er nicht und sucht in jeder Frau einen Mama-Ersatz. Er kann keine Beziehung auf Augenhöhe führen. ER sucht die egoistische Geborgenheit durch körperliche Ekstase oder in der Loyalität und Mutterschaft. Eine Ehe ohne Kinder ist für ihn schwer vorstellbar, weil es nicht um die Person geht, sondern um die Funktionalität des Partners.

Oberflächliche, unsichere, ängstliche, materialistisch ausgerichtete Frauen können in einem dummen, erfolgreichen Mann einen geeigneten Sugar-Daddy finden. Diese Partnerkombination, die auf beiderseitiger professioneller Oberflächlichkeit beruht, kann gut funktionieren. 

Aber auch intelligente Frauen, die denken, dass der Verstand IMMER gewinnt, sind für ihn leichte Opfer, weil sie die Schlagkraft von Aggression verkennen. Aber auch Männer, die ihn belächeln, statt ihn ernst zu nehmen und mit Vehemenz gegen ihn vorzugehen, wickelt er mit Leichtigkeit um den Finger. 

Ist der dumme Mann erfolgreich, wird er unangenehm, bekommt er Macht, wird er gefährlich

Der dumme Mann ist oft in Berufen erfolgreich, in denen Oberflächlichkeit gefragt ist oder seine Klientel ebenfalls dumme Menschen sind, die in ihm ihresgleichen sehen und dennoch auf Grund seines Erfolges ein Vorbild. Verkaufs- und Handelsberufe oder auch das Baugeschäft sind ideale Plattformen für den dummen Mann, aber auch alle illegalen oder halb-illegalen Geschäfte wie Glücksspiel, Waffenhandel oder auch Drogen.

Der dumme Mann kann, muss aber nicht uncharmant sein. Da es ihm auf Grund seiner Oberflächlichkeit und dem Mangel an emotionaler Intelligenz leicht fällt, zu lügen, setzt er dieses Mittel ein, um Menschen schnell für sich zu gewinnen, in dem er ihnen erzählt, was sie hören wollen.

Das funktioniert zeitweilig auch bei intelligenten Menschen aber mit einem gewissen psychischen Defizit, die sich vom dummen Mann verstanden fühlen. Seine leichtesten Opfer neben den erfolglosen Dummen sind naive und oder harmoniesüchtige Menschen. Sie gehen dem dummen Mann auf dem Leim.

Hat der dumme Mann starke Machtinteressen wird er gefährlich. Fast immer gehen sie einher mit starken Minderwertigkeitskomplexe, die er durch übermäßiges Erfolgsstreben zu kompensieren gedenkt (ein niemals funktionierender Weg).

Ist er mit Ehrgeiz bestückt, kann der dumme Mann ein eiskalter Killer-Charakter sein, der das eigene Fortkommen zum Zweck aller Mittel heiligt. Es macht ihn zum Vorbild aller am materiellen Aufstieg interessierten. „Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf“, so der Publizist und Autor Theodor Fontane.

Nationalismus, Kapitalismus und auch der Kommunismus basieren auf den Gedanken und Taten von dummen Männern und der geistig beschränkten Folgschaft dummer Mitläufer.

Der dumme Mann benutzt nicht viele Wörter – das kann er gar nicht

Der dumme Mann ist nicht wortgewandt, aber er hat eine umheimliche Gabe: Er kann in Reden die Dummen begeistern und gleichsam die Klugen schockieren bzw. in eine Schock-Starre versetzen. Er benutzt gerne Floskeln und Pauschalisierungen. Er teilt die Welt in gut und böse, Zwischentöne kennt er nicht, nur Gewinner und Verlierer.

Macht, Volk und Größe sind einfache Worte, die der dumme Mann gerne benutzt. Er wirft gerne Tatsachen durcheinander, stellt krude Vergleiche auf, denn er weiß, dass ihm eh niemand aus der Zuhörerschaft folgen kann. Und er schaut auf die Vergangenheit, findet Schuldige, die den anderen Dummen die Last der Verantwortung nehmen und sagt: Die haben uns schwach gemacht! Darum holen wir uns jetzt zurück, was uns zusteht!

Seine ewig gleiche Botschaft ist: „Ich bin einer von Euch! Wir zeigen es denen! Zusammen sind wir stark“. Leider sind alle drei Sätze eine Lüge. Aber das ist dem dummen Mann egal. Was soll Komplexität? Davon versteht er nichts, also lässt er es bleiben.

 

Einer der wirklich nicht dumm war, Albert Einstein, wusste, dass die Dummheit die größte Gefahr der Menschheit ist und in seinem Ausmaß unerschöpflich. Einstein kommentierte den Umstand süffisant: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Und warnte mit bitterem Ton: „Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“

Dass dumm nicht dumm ist, zeigt ein Film über einen scheinbar dummen Menschen. Doch „dumm“, so heißt es im Film „Forrest Gump“, „ist der, der Dummes tut“. Daher sei noch einmal klar gestellt: Die dummen Taten machen den dummen Mann aus, nicht sein IQ-Wert. 

Mehr über Männermodelle lesen? Hier findest Du die anderen Folgen.

Männermodelle Teil 3: der heldenhafte Mann

Männermodelle Teil 2: der kreative Mann

Männermodelle, Teil 1: der konservative Mann

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