Esst euer Eis auf! Ein neues Buch über das Kinder-alleine-groß-ziehen, das Dich zum Lachen bringt

MAMA BERLIN Katja Zimmermann mit Kids quer

Du kannst ja jede Sache von zwei Seiten sehen. Das berühmte Glas, das zur Hälfte gefüllt ist. Ich entscheide mich fast immer für „halbvoll“, denn ich sehe gerne positiv in die Zukunft. Aber nicht jeder tickt so. Vor allem wenn das Leben nicht so läuft, wie Du mal gedacht hast. Das ist verständlich.

Ich freue mich trotzdem, dass jetzt ein Buch über das Alleinerziehendsein herausgekommen ist, das – trotz aller Probleme, die in der Erzählung auch nicht unter den Tisch gekehrt werden – von der Grundstimmung optimistisch ist. 

Neben der gut zu lesenden, spannenden und ans Herz gehenden Geschichte einer Solo-Mama, die kurz nach der Geburt ihrer Zwillinge von deren Vater sitzengelassen wird (der direkt zu seiner neuen Freundin abdüst, tausende Kilometer entfernt: „Du, Sorry, Du. Du musst das alleine machen …“), kann das Buch noch etwas anderes: Nämlich uns Alleinerziehende aus der Jammer-Sparte befreien.

MAMA BERLIN Katja Zimmermann schön

Die geht mir nämlich manchmal auf den Keks: Ja, es ist gibt Probleme, es ist manchmal zum verzweifeln (aber dann auch wieder sehr, sehr schön) – aber trotz allem möchte ich einfach nicht das Dauer-Opfer sein und auch nicht von anderen so gesehen werden.

„Esst euer Eis auf, sonst gibt’s keine Pommes“, heißt der Sachbuch-Roman von Katja Zimmermann. Lest hier wichtige Zitate aus dem Buch – und was die Autorin dazu zu sagen hat …

ÜBER ANDERE MÜTTER UND DEN GESELLSCHAFTLICHEN STAND …

Mich trieb etwas ganz anderes um, und zwar ein fettes Image-Problem. Alleinerziehende waren in meiner Vorstellung bemitleidenswerte Geschöpfe ohne gescheite Schulbildung und Perspektive, die von verantwortungslosen Typen ungewollt schwanger wurden.

Katja: „Ich habe tatsächlich mal so gedacht. Wir haben das so eingeatmet und anerzogen bekommen. Das Mama-Papa-Kind-Ding wird von klein auf so in uns eingepflanzt, dass das Abweichen von der Norm immer als Manko empfunden wird. Inzwischen leben aber viele nicht mehr nach diesem scheinbaren Ideal – die Norm passt nicht mehr zur Realität, wir brauchen dringend neue Ideale und die sehe ich in der Akzeptanz von Familien-Vielfalt. MAMA BERLIN Katja Zimmermann lacht

Eine Mutter, deren Tochter in dieselbe Einrichtung wie Nele und Luis ging, fiel aus allen Wolken, als sie erfuhr, dass ich keinen männlichen Versorger hatte. Sie hatte mich immer fürchterlich gefunden, weil sie dachte, ich hätte diese perfekten Zwillinge und einen gutverdienenden Mann, dessen schier unendliche Ressourcen es mir ermöglichten, meine Tage mit der Kinderaufzucht zu verbringen.

Katja: Ich habe als Frau auch das Gefühl, dass wir uns doch immer noch sehr über die Beziehung definieren, nach dem Motto: Nur wenn ich einen Mann an meiner Seite habe, habe ich es wirklich geschafft! Das hat sich auch bestätigt, als ich einen Freund hatte. Ich selbst habe mich plötzlich gesellschaftlich mehr anerkannt gefühlt. Für mich fühlte es sich so an, als wäre ich nun normaler, mehr Teil der Gesellschaft. Nicht mehr der „Freak“.

Andererseits: Diese perfekten Petit-Batou-Familien, die mag man ja auch nicht. Das ist so ein anderes Feindbild. Man will schon, dass die anderen sich ihr Glück auch erarbeiten müssen … Diese Zahnarztgattin ist auch kein Ideal mehr – als Frau will man heute einfach auch Eigenständigkeit. Die Frauen, die jetzt gar nicht mehr berufstätig sind, die müssen sich inzwischen rechtfertigen. Moderne Frauen und Männer leisten heute alles. Da ist ein großer Druck. Vielleicht ist der Verdienst beim Mann noch wesentlicher und die Haushaltsfähigkeit bei Frauen noch mehr ein Faktor, aber es gleicht sich immer mehr an.

Das ist natürlich nur ein Teil der Wahrheit. Ich verkneife mir den anderen Teil, der nach Neid und der Durchhaltemoral meiner schlesischen Großmutter klingt: Ich kann es mir einfach nicht leisten, so viel Gewese um alles zu machen wie ihr.

Katja: Das Gewese ist natürlich provokant formuliert, aber wenn Du alleine für alles verantwortlich bist,  bleibt einfach nicht so viel Zeit für Gedanken und ständiges Abwegen, manche Dinge mussten dann einfach so sein. Das akzeptieren Kinder dann auch. Von mir hat auch keiner erwartet, die volle Perfektion zu bringen, Unterstützung gab es viel, wenn ich darum gebeten hatte. Und: Ich kannte es von Anfang an auch nicht anders, ich hab’s immer ohne Papa gemacht.

 

Was mich PERSÖNLICH freut: Das Buch spielt in Berlin. Ja, in Berlin-Mitte, sogar in meiner direkten Nachbarschaft. Katja kenne ich schon länger, sie wohnt zwei Straßen weiter, wir haben u.a. Kita, Eisladen und Spielplatz gemeinsam – und nachdem ich das Buch gelesen haben, stellte sich heraus: noch viele andere Dinge, z.B. der Wunsch, wenn die Kinder abends im Bett sind, nach erwachsenem Austausch. Aber weil Du nicht richtig ausgehen kannst (zu teuer oder zu aufwendig), sich dann einfach ein wenig vor die Tür zu setzen, mit Nachbarn – oder mit wem auch immer – einen Plausch zu halten – Hauptsache mal kurz vor die Tür … (das geht hier in unserem Teil von Mitte übrigens super, es ist so ein wenig wie auf dem Dorf …)

 

ÜBER DIE ERWARTUNGEN DER ANDEREN UND AN EINEN SELBST …

Das Rollenbild Mutter war für mich sowieso auf ungewöhnliche Weise besetzt … Meine eigene Mutter hatte meinen Vater, meinen Bruder und mich verlassen, als ich drei war. Mit knapp 24 Jahren, ein Jahr später heiratete mein Vater, ich bekam eine Bonusmutter (ich liebe Jesper Juul für diese Wortschöpfung) und nach einiger Zeit noch eine Halbschwester. Ich habe ein sehr enges Verhältnis zu der Frau meines Vaters. Meine Eltern, das sind ganz klar sie und mein Vater, obwohl ich später auch zu meiner leiblichen Mutter und ihrem Mann Kontakt hatte.

Katja: Im Grunde hatte ich keine Vorstellung, wie das ist, wenn man Mutter wird – oder wie es zu sein sollte. Außer, dass es klar war, dass ich es nicht allein machen werde … Ich bin ganz klar ein Vaterkind, er war zwar klassisch berufstätig, aber er war derjenige, der mit mir gekuschelt hat. Meine Bonus-Mutter hat sich auch sehr mit mir befasst und war immer für mich als Gesprächspartnerin da, aber keine, die sich immer wahnsinnig Sorgen um einen macht. Das hat mir auch viele Freiheiten gegeben, sie ist eher wie eine gute Freundin. Aber die Mami, die vor den Kindern aufsteht, das Frühstück macht, für deren Nöten und Sorgen zuständig ist, ist auch für mich ein Ideal.

Bei vielen Müttern spielt sicher die Angst mit, selber alleinerziehend zu werden. Ich beschäftige mich auch nur ungern mit Dingen, die ich fürchte. Bei der aktuellen Trennungsrate stehen die Chancen, dass es einen trifft, schließlich gar nicht schlecht.

Katja: Die Passage bezieht sich auf den Satz: „Also ich bin ja auch alleinerziehend, weil mein Mann ganz viel arbeitet …“ Viellicht ist es sogar noch nett gemeint, vielleicht wollen sie sich ja solidarisieren?! Aber bei uns kommt das natürlich anders an … Aber ich werfe es den Frauen auch nicht vor – man hat die Erfahrung eben nicht, so lange, dass man selbst nicht erlebt hat. Seine eigene Situation empfindet man vielleicht auch immer als besonders belastend. Die eigenen Probleme siehst Du immer zu erst. MAMA BERLIN Katja Zimmermann Talkfoto

 

»Wir sind alleinerziehend.« »Ah … Ihr beide?!« Colette und ich nickten.

»Und eure Männer zahlen euch den Urlaub hier?« »Nein, wir arbeiten.«

Wieder herrschte ungläubiges Schweigen, und die zweite Dame hakte nach. »Aber wie könnt ihr euch denn alleine Urlaub leisten?«

»Wir arbeiten und damit verdienen wir Geld«, klärte ich auf. Jetzt sahen uns die Ladys erschrocken an. Hatten sie noch nie etwas mit selbst verdientem Geld gezahlt?

Katja: Es gibt sie, diese westdeutsche Kleinfamilie und es gibt diese Parallel-Realität, diese professionellen Hausfrauen, die noch alles bezahlt bekommen und das auch okay finden. Die Versorgung über den Ehemann ist für sie Normalität. Das sind Frauen, die auch immer einen Mann haben müssen, der sie versorgt. Sie sind abhängig. Das ist mir schon als junges Mädchen anders beigebracht worden: Seh zu, dass Du dein eigenes Geld verdienst.

 

Dass Katja nicht die klassische Ich-bin-die-Frau-an-der-Seite-eines-Mannes ist, habe ich von der ersten Sekunde an gemerkt. Viel zu cool, viel zu schlau, viel zu schön, viel zu humorvoll, hintergründig, selbständig als Ehefrau sein zu müssen. Denn mit dem Ehe-Ding sehe ich das ja nicht als Vorteil, sondern halte es eher mit Shakespeare: „The weakest fruit falls earliest tot he ground“ – Warum also als reife Frucht vom Baum fallen lassen, und wie Fallobst aufsammeln lassen, wenn man noch oben prall und voller Kraft die Sonne aufsaugen kann?

Die ist auch eine von uns, wusste ich also sofort und dachte auch: Und das wohl auch bewusst – denn Männer, die Frauen wie ihr gewachsen sind, sind so häufig wie schwarze Diamanten. Da muss man lange suchen … Da muss schon Reife her, sonst klappt das nicht.

 

ÜBER BENACHTEILIGUNGEN …

Eine weitere Vermutung, mit der ich oft konfrontiert werde, ist, Alleinerziehende würden mit staatlicher Hilfe verwöhnt: »Dafür bekommst du doch wenigstens gut Geld vom Staat und musst kaum Steuern zahlen. Na ja, und die Kinderbetreuung ist doch für dich auch umsonst.« … Unzählige Male musste ich aufklären …

Katja: Ich glaube, die meisten Leute haben von den politischen Realitäten keine Ahnung. Die gehen davon aus: Deutschland ist doch ein Sozialstaat! Ist doch alles geregelt! Auf eine Art sind wir Mütter zu unpolitisch. Wir geben uns mit den Dingen oft einfach zufrieden. Viele haben keine Zeit, als Mutter bist Du so eine Organisationsmaschine, ständig mit andere Dingen beschäftigt– vielen bleibt einfach keine Zeit für politisches Engagement.

Mit dramatischen Folgen, wie man gerade bei den Alleinerziehenden sieht: Die meisten Ehefrauen denken auch, sie seien auch im Fall einer Scheidung abgesichert – doch es besteht ab dem 3. Lebensjahr der Kinder keinen Versorgungsanspruch mehr an den Ehe- bzw. Ex-Mann. Das wurde abgeschafft, es gibt nur noch den Kindesunterhalt – und der wird in den meisten Fällen überhaupt nicht mehr beglichen, oder nur unregelmäßig. Die Frauen werden nicht aufgeklärt und die Frauen kümmern sich nicht um die Aufklärung – und sorgen eben auch nicht dementsprechend vor.

Es gibt sie leider, die Fälle, bei denen der Vater eher gegen die Mutter arbeitet. Die Männer boykottieren die Schulwahl, fahren mit ihren Kindern in den Urlaub und untersagen ihnen dann, die Mutter anzurufen, spielen Ego-Shooter mit Fünfjährigen. Im schlimmsten Fall zahlen sie keinen Unterhalt, da sie offiziell kein Geld verdienen, sind aber mehr als bereit, ihre Vaterrechte permanent einzuklagen, auf Staatskosten versteht sich. Wenn ich mit diesen Frauen redete, dämmerte mir, dass mein Vater vielleicht auch ein klein wenig recht hatte, als er mir bescheinigte, ich könne froh sein, dass Jonas sich ans andere Ende der Welt verdrückt hatte.

Katja: Hätte ich es mir aussuchen können, dann wäre es mir lieber gewesen, der Vater meiner Kinder hätte sich regelmäßig und gerne auch umfangreich um unsere Kinder gekümmert. Andererseits: Ich bin auch bei getrennten Eltern aufgewachsen und hatte mein Zuhause bei meinem Vater und seiner neuen Frau und habe meine Mutter alle 14 Tage und die Hälfte der Ferienzeit gesehen und fand das total okay, bzw. gut, dass ich ein festes Zuhause hatte. Ich denke, sobald Konflikte zwischen den Eltern oder starkes Misstrauen hinsichtlich Erziehungsfähigkeit bestehen, ist dieses eigentliche Ideal von „Die Eltern teilen sich die Erziehungsarbeit“ auch nicht wirklich erstrebenswert. Ich kenne diesen Zustand als Mutter eben nicht, weil der Vater ja von Anfang an nicht da war. Aber eins weiß ich: Wenn es anders gewesen wäre, wir zwar getrennt, aber er hätte nur ein paar Straßen weiter gewohnt und die Kinder regelmäßig umsorgt, wäre mein Leben total anders verlaufen …  MAMA BERLIN Katja Zimmermann Papa

 ÜBER SEX UND EINE NEUE LIEBE …

Unzählige Male wurde mir von Bekannten gesagt, den neuen Partner bloß nicht zu schnell den Kindern vorzustellen, und auch die Beziehungsratgeber schreiben alle: Übereilen Sie nichts. Bauen Sie erst einmal eine Erwachsenenbeziehung zu dem Mann auf, bevor Sie Ihre Kinder involvieren! Ich konnte darüber nur müde lächeln. Wie denn das bitte? Sollte ich meine Kinder in der Anfangsphase einer Beziehung ins Heim geben?

Katja: Diese schlauen Tipps, die man so bekommt und dann geht es darum, wer hat den Recht? Und ich kann mir schon vorstellen, dass es das Ideal wäre, erstmal die Beziehung zum Mann zu festigen – aber die Möglichkeit haben eben nicht alle. Du kannst dann ja nicht beim Typen übernachten, wenn die Kinder bei dir sind. Der Typ bekommt eigentlich gleich alles mit. Für meine Kinder war das aber nicht so wichtig, denn bei uns ist immer viel Besuch und viele Menschen und Freunden um mich rum, die konnten da gar nicht so den Unterschied ausmachen – zwischen Beziehung und meinen anderen Kumpels, mit den ich freundschaftlich verbunden bin. Als Vaterersatz haben sie die eh nie gesehen.

Kurz überlegte ich, ob ich sie mit so einer Erfahrung nachhaltig traumatisieren konnte, befand für mich aber: Nein! Andere Kinder sahen ihre Eltern auch zusammen im Bett. Ich ahnte schon, dass solche Szenen unvermeidbar wären, wenn ich in den nächsten Jahren nicht als Nonne enden wollte. Solange nicht jeden Morgen ein anderer Typ nackt durch die Wohnung lief … Doch diese Wahrscheinlichkeit bestand nicht, so viel hatte ich in meinen ersten Jahren als alleinerziehende Mutter gelernt.

Katja: Das Thema Sex als Alleinerziehende? Also am Anfang erstmal gar nicht. Und danach ist es auch schwierig eine Liebe zu finden – ich habe überhaupt nicht genug Zeit, um mich auf Freiersfüßen zu bewegen. Einen Mann für schnöden Sex zu finden, ist vielleicht noch nicht mal so schwer, wenn man in einer Großstadt lebt, aber einen Liebespartner ist doch schon eine andere Sache. Dazu die Selbstzweifel: Wie attraktiv ist man als Partnerin, wenn man schon Kinder hat? Und dann gibt es aber auch diese MILF(*)-Nummer und manche Männer finden Mütter auch einfühlsamer, denen gefällt der Gedanke: Da ist eine Frau fruchtbar, mütterlich, weiblich, liebevoll. (*) MOTHER I LIKE TO F…

MAMA BERLIN Katja Zimmermann ernst

Katharina hat als Kind wie ich eine Trennung der Eltern erlebt, doch die Konsequenz für ihr späteres Leben war eine komplett andere. Sie empfand ihre Situation nicht als defizitär, sondern als Normalität. Vielleicht war sie deswegen auch mutiger als andere. Mit ihrem neuen Freund hat sie noch eine Tochter bekommen. Die ist jetzt drei. Katharina ist die einzige meiner allein erziehenden Freundinnen, die das Abenteuer Zweitfamilie gewagt hat.

Katja: Es ist schon bequemer in seiner eigenen Struktur zu verharren. Es ist eine Entscheidung zu sagen: Ich bewege mich daraus und gründe jetzt mit einem Mann eine neue Familie. Ich hätte auch große Angst, dass es dann wieder scheitert – dann bekommt man noch ein Kind und dann trennt man sich wieder und hat dann eine noch kompliziertere Situation … Ich kenne eben auch kaum Fälle, wo es funktioniert. Da fehlt mir das Vorbild. Ich kann mir das eher vorstellen, wenn die Kinder älter sind. In meinen kurzen Beziehungs-Probierphasen war auch ein Problem, dass ich mich einfach nicht gleichberechtigt gefühlt habe, denn ich musste mich immer organisieren, wenn ich Zeit ohne Kinder verbringen will. Während mein Partner fast immer Zeit hatte. 

ÜBER ERSCHÖPFUNG UND TRAURIGKEIT …

Ich wollte selbstverständlich auch das Beste für meine Zwillinge, musste das aufgrund begrenzter Ressourcen jedoch mit dem geringstmöglichen Aufwand erzeugen. Deswegen war ich auch viel sympathischer! Fand ich jedenfalls. Der wertvollste Rohstoff in meiner neuen Familie war meine Kraft. Die musste unbedingt eingeteilt werden.

Katja: Du hast einfach nur begrenzte Ressourcen, die muss man einteilen. Da muss man sich von einigen Idealvorstellung verabschieden: Stillen, es war nicht drin, meine Kind ganz entspannt und in Ruhe zu stillen, ich musste sie eintakten um genügend Freiräume zu haben für mich. Allerdings ist der Fokus als Alleinerziehende doch automatisch mehr auf den Kindern, da ist ja kein Partner, der Aufmerksamkeit zieht.

„Alleinerziehende jammern immer nur und beschweren sich.« Ein fürchterliches Klischee, das auch ich von Alleinerziehenden hatte und das, so hatte ich es mir geschworen, niemals auf mich zutreffen würde …

Katja: Sich immer zu sagen: „Alle sind so gemein zu mir!“, bringt natürlich gar nichts! Und es gibt ja auch Vorteile: Der enge Kontakt zu den Kindern aber auch den Kontakt zu den Leuten um einen herum. Ich finde eine Alleinerziehende-Familie manchmal auch lebendiger, ich kann mich auch leichter weiterentwickeln, als wenn ich nun in einer festgefahrenen Paarstruktur festhängen würde.

Vielleicht fällt es uns Alleinerziehenden deshalb so schwer, uns selbstbewusst zu präsentieren und unserer Umwelt zuzurufen: »Hey, seht her, was ich geleistet habe! Ich bin so wundertoll!« Wir schaffen es nicht, weil sich zu unserer Freude immer ein Hauch von Traurigkeit gesellt.

Katja: Uns geht es so schlecht und die Gesellschaft ist schuld. Da müssen wir vielleicht auch aufpassen, dass wir uns selbst auch nicht zum Opfer machen – natürlich gibt es Ungerechtigkeiten und die müssen behoben werden. Natürlich ist es kein Ideal, alleinerziehend zu sein, natürlich ist es meistens einfacher, sich die Aufgaben und die Verantwortung teilen zu können, aber man sollte schon versuchen, immer das Beste draus zu machen. Und es gibt auch nichts, was nur Scheiße ist, sondern es gibt immer zwei Seiten, denn es öffnen sich immer auch neue Räume und neue Möglichkeiten, wenn man sich von Dingen verabschiedet.

 

So ganz daneben lag ich mit meiner Einschätzung nicht, obwohl es mit dem coolen, selbständig denkenden „Männernlinksliegenlassen“ dann doch nicht so leicht ist und Katja insgeheim (wie wir alle wohl) von der großen, glücklich, schönen und auch ein wenig crazy Großfamilie träumt. Aber wie sang schon Diana Ross „You can’t hurry love“. Aber ich bin mir sicher: Da draußen wartet schon ein ganz toller Mann nur auf die schöne, schlaue, liebevolle Katja … 

Fotos: Maike Graefe, Verena Schulemann

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