#topstories2016: „Warum Du den falschen heiraten wirst“ Und: 2017 wird besser!

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Die meist gelesene Artikel in der New York Times im Jahr 2016 handelte nicht vom Wahlkampf, Trump, Putin, Obama, Clinton oder drehte sich um einen Terroranschlag oder einen verstorbenen Pop-Star.

Der beliebteste Stoff, der die meisten Leser der legendären Zeitung zum Lesen reizte, handelte von Liebe – oder auch von enttäuschter Liebe. Er trug die Überschrift „Warum du die falsche Person heiraten wirst“ (Why You Will Marry the Wrong Person). Für mich ein Anlass, da mal genauer hinzuschauen. 

Die zentrale Aussage des Artikels von ALAIN de BOTTON aus dem Mai des vergangenen Jahres war, das wir gar nicht anders können, als „falsch“ zu heiraten. Und er hat dafür sehr einleuchtende Erklärungen:

  1. Zum einen machen wir es uns zu kompliziert: Wir assoziieren eine Liebesbeziehung nicht simpel mit „fühlt sich gut an und macht mich glücklich“, sondern lassen viel zu sehr Äusserlichkeiten wie Status, Erwartungen und Werte zum ausschlaggebenden Kriterium werden.
  2. Zum anderen machen wir es uns zu einfach: Denn der Partner darf nicht einfach nur sein, sondern muss der Glückserfüller unseres eigenen frustrierten Lebens sein und unserer unreflektierten Defizite ausgleichen – und das dauerhaft. Er oder sie soll Dienstleisterin unseres persönlichen Glücks sein. Der Partner soll das vollkommene Wesen sein, das all unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte nach unserem Standards erfüllt. Doch das ist keine Beziehung.
  3. Bei der Partnerwahl suchen wir automatisch nach Vertrautheit und das Gefühl von Familie – oder besser, das, was wir unter „Familie“ verstehen. Und hier wird es psychologisch-kritisch. Denn leider kommt uns „vertraut“ vor, was wir von zu Hause, also den eigene Eltern und ihrem Umgang mit uns kennen. Wir suchen also nicht einfach jemanden, der gut zu uns passt, sondern jemanden, der die Gefühle aus unserer Kindheit wieder hervorruft. Das ist leider fatal – denn eine Beziehung zwischen zwei Erwachsenen ist nicht mit einer Beziehung von Eltern und Kind vergleichbar. Eltern-Kinder-Beziehungen haben immer eine Hierarchie, mit allen Vor- und Nachteilen. Eine Paarbeziehung sollte das nicht. Und die Sicht eines Kindes auf die eigenen Beziehungsvorbilder ist naiv – nicht realistisch. Es blendet aus, was eine erwachsene Beziehung mit sich bringt – auch das ist fatal, weil an der Realität vorbei.
  4. Wir setzen die falschen Auswahlkriterien: Denn wir lehnen bestimmte Personen von vornherein für die Heirat ab, aber oft nicht, weil sie nicht richtig sind, sondern weil sie zu richtig sind. Zu ausgeglichen, zu reif, zu verständnisvoll und zuverlässig. Denn in unserem Streben die Vertrautheit der Kindheit (so belastend oder einengend sie auch gewesen sein mag) wieder herzustellen, fühlt sich die Richtigkeit falsch an.

Die triste Bilanz: Wir heiraten die falschen Leute, weil wir lieben und geliebt werden nicht einfach mit dem Gefühl glücklich sein assoziieren, sondern mit das, was wir kennen.

Aber es muss doch einen Weg aus dem Dilemma geben?! Der Autor sagt nein, zu tief, zu komplex sei die Sache, dass wir sie nicht aus uns bekommen. Ich denke, ihm fehlt da Erfahrung. Ich denke, das geht sehr wohl. Aber es geht nicht über Nacht und es erfordert die Arbeit der Selbstanalyse und Erkundung, z.B.

  1. Wer sind Deine meine Paarvorbilder? Meine Eltern? Großeltern? Und wie tickten die denn wirklich (nicht: wie sehe ICH sie).
  2. Ich muss mit erwachsenen Augen auf diese Personen und ihre Beziehungen schauen, denn wenn ich das schaffe, wird sich so einiges relativieren. Dabei helfen ehrliche Gespräche als Erwachsene mit den eigenen Eltern oder auch anderen Verwandten und Familienfreunden. Es ist erstaunlich, was da zu Tage kommt.
  3. Sich in die Kindheit bewusst zurückversetzen. Was fand ich denn WIRKLICH gut? Und was war eigentlich furchtbar – aber habe ich es vielleicht dennoch heute selbst verinnerlicht?
  4. Abstand von zu Hause – innerlich. Und den Wunsch etwas eigenständiges zu entwickeln. Ein eigenständiges Leben.
  5. Sich hinsetzen und sich wirklich und ehrlich fragen: Was brauche ICH? Was will ICH? Unabhängig davon, was andere denke, was cool, richtig, gut sei. Sondern einfach nur: Was FÜHLT sich für MICH gut an?!
  6. Das aufschreiben. Das nicht vergessen. Sich das immer wieder vor Augen führen und stark und authentisch sein.
  7. Und zuletzt: Sich verabschieden von dem Gedanken, dass eine Beziehung bedeutet, für einander zu sorgen. Weder, dass man selbst dem anderen dienen sollte, noch das der andere Diensterfüller sein muss. Sondern, dass man jemanden hat, der einfach gut ist. Dir gut tut – und du ihm.

In diesem Sinne: Macht es gut, macht es besser. Euch allen ein tolles 2017! Eure Mama Berlin

 

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