#Neon: Was ist die Liebe? Ein Barkeeper, ein Taxifahrer, eine Hochzeitsplanerin und eine Hebamme erzählen, was sie darüber wissen!

Erklär mir die Liebe! Vier Menschen, die davon viel verstehen, verraten ihre Lebensweisheiten. 
Neon-Autorin Nora Reinhardt geht für das Magazin Neon Menschen der ganz normalen Liebe auf die Spur und hat dazu Menschen befragt, die die Liebe auf Grund ihres Berufes fast täglich vor der Nase haben.

Hier plaudern also ein Barmann, ein Taxifahrer, eine Hochzeitsplanerin und eine Hebamme. Und weil mir das so gut gefallen hat, habe ich hier für Euch die besten Zitate zusammengestellt … 

♥ Der BARMAN

Der Barkeeper David Moon, 39, arbeitet seit zwölf Jahren als Barmann, zzt. in der coolen Walrus Bar in Hamburg-St. Pauli. Er sagt, er sehe sofort, bei den Pärchen in der Bar, ob die Sache frisch ist oder nicht und zwar an der Art wie sie reden, die hätten „ihr Vokabular noch nicht gefunden“. 

Auf die Frage, ob er viele miese Dates sehe, kontert Moon: „Was ist denn schon ein mieses Date? Einen schlechten Abend hat man doch nur, wenn man etwas ganz Konkretes erwartet. Wer die Frau oder den Mann fürs Leben sucht, macht den Date-Partner im Grunde zum Erfüllungsgehilfen seiner eigenen Träume – und wenn der sich nicht dazu machen lässt, ist man enttäuscht. Aber heutzutage ist wirklich nicht jedes Date dazu da, Familienplanung zu betreiben und zu sagen: ,I’m looking for the one!‘ Wenn das Date jetzt nicht so doll läuft, dann haben die vielleicht trotzdem später noch tollen Sex oder ein schönes Frühstück. Das kann ich ja gar nicht beurteilen. Ich kann mir nur denken: Na ja, das würde ich jetzt vielleicht anders machen.“

Sein Tipp: „Wenn man Zeuge von einem Date wird, hat man bisweilen den Eindruck, viele sind gar nicht richtig da. Die sind mit ihrem Kopf entweder in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Entweder denken sie daran, dass sie möglichst in einer Stunde rumfummeln möchten. Oder sie driften in die Vergangenheit ab und denken darüber nach, was in den letzten vier Beziehungen alles schieflief. Stattdessen sollten sie mal ganz in dem Augenblick sein und ihrem Gegenüber sagen: ,Hey, I’m enjoying looking at you. You want another drink? I like it when you’re tipsy!‘ Das wäre viel besser.“

Wann läuft es gut zwischen zwei Menschen? „Bei guten Dates geht die Kommunikation voran, die beiden bringen sich gegenseitig zum Lachen und, ganz wichtig, sie unterhalten sich nicht die ganze Zeit über ihre Lohnarbeit. Sie nehmen beiläufig Körperkontakt auf und fangen an, Bewegungen des Gegenübers nachzumachen. Wenn der Mann sich plötzlich auch an die Nase fasst, nachdem die Frau das bei sich gemacht hat, ist das ein sehr gutes Zeichen.“

Verstehen die Deutschen nichts vom Flirten? Moon, auch US-Amerikaner, findet: „Da ist schon was dran. Der Flirt ist ja immer das Ansprechen von etwas, ohne es zu versprechen. Dass man in einer Begegnung eine gewisse Leichtigkeit braucht, muss man begreifen und verinnerlichen. Das ist vielen hier tatsächlich nicht so gegeben. Und das macht das Flirten schwierig. Denn die Liebe will, dass du tanzt. Die Liebe will nicht, dass du marschierst. Und der Deutsche marschiert halt gerne.“

♥  DIE HEBAMME

Wibke Bohny, 31, gibt in Hamburg Schwangerschafts­kurse und hat hunderte Frauen bei der Geburt begleitet. Sie sagt: „Liebe ist, wenn er seiner Frau beim Kotzen die Haare hält.“ Und: „Am besten für mich ist, wenn der Mann dann aber nicht auch noch anfängt zu brechen …“ 

Woran erkennt sie die Liebe bei Paaren in einer Extremsituation? „Die Atmosphäre ist bei den guten Liebespaaren immer ganz ruhig. Der Mann weiß, was die Frau in dem Moment braucht – denn die Frauen können sich ja während der Wehen nicht äußern. Bei der Geburt sagt die Frau ja nicht: ,Oh Schatz, vielen Dank, dass du mir den Rücken massierst, das ist total lieb, aber das ist mir gerade unangenehm.‘ Die schreit nur noch: ,Finger weg!‘ Wenn der Partner das in dem Moment einfach runterschluckt und nicht Kontra gibt, dann weiß ich, das passt. Bei harmonischen Paaren kann sich die Frau hundertprozentig fallen lassen.“

Gibt es das perfekte Elternpaar? „Das perfekte Paar gibt es im echten Leben nicht … Eine 17-Jährige bekam bei mir Zwillinge, das waren Baby zwei und drei. Manchmal beobachtet man Altersunterschiede zwischen den Partnern von 38 Jahren. Manchmal sind die Beziehungen schon vor der Geburt gescheitert, oder es gab nie eine Beziehung, nur einen One-Night-Stand. Meine Kollegin betreute mal eine Geburt im Kreißsaal. Drei Wochen später kam derselbe Mann mit einer anderen Schwangeren in den Kreißsaal. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass alles offener wird, weniger konservativ.“ Und: „Egal wie lange man zusammen ist, wenn die Basis stimmt, dann kriegt man das schon hin. Auch wenn es ungeplant ist. Wichtig ist nur, wie groß die Liebe der Eltern zueinander ist.“

Kann ein Baby eine Liebe retten? Bohny schließt es nicht aus: „Wenn die Beziehung in der Krise ist, versuchen ja manche, sie mit einem Kind zu retten. Die Chancen, dass das klappt, stehen meiner Erfahrung nach exakt fifty-fifty. In guten Beziehungen ist erst recht alles möglich: Ich habe auch schon erlebt, dass der Mann erst nicht wollte und sich dann doch total in das Baby verliebt hat. Manche Männer wollen gar nicht wissen, dass sie gerade ein Kind zeugen könnten. Bei einem Paar hatte er gesagt, sie solle die Pille absetzen, ihm aber nicht sagen, wann. Sie konnte es nicht für sich behalten – und der Mann wollte keinen Sex mehr! Sie fing wieder mit der Pille an und setzte sie beim zweiten Anlauf heimlich ab. Und er war happy mit seinem Sohn.“

♥  DER TAXIDRIVER

Reza Safari, 47, ist seit 16 Jahren Taxifahrer in Hamburg. Er sagte: „Alles, was ich über Frauen weiß, hab ich im Taxi gelernt.“ In seinem Taxi streiten sich oft Paare. Einmal wurde er gerufen, weil ein arbeitsloser Mann nichts besseres zu tun hatte, als seine ihn versorgende Ehefrau mit der Nachbarin zu betrügen, die ihn dann aber mit Handschellen an der Kellertreppen festband, als er diese Affäre beenden wollte. Und dann fuhr er einen Mann, der gerade von seiner Scheidung kam …

Safari: „Der war ein richtiger Bär, tätowiert bis zum Hals. Ich fragte ihn, ob er weint – er sagte Nein. Ich sagte: ,Doch, du weinst doch!‘ Dann brach es aus ihm raus, und der hat geheult wie ein kleines Kind. Paar Minuten vorher geschieden. Er hat montags bis freitags als Handwerker gearbeitet und am Wochenende zusätzlich schwarz, damit seine Kinder die neuesten iPhones kriegen. Und was macht die Frau? Geht fremd. Er musste in eine Einzimmerwohnung ziehen, die Frau blieb mit den Kindern im Haus wohnen. Bald nannten die Kinder den neuen Partner der Frau schon Papa. Das hat ihn natürlich belastet. Heulende Männer hab ich hier viel gesehen! Meistens bei Wochenendtouren, klar, im Suff ist man softer, aber auch sonst habe ich den Eindruck, dass viele verzweifelt sind.“

Einmal fuhr er einen Mann zu seinem Seitensprung und geriet zwischen die Fronten. Er fuhr erst den Mann zu seiner Geliebten. Doch dann rief die Ehefrau an: „Am liebsten wäre ich gar nicht drangegangen, ich bin ganz schön ins Schwitzen geraten. Und dann? Die wollte nicht mal wissen, wo ich ihren Mann hingefahren habe! Die fragte mich nur: ,Hast du ihn schon abgesetzt? Kannst du mich zu Hause abholen?‘ Dann habe ich sie zu ihrem Lover gefahren. Und sie hat genau den gleichen Text abgespult wie ihr Mann: ,Na ja, bei uns ist die Luft ein bisschen raus. Kannst du das für dich behalten?‘ Da erlebt man zwei Menschen, die zusammen wohnen, verheiratet sind, ein Haus und sogar einen Hof auf dem Land haben – also eigentlich alles, was das Herz begehrt. Und doch reicht es nicht.“

Auf die Frage, wer am meisten betrügt, sagt Safari: „Je reicher, desto dreckiger“. Und geknutscht wird auch noch viel im Taxi: „Permanent! Die meisten denken, sie sind alleine. Als Taxifahrer ist man für viele unsichtbar.“

♥  DIE WEDDINGPLANERIN

Elisa Modler, 23, arbeitet als Wedding Assistant bei der Marry Me Hochzeitsagentur in Hamburg. Nach ihrer Erfahrungen machen immer noch 95 Prozent der Männer den Hochzeitsantrag – mit der Tradition ist nicht zu brechen.

Das die Paare meistens optisch zusammenpassen, bestätigt sie ebenfalls: „Sie sind so gut wie immer gleich attraktiv. Ich denke oft, wenn die reinkommen: Ja, das mit euch, das ergibt Sinn. Ganz selten denkt man: Hui, wie hat er die denn rumgekriegt? Das ist echt die Ausnahme. Man muss aber auch eines bedenken: Oft sind die Paare, die heiraten, ja auch schon länger zusammen und haben sich über die Jahre optisch einander angenähert.“

Modler rät, wer’s ernst meint, sucht am besten im Freundeskreis oder unter Kollegen nach einer neuen Liebe – Online-Dating tauge nichts: „Weil man die Person oft sieht und auch wirklich im Alltag erlebt. Beim Online-Dating ist man ja in so einer künstlichen Situation. Man gibt vielleicht vor, anders zu sein, als man ist. Und man kriegt auch gar keine Zeit, sich zu zeigen – nach dem dritten Treffen heißt es ja meistens hopp oder top.“

Viel wichtiger sei aber ein Zukunftsorientierte, intelligentes Mitdenken: „Viele denken sehr kurzfristig, aber ich glaube, es wäre praktischer, wenn man längerfristig denkt und jemanden sucht, der wirklich zu einem passt. Erst wenn du dich selber gut kennst, kannst du den anderen auch gut einschätzen und lieben lernen. Die, bei denen es 40 Jahre halten soll, denken weiter.“

Und dann schreibt das Leben immer noch die schönsten Geschichten – im negativen wie im Guten: „Ja. Für einen Mann haben wir zwei Hochzeiten ausgerichtet. Aber das war überhaupt nicht lustig. Eine ­Tragödie. Ich erzähle sie, obwohl es ein Tabu ist, weil sie auch viel über Stärke, Liebe und Hoffnung aussagt. Als wir die Hochzeitsfeier für das Paar geplant haben, ist die Frau an Krebs erkrankt, mit nur Ende 30. Die beiden hatten ein kleines Kind. Zwischenzeitlich war ihr Zustand stabil, und wir haben weitergeplant. Bis der Krebs gestreut hat und wir schnell eine standesamtliche Hochzeit für das Paar organisieren mussten. Neun Monate nach der Diagnose war die Frau nicht mehr unter uns. Die ­Taufe ihres Kindes musste ohne sie stattfinden. Der Mann hatte seine Ehefrau ohne Ende geliebt. Und dann hat er sich irgendwann wieder bei uns gemeldet. Er hatte eine neue Frau kennengelernt und sich neu verliebt. Noch im selben Jahr. Das klingt vielleicht furchtbar, aber das war es nicht. Er fand die Ehe immer toll und war gerne verheiratet. Und er hat eben auch erkannt, dass man nach vorne gucken muss. Wir haben für ihn auch diese zweite Hochzeit ausgerichtet. Und etwas später noch zwei schöne ­Taufen.“

 Foto: Pixabay

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