Survivalkit für Solo-Mamas – ssm#1 Free you mind

MAMA BERLIN Survivalkit für Solo-Mamas

Mein Anliegen ist es, so vielen Solo-Mamas wie möglich, Mut zu machen: Lasst euch nicht runterziehen oder klein machen. Sondern seht, was ihr schafft. Findet Euren Weg und wachst an den Herausforderungen! Wenn es andere schaffen – und das tun sie – dann könnt ihr es auch! Hier teile ich daher ab sofort meine kleinen Weisheiten mit Euch und starte meine neue Serie: Survivalkit für Solo-Mamas. Erster Teil: ssm#1 Free you mind!

Free you mind – schmeiß Deine Vorurteile über Bord! 

Es gibt sie ja nicht – DIE Alleinerziehende. Manche trifft es mitten aus einer langjährigen Ehe heraus, andere, wie ich, wissen schon in der Schwangerschaft, dass sie das Baby alleine wuppen müssen.

Und dann ist „allein“ auch nicht immer „allein“. Denn manchmal ist der andere Elternteil zwar nicht mehr im Haus, aber weiter für das oder die gemeinsamen Kinder da und macht das auch sehr anständig, manchmal ist er allerdings auch über alle Berge und kümmert sich einen Kehricht um sein Fleisch und Blut. Und manchmal ist er da, kämpft und attackiert einen aber voller Hass und Zerstörungswut, nimmt das Kind, aber schadet ihm, weil er nicht gut zu ihm ist und macht einem das Leben zur absoluten Hölle.

Ich kann von allen Zuständen berichten und habe alles schon einmal durchgemacht, doch ich habe auch meinen Weg gefunden, meinen Frieden mit mir und dem Vater meines Sohnes gemacht und kann heute sagen: Ich find’s (oft) ziemlich geil, alleinerziehend zu sein.

Wenn du willst, dass das Glas halbvoll ist, dann ist es so! 

„Free you mind … and your ass will follow“ (Befreie deinen Kopf und dein Arsch wird dir folgen) war ein Song von 1970 der Band „Funkadelic„, der später auch von der Frauen-Kombo „En Vogue“ aufgegriffen wurde. Laut Wikipedia sei es frei übersetzt nach einer Bibelstelle des legendären Psalms 23 (Der Herr ist mein Hirte … etc.) – und egal, ob das nun stimmt oder einfach geschicktes Marketing war, der Satz hat einfach eine geniale Kraft, wenn man versteht, was damit gemeint ist.

Ich weiß noch genau, wie ich mich am Anfang gefühlt habe, als der Typ, der eben noch meinte: „Mit dir will ich eine Familie gründen! Ich will ein Kind mit dir! Ich habe mir sogar schon einen Namen überlegt …“ über alle Berge verschwunden war, dazu über mich herzog, mich wüst beschimpfte und die sofortige Abtreibung eindringlich forderte – sogar gegenüber meiner Frauenärztin.

Ich war zunächst voller Scham und Traurigkeit und fühlte mich in der Tat schuldig. Ich verstand die Welt nicht mehr, meine Liebe und Zuneigung wurde plötzlich als Naivität oder gar Berechnung („Die will mir ein Kind anhängen! Die will mein Geld!!“) verunglimpft und das schöne, kleine Wesen, was da in meinem Bauch heranwuchs, war plötzlich wie ein Monster, dass dem Vater, so echauffierte er sich, „seine Jugend stahl“.

Es dauerte seine Zeit, bis ich durchschaute und verstand, dass es nicht das dumme Geschwätz des angehenden, sich unreif verhaltenden Vaters war, sondern mich nur traf, weil ich mich von den gesellschaftlichen Normen und Vorstellen klein machen ließ, an die er (fadenscheinig, denn er selbst übernahm ja überhaupt keine Verantwortung) appellierte, gepaart mit leider immer noch gängigem Chauvinismus (für das Kind und die Verhütung ist die Frau zuständig!!) – und die ich selbst, ohne groß darüber nachzudenken verinnerlichte hatte. Und so ließ ich mich von diffusen Ängsten und starren Glaubensgrundsätzen erstmal klein machen:

Wieso hast Du nicht alles erst in „trockene Tücher“ gebracht? Wieso lässt Du dich auf so einen Typen ein? Wieso treibst Du dann nicht ab? Wieso hast Du nicht verhütet? Denk doch mal an das Kind … Wieso hast Du ihn nicht gehalten? Was hast Du getan, dass er das Kind nicht will? UND SO WEITER … 

Doch plötzlich wusste ich: Nicht ICH bin falsch – sondern die Angst!

Aber dann hatte ich einen Traum. Mein ungeborenes Kind sprach zu mir. Ich sagte im Traum zu ihm: „Was machen wir zwei bloß?“ Und da antwortete es: „Sie brauchen Zeit, Mama. Es wird alles gut.“ Und da wusste ich: Nicht ich bin falsch – sondern die Angst. Nicht andere können uns vorschreiten, wie wir zu leben haben und welche Entscheidungen die richtigen sind – sondern allein WIR selbst für UNS allein. 

Und das meint: Free your mind. Befreie dich von all dem Balast, der dich nur einschränkt und blockiert, der die Hürden und Ängste einreden will, wo du Stärke, Selbstbewusstsein und festen Glauben an dich selbst brauchst.

Zum Glück fing ich dann endlich an, mein HIRN zu nutzen und stellte erstmal ein paar grundsätzlich Dinge in Frage. Dabei wurde mir klar, wie sehr wir eingeschränkt werden von einer ganzen Reihe von angeblichen Must-Haves im Beziehungsdenken. Wie tief in uns Normen und Vorstellungen, Vorteile, Klischees und Rollenmuster eingebrannt sind, die, beim genaueren Hinsehen aber überhaupt keinen Sinn mehr ergeben – menschlich gesehen. Und für die es auch überhaupt keine Norm geben kann – denn die Menschen sind ja alle doch sehr unterschiedlich und haben andere Bedürfnisse.

Die meisten Normen machen beim genauen Hinsehen überhaupt keinen Sinn – menschlich gesehen

Dürfen nur Mann und Frau ein Kind haben? Muss man in einer „intakten Beziehung“ mindestens zweimal die Woche Sex haben? Darf man sich streiten, wenn man sich liebt? Ist Fremdgehen ein Trennungsgrund? Ist alleinerziehend ein Manko? Braucht ein Kind wirklich Vater und Mutter? Ist eine Ehe immer besser als keine? Sind Hetero-Eltern besser als Homo-Eltern?

Und mir wurde eins klar: All diese Fragen kann man für sich persönlich mit Ja und mit Nein beantworten – aber niemals für die gesamte Gesellschaft! Denn wenn wir das tun, begehen wir einen fatalen Fehler: Wir schränken uns in unserer Lebensfreiheit massiv ein. Und wer sollte daran Interesse haben? 

DIE BÜRGERLICHE EHE GIBT ES SEIT CA. 200 JAHREN – BRAUCHEN WIR SIE WIRKLICH NOCH?

Etwas anderes, an dem ich anfangs tatsächlich zu knabbern hatte, war der Umstand, unverheiratet ein Kind in die Welt zu setzen. Es ist noch nicht lange her, da nannte man solche Kinder Bastarde. Und an vielen Orten der Welt werden Frauen verstoßen, eingesperrt oder sogar getötet – oft von der eigenen Familie – wenn sie es wagen, ohne Trauschein Mutter zu werden.

Doch dann befasste ich mich mit der Ehe und fand heraus, dass in unserem christlich-europäischen Kulturkreis die katholische Kirche dieses Konstrukt erst im 16 Jahrhundert durchsetzte. Historisch hat sie sich in der bürgerlichen Kultur vor etwa 200 Jahren etabliert, aber nicht der Liebe wegen, sondern zur Sicherung uns Ausbau des gesellschaftlichen Aufstiegs.

Viele denken was anderes, z.B. Ehe sei etwas „Natürliches“ – natürlich ist daran aber rein gar nichts (kleiner Hinweis: die NATUR sind wir alle!!!!), sondern im Gegenteil: eine reine menschengemachte Norm. Und: Der Großteil der Weltbevölkerung lebt in anderen Modellen. Von polygam, bis Vielehe, bis arrangiert oder komplett frei, bis Fremdgehen, tindern, oder offizieller Mätresse oder offener Ehe – wir schauen nur nicht über den Tellerrand und/oder verhalten uns naiv und lügen uns in die eigene Tasche.

Eine Ehe dient auch heute in erster Linie der gesellschaftliche Absicherung von Ehepartnern und Familie, daher ist sie auch im Gesetz gesichert (auch sich nicht Liebende dürfen gerne verheiratet sein), und dient in erster Linie der Sicherung von Kapital und Ordnung und regelt die Kindererziehung in einem Haushalt. Es ist die Sicherheit des kleinen Clans nach außen. Doch wehe, sie geht in die Brüche …

Im FESTKLAMMERN an vorgefertigte Erwartungen bringen wir uns um viel zu viele Möglichkeiten

Für mich stand irgendwann fest: als unverheiratete Mama kann und muss ich mein Elterndasein selbst und individuell gestalten – anstatt es mir vom Staat vordefinieren zu lassen. Das war eine Herausforderung – aber für mich auch irgendwie die modernere, zeitgemäßere Form. 

Und noch eins stellte ich fest, als ich mich und andere anfing, mal selbstkritisch von außen zu betrachten. Erstaunlich viele in meinem Umfeld dachten: Wenn ein Kind kommt, muss der Mann die Familie finanziell versorgen und die Frau zu Hause mit dem Baby bleiben! Und als ich sagte, da ist gar kein Mann, erntete ich automatisch mitleidige bis entsetzte Blicke!!!

Kaum eine dachte: Na, da gibt es ja schon noch ein paar Möglichkeiten. Ist nicht so einfach, aber das haben ja auch schon Millionen andere geschafft. Schon wieder waren allein die Ängste und die Klischeevorstellungen ausschlaggebend.

Dabei gibt es eine Reihe von Möglichkeiten – auch wenn man getrennt ist, auch wenn der Typ ganz passé ist, z.B. Kind wird an drei Tagen die Woche betreut (Freunde, andere Mütter, Großeltern, Tagesmutter, Babysitter…), an denen Du arbeiten kannst und an vier Tagen bist Du für das Baby selbst da oder Du gründest eine Alleinerziehenden-WG, wo ihr Euch gegenseitig hilft oder Du gehst eine Zeitlang ist Ausland, wo der Lebensstandard günstiger ist, ziehst zu den Eltern und vermietest deine Wohnung unter … Auch ich dachte nicht daran – zunächst.

Aber als es mir dann aber auffiel, merkte ich, wie beschränkt wir leben und wie sehr ich mich beim Festklammern an vorgefertigte Erwartungen um meine vielen Möglichkeiten und Optionen brachte!

Also: Mach Dich frei. Denk um, schmeiß diese ganzen ollen Kamellen und Vorurteile über Bord und gestalte Dir deine eigene Welt, nach DEINEN Regeln. Und wenn Du an dich glaubst und nicht vom Geschwätz und den Ängsten der anderen beirren lässt, dann folgt in der Tat der Rest von ganz alleine!  

Nächster Teil ssm#2: Selbstbewusstsein! Lass Dich nicht klein machen! Denn: Diskriminierung ist bloß Zeugnis mangelnden Intellekts. 

Fotos: Pixabay

 

 

0
More from Mamaberlin

#Adventskalender: Heute machen wir als Family mal langsam …

Heute, am 19. Dezember, liegt ein wichtiger Ratgeber zum Runterkommen in meinem kleinen...
Read More

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.