#vaterhass #mutterhass: Warum uns Hass nicht weiterbringt

#hass

Artikel uns Posts, in denen Eltern den Hass auf den anderen Elternteil bekunden und ausführen, werden oft geliked und geteilt. Offen wird in solche Darstellungen dem Frust, der Wut und der Enttäuschung Luft gemacht.

Manches sind spontane Gefühlsäußerungen, manchmal stecken dahinter beziehungstraumatisierte Menschen. Die Frage bleibt dennoch: Sind diese Hass-Posts zielführend und für die Absender gesund?

Hanna, die hier auf dem Blog Probleme von Trennungseltern und Paaren mit den Strategien von Gewaltfreier Kommunikation angeht und Euch Anregung sein möchte, hat auf die Frage eine Antwort verfasst. Hannas Worte sind ein Appell an uns alle, sich nicht von Hass beherrschen zu lassen, aber zeigen auch eine Strategie auf, wie wir uns davon – ohne Nachteile – befreien können.

Seine eigenen Gefühle ernst zu nehmen, ist für viele Menschen noch immer keine Selbstverständlichkeit

Kürzlich wurde ich auf einen Artikel aufmerksam, der unter der Überschrift „Warum ich den Vater meines Kindes hassen darf“ (Huffingtonpost) erschien. Dieser Artikel hat mich gleichsam berührt, wie erschreckt.

Er handelt von Schmerz und Fassungslosigkeit- nachvollziehbare Gefühle, wenn ein Elternteil mit der Gesamtverantwortung für das Leben eines Kindes zurück bleibt, ohne diese Aufgabe selbstbestimmt gewählt zu haben.

Unter anderem schreibt die Autorin: „Was noch viel schlimmer ist, als die Tatsache, dass du machen kannst, was du willst, ist, dass mein Kind nicht versteht, dass du scheisse bist…. Und ich? Nunja, ich muss Essen kochen, Gute-Nacht-Geschichten vorlesen, aus der Badewanne einen Abenteuerspielplatz machen. Ich muss gleichzeitig Geld verdienen, studieren und Mutter sein. Ich arbeite, gehe zur Uni, bringe meine Tochter zu all ihren Terminen. Ich bin Supermama. Und wie dem auch sei, du bist die Liebe meiner Tochter nicht wert.“

Der wohltuenden Botschaft „Du darfst den Vater deines Kindes hassen und sein Verhalten scheisse finden“ kann ich mich aus vollem Herzen anschließen und bin von seiner Wichtigkeit überzeugt.

Seine eigenen Gefühle ernst zu nehmen und sich auch Negativgedanken zu erlauben, ist für viele Menschen die ich kenne, noch immer keine Selbstverständlichkeit. Urteilen und Ärger einem Raum zu geben, sich diese zuzugestehen, ist daher auch aus meiner Sicht sinnvoll und heilsam: Es bildet die Grundlage, mitfühlend mit sich selbst sein zu können und sich für das einzusetzen, was einem wichtig ist.

Langfristig ist Hass vor allem für einen schädlich: nämlich für mich selbst

Besorgniserregend finde ich hingegen die Tatsache, dass diese Gedanken und Gefühle nicht als Ebene in einem Prozess dargestellt werden.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie groß der Widerstand sein kann, solche Urteile und „Hassgedanken“ loszulassen, aber es lohnt sich! Du tust es nicht, um einen anderen Menschen freizusprechen, oder um ihm ein Einverständnis zu geben, auf eine bestimmte Weise zu handeln. Du tust es für dich, um Dir inneren Frieden zu ermöglichen, der nicht mehr von dem Verhalten anderer Menschen abhängig ist.

Und um deine Kraft sinnvoll für die Erfüllung deiner Bedürfnisse und Anliegen zu nutzen. Und Du tust es, weil Du Dir wertvoll genug bist, dein Inneres mit liebevollen Gedanken zu füllen, die Wärme und Ruhe in dir schaffen, anstatt Anspannung und Stress.

Gedanken wie „ich werde ungerecht behandelt“, „er ist ein Arschloch!“; „so sollte es nicht sein!“ immer wieder zu denken, ohne sie in Anliegen zu übersetzen, ist wie Fastfood essen: Hin und wieder etwas wohltuendes, doch langfristig gesehen eine schlechte Nahrung! Gedanken sind die Nahrung, die wir unserer Seele zuführen. Wir können das Handeln anderer nicht immer beeinflussen, aber achtsam sein, welche Gedanken wir darüber haben!

Langfristig ist Hass vor allem für einen schädlich: nämlich für mich selbst. Gedanken wie „das ist ungerecht“, oder „das darf er nicht tun!“ machen zunächst darauf aufmerksam, dass wichtige Werte wie „Respekt“, „Balance zwischen geben und nehmen“, oder „die Freiheit, für sich selbst entscheiden zu können“ verletzt sind. Werden sie jedoch nicht in diese Botschaften übersetzt, sondern bleiben Balast in der Seele, können sie krank machen. Dann werden sie zu regelrechten Gewichten, die uns beschweren und den Blick auf Lösungen verstellen.

In Hass und Urteilen zu verharren, verstärkt den Eindruck, ausgeliefert und hilflos zu sein

„Sich Ärgern ist wie Gift trinken und hoffen, dass es deine Feinde tötet“ ist eine inspirierende Botschaft, wenn wir in Aspekten wie Selbstliebe und Selbstfürsorge denken.

In Hass und Urteilen zu verharren, legt den Fokus auf einen Bereich, der sich unserem Einfluss entzieht: das Außen. Er verstärkt den Eindruck, ausgeliefert und hilflos zu sein und raubt Energie, im Hier und Jetzt unsere Bedürfnisse zu erfüllen – auch, wenn wir es uns „so“ nicht ausgesucht haben. Byron Katie gibt zu bedenken „Leid entsteht immer dann, wenn wir denken, dass die Realität anders sein sollte, als sie ist!“

Der schmerzerfüllte Leser wird angesichts meiner Worte möglicherweise großen Widerstand empfinden und sich fragen, ob ich auf die Empfehlung hinaus möchte, sein Schicksal still und klaglos anzunehmen. Doch das möchte ich ebenso wenig ausdrücken, wie den Ratschlag, das Verhalten des zweiten Elternteils zu verzeihen, oder Verletzungen zu vergessen. Auch das wäre nicht besonders liebevoll zu sich selbst und würde Gewalt gegen das Innere darstellen.

Nehmen wir einmal an, die Autorin des Artikels wäre meine Freundin und säße in diesem Augenblick neben mir. Oben genannte Sätze wären so, oder ähnlich in eine zustimmende Stille gefallen, umgeben von mitfühlender Präsenz für ihren Schmerz. Dann (oder erst viel später) würde ich sie unterstützen, diese Worte in lebensdienliche Gefühle und Bedürfnisse zu übersetzen und sich mit der Trauer hinter der Wut zu verbinden.

Eine Verbundenheit mit den eigenen Werten und das ernstnehmen eigener Gefühle und Bedürfnisse, ohne Urteile und Hassgedanken könnte dann vielleicht so klingen:

„Ich bin fassungslos, dass der Vater meines Kindes entschieden hat, mir die Gesamtverantwortung für das Leben unseres gemeinsames Kindes zu übertragen. Ich fühle mich hilflos, enttäuscht und wütend, weil ich diese Entscheidung nicht mitgestalten konnte, obwohl sie mein Leben maßgeblich beeinflusst. Wenn ich sehe, wie frei Du dein Leben gestaltest, während meines sich an der Begleitung unseres Kindes ausrichtet, bin ich frustriert, kraftlos und ärgerlich. Ich sehne mich verzweifelt nach Unterstützung und Raum, für meine Bedürfnisse. Ich wünsche mir Wertschätzung für all das, was ich leiste und beitrage, damit es unserem Kind gut geht. Ich wünschte ich könnte Vertrauen, dass Du deinen Teil der Verantwortung in gleicherweise übernimmst.“

Hassgedanken loszulassen lohnt sich! 

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie groß der Widerstand sein kann, solche Urteile und „Hassgedanken“ loszulassen, aber es lohnt sich! Du tust es nicht, um einen anderen Menschen freizusprechen, oder um ihm ein Einverständnis zu geben, auf eine bestimmte Weise zu handeln. Du tust es für dich, um Dir inneren Frieden zu ermöglichen, der nicht mehr von dem Verhalten anderer Menschen abhängig ist. Und um deine Kraft sinnvoll für die Erfüllung deiner Bedürfnisse und Anliegen zu nutzen. Und Du tust es, weil Du Dir wertvoll genug bist, dein Inneres mit liebevollen Gedanken zu füllen, die Wärme und Ruhe in dir schaffen, anstatt Anspannung und Stress.

Ich wünsche mir, dass ich etwas beitragen kann, damit Du selbst liebevoll mit dir bist! Du bist es wert!

 

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