Mein Ex ist durchgeknallt, die Angst um die Kinder treibt mich um. Wie werde ich stark?

copy: pixabay

Hanna Brodersen betreibt die Facebook-Gruppe „Gewaltfreie Kommunikation – Eltern sein“ und beantwortet bei MAMA BERLIN regelmäßig Eure ganz persönlichen Fragen. 

Mehr zu Hanna und Gewaltfreie Kommunikation im Interview, das ich mit Ihr geführt habe. 

Ich habe mich von meinem Mann getrennt, nachdem er ständig fremd ging. Sex war für ihn zu einer Passion geworden, da konnte und wollte ich nicht mithalten. Bei unserem ersten Kind war noch große Liebe da, beim zweiten hatte ich schon Zweifel, dachte aber, irgendwie wird das schon. Er wollte nicht ausziehen, er hing an den Kindern, irgendwann ging er doch, aber seitdem haben wir einen dauerhaften Streit um die Kinder. In meinen Augen ist er total durchgeknallt, ich möchte nicht, dass sie bei ihm sind für lange. Aber es ist schwer, das durchzusetzen. Was kann ich tun?

Das rät Hanna: Wenn Du schreibst, dass Dein Mann ständig fremdgegangen ist, frage ich mich, wie akut entstandene Verletzungen im Hier und Jetzt noch sind. Wenn ich lese „in meinen Augen ist er total durchgeknallt“ würde ich gern erfahren, ob Du Deine Beobachtungen durch diese „Schmerzbrille“ machst, oder ob es Dir um etwas anderes geht.

Aus welchen Gründen möchtest Du durchsetzen, dass Deine Kinder möglichst wenig Zeit mit ihm verbringen? Geht es um Deinen Schmerz und darum, dass Du ihm auch weh tun möchtest? Oder bist Du besorgt, weil ihr nicht die gleichen Werte teilt und Du dir für deine Kinder wünschst, dass sie eine andere Orientierung bekommen, als sie es bei Deinem Ex-Mann erfahren? 

Trifft ersteres zu, so wünsche ich Dir von Herzen ganz viel Empathie für Deinen Schmerz. Mitgefühl mit der Enttäuschung, der Wut und der Trauer, die in dir lebendig sind. Gleichzeitig eine Überprüfung der Überzeugung „sie sollten möglichst wenig Zeit mit ihm verbringen“. Mich hat dabei Byron Katie sehr unterstützt: „Ist das wahr? Kann ich ganz sicher sein, dass das wahr ist? Und wenn ja, wie bin ich mit diesem Satz? Macht er mich zu dem Mensch/der Mutter, die ich gern sein möchte? Wie gehe ich mit diesem Satz auf meine Kinder und meinen Ex-Partner zu? Wie wäre ich ohne ihn? Und welche Umkehrungen kann ich zu diesem Satz finden? Etwa: Sie sollten möglichst viel Zeit mit ihm verbringen – warum kann auch das wahr sein? Du solltest möglichst viel Zeit mit Dir verbringen! Meine Kinder sollten möglichst viel Zeit mit mir verbringen …“

Doch ich möchte Dich bitten, diesen Prozess nicht zu gehen, bevor Du einfühlsam gehört wurdest und dir selbst Raum gegeben hast, in dem Dein Schmerz da sein sollte. Sonst besteht das Risiko, dass Dein Schmerz nur überlagert wird!

Entspricht die zweite Möglichkeit eher Deiner Lebensrealität, dann wünsche ich dir Vertrauen, Dich damit zu zeigen und zwar auf eine Art und Weise, die Deine Sorge, Angst und Verletzbarkeit in den Fokus stellt, anstatt die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was Dein Ex-Partner anders machen sollte. Hier eint meist das Vertrauen, dass beide Elternteile – auf ihre Weise – eigentlich doch das Beste für ihr Kind wollen. Es unterstützt eine wertschätzende Kommunikation, wenn das nicht in Frage gestellt wird. Auch in diesem Fall würde ich Dir gern empfehlen, Deine Befürchtungen (wie oben beschrieben) zu überprüfen.

Wie geht’s Dir mit meiner Antwort?

4
More from Mamaberlin

Du bist Familie!

Es gibt sie noch. Die Frauen, die denken, es gibt Frauenarbeit: Küche,...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.