Was Du aus Deiner Trennung über Dich lernen kannst

Mama Berlin Ladybug Wege aus der Krise

Der Mensch ist von seinem Bauplan ein flexibles Wesen. Anders als die meisten anderen Säugetiere, ist er nicht an einen Lebensraum gebunden. Er kann auf Grönland genauso überleben, wie auf hoher See, im Himalaya oder in der Sahara.

Man könnte sogar sagen: Je flexibler der Mensch denken und handeln kann, desto höher ist seine Überlebenschance.

Das selbe gilt auch für besondere Umstände. Wir Menschen können uns in neuen Umständen zurecht finden, uns arrangieren. Wir können uns Überlebensstrategien für Krieg, Frieden, gesellschaftlichen Aufstieg und Abstieg aneignen.

Nach einer Ehe kann auch vor einer Ehe sein … Noch tun sich viele schwer damit. Ich habe mal mit denen gesprochen, die es geschafft haben – die einen wilden, schlimmen Trennungskrieg hinter sich brachten und heute glückliche Menschen sind. Von denen wollte ich lernen. Denn Du kannst was tun, wenn Du es willst. Hier meine persönlichen Erfahrungstipps für Dich!

1. Akzeptiere die Vergangenheit und übernimm Verantwortung

Die Ehe ist gescheitert? Die Scheidung läuft oder ist schon durch und noch immer ist der Typ oder die Frau, mit dem Du eine ziemlich lange Zeit Deines Lebens verbracht hast, mit dem Du Kinder in die Welt gesetzt hast, die Scheiß-Alte oder der Scheiß-Typ? Er ist Dein Feind, Sie ist Deine Feindin. Ihr kämpft um die Kinder, das Haus, die Würde und die Schuldfrage – und das bis an die Grenzen Eurer Belastbarkeit und zur Belastung Eurer Kinder … Doch eins musst Du irgendwann mal verstehen: Nämlich, dass DU dir diese Scheiß-Alte oder diesen Scheiß-Typen ausgesucht hast und das mit ihr/ihm gemacht hast, was dann kam. NIEMAND hat Euch dazu gezwungen, es war EURE Entscheidung (es sei denn es war eine Zwangsheirat, dann nehme ich alles zurück, doch auch da gilt das Prinzip der eigenen Lebensverantwortung).

Moment! denkst Du und siehst heute Dein junges, naives Alter-EGO und protestierst: „Aber das wusste ich damals ja alles noch nicht??!““ Ist klar, darum gibt es den Spruch: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“ Und auch das Wort von der „Ehehölle“ ist Euch ja ein Begriff, jeder weiß, dass Beziehung und Elternschaft IMMER auch ein Risiko sind. Darüber hast Du damals aber gar nicht nachgedacht? Tja, aber genau das ist DEIN FEHLER. Keine Sorge, den machen viele. Machen, dann nachdenken (und meistens erst, wenn es richtig falsch läuft), den Fehler dann verbissen beim anderen oder der anderen suchen und damit auch die Verantwortung abgeben …

Das Problem: So ein Verhalten bringt Dich nicht nach vorn. Es führt nur dazu, dass Du auf der Stelle trittst. Wenn Du verstanden hast, dass alles was in DEINEM LEBEN passiert, DIR selbst zuzuschreiben ist (ich spreche nicht von Schuld!), wird es Dir viel mehr Möglichkeiten bieten. Aber der Weg dorthin ist HART, denn DU musst nur bei DIR bleiben. Die meisten können das nicht, sie haben Angst vor sich selbst.

2. Höre auf mit „Nach mir die Sintflut“-Denke

Du bist wütend. Sauer, verletzt. Du bist in Angst, um Deine Sicherheit, Deine Kinder? Nimmt er sie (der Kotzbrocken, mein/e Ex) mir?  Deine Gefühle überrollen Dich. Du gehst in Aktion. Es ist Dir alles andere nicht mehr wichtig. Der Tunnelblick hat Dich. Du denkst bis zum nächsten Prozess, dem nächsten Treffen, da muss alles raus, was in Dir vorgeht. Ganz ehrlich, wenn Du im Kino sitzen würdest und Du würdest eine Person sehen, die sich dort auf der Leinwand so verhält, was würdest Du denken? Meinst Du, sie käme so zum Ziel?

3. Erkenne, wie ähnlich Du deinem/deiner Ex bist

Vor allem wenn es große, endlose Streitigkeiten gibt, dann kann das nur sein, weil der Gegenüber das selbe will wie Du. Wenn ihr viel unterschiedlicher sein würdet, dann würdet ihr nicht streiten. Wie Kinder, die sich um das selbe roten Auto zoffen, geht das nur, wenn eben beide genau dieses Auto wollen. Die Gründe sind ja dabei gar nicht wichtig: Beide wollen etwas, das es nur einmal gibt. Wir neigen dazu, bei dem anderen zu schauen, statt bei uns. Wir neigen dazu, die Schuld bei „der Scheiß-Alten“, dem „KACK-KV“ zu suchen. Doch in Wahrheit will er einfach nur das selbe wie Du. Er will halt auch das rote Auto und Du siehst nicht, dass Du genau das auch willst. Ihr beide habt Eure Gründe dafür und ihr beide denkt, die Gründe des anderen seien falscher als Eure eigenen. Ihr seid Euch verdammt ähnlich.

4. Lerne von den anderen

Setze Dich irgendwo an einen ruhigen Ort oder lege Dich abends in Dein Bett, wenn alle schlafen und denke mal ganz für Dich und ehrlich darüber nach: Gibt es eine Frau, einen Mann, ein Paar, eine Familie, mit denen Du gerne tauschen würdest? Die ein Leben führen, was Dir richtig gut gefällt? Dann mache es wie sie, dann schaue Dir ab, WAS sie ANDERS machen als DU. Und ändere es. ,Wie soll das gehen?‘, denkst Du jetzt? ,Ich kann doch nicht mein ganzes Leben ändern?‘ Doch kannst Du. Machen ganz viele. Sie schmeißen alles komplett um und sind danach sehr viel zufriedener. Es sei denn, Du willst lieber jammern, dann bist Du halt noch bei Punkt 1.

5. Trete mit Deiner Seele in Kontakt

Protest ist etwas gutes, wenn er überlegt daherkommt und wenn er Umstände anprangert die haltlos sind. Doch viele Menschen regen sich über Dinge auf, die in ihrem kleinen Umfeld passieren, die eigentlich überhaupt keine Aufregung wert sind. Diese Leute haben oft den Blick für das große Ganze verloren: Er kommt zehn Minuten zu spät zur Übergabe und sie denkt: „Das darf doch nicht wahr sein!“ Weil in der Behörde ein Sachbearbeiter das und das gesagt hat, findet er: „Was für Arschloch, das System ist krank.“

Doch Dich bringt es weiter, wenn Du erforschst, warum diese Situationen in Dir diese Gefühle auslösen. Ist Dir Pünktlichkeit so wichtig? (Bist DU denn immer pünktlich? Warum? Ist Dir Pünktlichkeit so wichtig? Wer hat Dir das eingetrichtert…? etc.).  Ist das System von Deutschland – eines der reichsten, sichersten, gerechtesten und offensten Industrienationen dieser Welt, wirklich krank? (Steht ein Sachbearbeiter für DEUTSCHLAND? Hast Du Vorbehalte? Fühlst Du dich ausgegrenzt und nicht akzeptiert? Wie lange schon und warum? etc.).

Die Fähigkeit, mit sich selbst in Kontakt zu gehen, stärkt Deine Seele und ist sehr, sehr aufschlussreich – wenn Du den Mut hast, Dich darauf einzulassen.

6. Wirf Prinzipien über Bord

Optimisten glauben und leben den Grundsatz: Jeder Krise geht wieder vorbei. Pessimisten können das nicht. Sie leben den Grundsatz: Diese Krise zerstört mein ganzes Leben! Ich habe aber durchaus schon erlebt, dass Pessimisten zu Optimisten wurden.

7. Höre auf „Opfer“ zu sein

In Neukölln ist Opfer ein Schimpfwort. „Du, Opfer“ bezeichnet unter jungen Leuten einen Menschen, der sein Leben nicht in seiner Hand hat. Der sich von anderen gängeln und bestimmen lässt und zu schwach ist, sich zur Wehr zu setzen. Doch auch sich wehren, kann einen zum Opfer machen. In Krieg der Sterne soll Luke Skywalker Darth Vadder, seinen bösen Vater töten, es gelingt ihm auch, den mächtigen Vater zu verletzen, ihm die Hand abzuschlagen – doch was passiert dann mit Skywalker? Seine eigenen Hand mutiert und wird zur schwarzen Hand seines Vaters, da erkennt er, dass sein Hass ihm nur dazu dienen wird, so zu werden wie der Vater und damit auf die „dunkle Seite der Macht“ zu wechseln, wie es bei George Lucas so schön heißt. Die Geschichte ist biblisch, aber sie hat ihre Berechtigung. Sei kein Opfer, auch nicht Deines Hasses. Bleibe selbstbestimmt und mutig und trete offen und stark für Deine Ziele ein.

8. Liebe Dich

Jeder Mensch hat etwas einzigartiges. Es gehört zum Menschwerden dazu, dass in sich zu finden. Manche entdecken es schon sehr früh (die Glückspilze!), andere gehen einen langen Weg. Aber wenn Du das in Dir gefunden hast, dann wirst Du es merken, ganz sicher. Wenn sich dieses Gefühl bei Dir noch nicht eingestellt hat, dann gehe es an, Du verschenkst sonst sehr viel.

9. Höre auf Dich wenn Du unsicher bist und nicht auf die anderen!

Das Prinzip ist immer dasselbe, wenn wir etwas tun, dessen wir uns nicht sicher sind, suchen wir uns Menschen, von denen wir wissen, sie werden uns immer gut zureden. Damit machen wir die innere Stimme tot und hören auf die Stimmen der anderen. Das ist ein Prinzip, das funktionieren kann, aber es ist kein gutes. Denn eines ist auch immer dasselbe: Wenn wir etwas tun, von dem wir WIRKLICH überzeugt sind, brauchen wir keinen Support – dann spricht die Sache an sich für ihre Richtigkeit. Unsicherheit, Angst und Zweifel sind daher unglaublich wichtige Gefühle, die uns aufzeigen, dass wir hier nicht ganz richtig liegen … Nimm das an! Und schaue, wie Du den Code knacken und mit Dir in Kontakt treten kannst (s. Pkt. 5).

10. Humor

Humor ist wenn man trotzdem lacht. Oder auch: Humor = Tragödie + Zeit. Lass einfach mal locker und lach über alles. Am besten über Dich. Das ist eine geistige Größe, zu der nur Menschen in der Lage sind.

11. Bleib auf dem Teppich

Eine Trennung – gerade wenn für einen Beziehung und Partnerschaft oder auch die EHE ganz hoch im Kurs stehen und vielleicht sogar als Lebensziel definiert wurde, das nun zerplatzt – ist dann NATÜRLICH kein Zuckerschlecken. ABER: Fast jede Sekunde trennen sich Menschen auf dieser großen Menschen gefüllten Welt. Würde man es über digitale Anzeige messen können, ginge es: Plopp, plopp, plopp …

Du bist also eine unter Millionen, Milliarden. Nimm Deine Trauer, Wut und Angst an, aber nimm es nicht so schwer, siehe was Du hast, nicht, was Dir fehlt und schaue Dich um und sehe, dass für viele das Leben wunderbar weitergeht. Dass sie über sich hinauswachsen, ganz neue Fähigkeiten entwickeln, sich neu und bewusster verlieben … Und denk daran, was John Lennon gesagt hat: „Das Leben ist das, was passiert, wenn man gerade ganz andere Pläne gemacht hat.“ Willkommen im Club! Du weißt jetzt mehr.

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