Liebst Du noch? Oder routierst Du schon?

Lustgarten Berlin
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Es gibt kein RICHTIG oder FALSCH in einer Beziehung

Es gibt auch keine RICHTIGE oder FALSCHE Beziehung. Eigentlich kann eine Beziehung alles sein. Wichtig ist, dass sie sich RICHTIG Für DICH anfühlt.

Hingegen der gängigen Floskel „Man muss auch bereit sein, an der Beziehung zu arbeiten“, bin ich der Meinung, eine Beziehung sollte gerade nicht ARBEIT sein. Für mich hat das eine mit dem anderen nichts zu tun.

Wir brauchen die Arbeit, um zu überleben. Wir müssen uns unsere Nahrung und unsere Häuser bauen oder erwirtschaften, wir brauchen Schulbildung und wenn wir mehr haben wollen, als der Durchschnitt, dann müssen wir uns anstrengen und schlau sein, doch auch das ist keine Garantie, das die Rechnung aufgeht. Eine Beziehung brauchen wir auch oft, um zu überleben, wenn wir Kinder haben z.B., um die Aufgaben aufzuteilen, damit es für jeden leichter wird. Um die Verantwortung für Entscheidungen zu teilen, um für einander da zu sein, Rat oder Ruhe zu spenden. Eine Beziehung sollte die Arbeit erleichtern – und zwar für beide Seiten. Damit das funktioniert, müssen beide den Blick dafür haben, was der andere leistet. Eine Beziehung sollte eben nicht Arbeit sein, sondern Erleichterung und Hingabe.

Familie im Umbruch

Versucht mal einen Test, bei mir funktioniert er meistens. Fragt ältere Menschen (am besten welche, die nicht zu Eurer Familie gehören), was für sie Familie ist. Meistens antworten sie: Mutter, Vater, Kinder, die Großeltern.

Und dann fragt junge Menschen. Diese antworten nämlich oft ganz anders und sagen: „Da wo es Vertrauen gibt, wo man sich zu Hause fühlt, wo man sich für einen interessiert.“

War Familie und Beziehung früher die Form und die Norm für das Zusammenleben von erwachsenen Menschen, gibt es heute viel mehr Formen. Die WG, die aus der Kommune entstand, ist so eine Möglichkeit. In den 1960er Jahren war es tatsächlich nicht möglich mit dem anderen Geschlecht zusammenleben, war man nicht mindestens verlobt. Lebte man allein, war eine eigenen Wohnung oft nicht erschwinglich. Entweder, man lebte noch bei Muttern oder „zur Untermiete“, dort gab es strenge Regeln, weder abendlichen Ausgang noch war Damen- oder Herrenbesuch gestattet. Einen Extremschritt machten dann die Kommunaden, wie Reiner Langhans in Berlin mit seiner freien Liebe und der WG ohne Türen – doch im Wesentlichen ging es dabei um Freiheit und Selbstbestimmung von jungen Menschen.

Heute ist die „Kommune“ die Regel auch der Sex ist frei, mit Tinder und Youtube schon fast zu frei geworden (aber das ist ein anderes Thema). Die Menschen haben Beziehungen, die a) öfter wechseln und b) nicht bloß auf den Partner als Vertrauensperson fixiert sind.

Der Mensch tut gut daran, sich ein Liebes-Netzwerk zu spannen

Ich finde das sehr gut. Der Mensch braucht Sicherheit, Partnerschaft und Unterstützung. Wir tuen gut daran, wenn wir uns ein System schaffen, das nicht nur auf eine Person fixiert ist und dass zusammenbricht, wenn diese nicht mehr da ist. Der Mensch tut daher gut, sich ein Liebes-Netzwerk zu spannen, damit er gut und dauerhaft abgesichert ist.

Immer mehr Menschen trennen sich heute von ihrem Partner, wenn sie merken, dass die Beziehung nicht mehr auf Liebe und Wertschätzung beruht. Weder der gesellschaftliche Druck (Scheidung ist kein Manko) ist noch da, noch bürokratische Hürden (eine Scheidung ist fast so einfach, wie ein Autoverkauf geworden), allein die finanzielle Abhängigkeit oder die Sorge für die gemeinsamen Kindern sind noch Punkte, die viele Menschen dazu bewegen, zusammenzubleiben, obwohl sie eigentlich lieber gehen würden.

Bewusstes Zusammenleben, obwohl man weiß, dass die Liebe nicht mehr da ist, praktizieren viele. Sogenannte Zweck-Ehen werden von Gesellschaft und vom deutschen Staat unterstützt, der die Ehe (nicht die Liebe!) in Artikel 6 des Grundgesetzes unter besonderen Schutz gestellt hat (allerdings war das im Nachkriegsdeutschland und dieser Entscheidung ging eine heftige Diskussion voraus). In unserem kollegialen Bewusstsein gilt das als verantwortungsbewusst. Aber ist es das wirklich? Dieses Zusammenleben ist funktional, aber auch eine gelebte Lebenslüge …

Eine Ehe macht noch lange keine gute Elternschaft 

Noch eins hat sich seit den Zeiten der Manifestierung des Grundgesetzes gewandelt: War Ehe und Elternschaft früher unmittelbar miteinander verbunden, sind es heute zwei von einander getrennt zu sehende Bereiche. Eine Ehe ist weder Grundlage noch Berechtigung zur Elternschaft. Zahlreiche Paare heiraten nicht mehr oder bleiben unverheiratet, es gibt homosexuelle Partnerschaften mit Kindern, Alleinerziehende, etc. …

Und dann gibt es da noch einen anderen Punkt, der die Sache noch komplizierter macht: Eine gute Beziehung macht nicht automatisch eine gute Elternschaft. Und umgekehrt gilt auch: Nur weil eine Beziehung gescheitert ist, können beide dennoch gute Eltern sein.

Und drittens: Beziehungsfähigkeit ist eine Kompetenz, die man gelernt hat oder nicht. Verlieben kann sich dagegen jeder Mensch. Ob jemand wirklich ein guter Beziehungsmensch ist, zeigt sich erst nach der Trennung. Denn Beziehungsfähigkeit bedeutet das emphatische Vermögen, sich in den anderen und dessen Bedürfnisse hineinzuversetzen. Und vor allem Verantwortungsbewusstsein – und zwar vor allem für die Entscheidungen, die man im Leben getroffen hat.

Doch auch wer sehr beziehungsfähig ist, muss nicht automatisch ewig die selbe Person lieben. Liebe ist etwas sehr komplexes. Sie kommt, sie geht. Niemand weiß bislang, woran das liegt.

Die Rollenbilder lösen sich auf, keiner will sich mehr vorschreiben lassen, wir er zu leben hat

Wie die Rückblende auf das restriktive Zusammenwohnen, das einem heute absurd vorkommt, wirkt heute auch die strenge Reglementierung von Rollenbilder, die wir lange gelebt haben. Die Denke war: Frauen dürfen sich so und so verhalten, Männer so und so. Nicht JEDE und JEDER bestimmte selbst, nein, es mussten normative Vorstellungen erfüllt werden. Die von Kirche, Staat, Diktatur vorgeschrieben wurden.

Heute macht den Scheiß (fast) keiner mehr mit. Zum Glück. Die jungen Frauen haben heute den Anspruch, selbständig und für sich VERANTWORTLICH zu sein. Sie wollen ihr Leben selbst gestalten, managen und optimieren und darüber hinaus, sich nicht nur für sich und ihre Familie verantwortlich zu fühlen, sondern für ihren gesamten Einflussbereich. Männer, die in ihrer beruflichen Prägung natürlich einen großen Vorteil in unserem kapitalistisch-patriarchisch geprägten Wirtschaftssystem haben, merken aber gleichfalls, dass die reine erfolgsgetriebene Maloche ja nun auch nicht das sein kann, wozu wir hier auf der Welt sind. Sie sehnen sich nach „weichen Skills“, nach Vaterschaft, nach emotionalem Austausch. Auch sie wollen mehr sein.

Typisch männlich, typisch weiblich? Gibt es gar nicht 

Wir sollten uns daher alle öffnen, denn wir wollen es auch. Wir sollten uns frei machen von den Vorstellungen, die uns eingetrichtert, indoktriniert wurden. Männer und Frauen sind nicht gleich, denn sie haben unterschiedliche Geschlechter.

Doch nehmen wir das mal raus, was unterscheidet die beiden Gruppen dann noch groß von einander? Stil, Intelligenz, Durchsetzungsvermögen, Einfühlungsvermögen, Mut, Schlagfertigkeit, Humor … all das haben Männer UND Frauen. Macht man Tests ohne zu wissen, welches Geschlecht die Person hat, wird deutlich, dass es im Großen betrachtet, KEINE wesentlichen Unterschiede gibt. Es wollen viele nicht wahrhaben, es ist aber so.

Allein unser Fortpflanzungsapparat ist unterschiedlich, das ist nicht unwesentlich, aber organisierbar. Der Mensch ist eine der wenigen Gattungen unter den Säugetieren, der unfertig auf die Welt kommt (Kängeru ist noch so ein Exemplar). Fast alle anderen Säugetiere können nach der Geburt bereits laufen oder schwimmen, in den ersten Jahren ist daher die Bindung an die säugende und vertraute Mutter sehr ratsam und die behutsame Öffnung für weitere Vertrauenspersonen – allerdings nicht überlebenswichtig. Ein Baby kann auch von liebevollen Artgenossen großgezogen werden ohne großen Schaden zu nehmen. Das hat die Natur eingeräumt und passierte millionenfach, in den vielen Fällen, bei denen die Mütter bei der Geburt starben und sterben. Entscheidend ist hier, wer die Lücke füllt.

Dennoch ist der Schutzinstinkt, der sich bei der Mutter und eigenem Baby automatisch mit der Schwangerschaft und Geburt einstellt, eine besonderer und eine sehr starker, der naturbedingt ist und eine wichtige Funktion innehält, die nicht grundsätzlich negiert werden sollte, sondern im Gegenteil anerkannt.

Abgesehen davon gleicht kein Mensch dem anderen. Wir könnten die Menschen auch in Blonde und Braunhaarige einteilen. In Faule und Fleißige oder in Schlanke und Dicke, in Große und Kleine, in Reiche und Arme … Wenn wir uns an menschlichen Merkmalen aufhängen, dann verlieren wir allerdings oft den Blick für das Wesentliche. Und das ist meines Erachtens immer noch die Liebe, die Freiheit, das Miteinander und die Gabe, sein Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten, ihm Sinn zu geben.

 

 

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