Ich bin gerne allein – warum dieser Satz der Schlüssel zu einer guten Partnerschaft ist

Sonnenschein

Es ist Sommer, die Sonne scheint und es ist die beste Zeit, sich zu verlieben (wusstet Ihr, dass die meisten Kinder im Herbst gezeugt werden?!). Daher wird es hier jetzt öfters über die Liebe und das komplexe Thema, was wir unter dem Wort „Beziehung“ zusammenfassen, gehen …

Es gibt so ein paar Sätzen, die fallen beim Thema Frauen und Partnerschaft immer wieder, z,B, „Ich bin gerne allein, ich will gar keinen Mann“. Weil a) „Ich wüsste gar nicht, wo ich den noch unterbringen soll?!“ (zeitmäßig). Oder b) „Ich bin mit mir alleine glücklich.“ Kennt Ihr das?

Ich habe mal nachgeschaut, was dahintersteckt:

  1. Sie sind tatsächlich gerne allein (gibt es tatsächlich. Menschen, die lieber allein sind, als in Gesellschaft, ist aber selten, denn unsere Genetik ist auf Clan-Leben programmiert)
  2. Sie haben Kinder, einen Job und noch eine paar Freunde, Oma und Opa, Haustiere oder ein Hobby, sind damit total ausgelastet, bekommen alles, was sie brauchen, um Mensch zu sein und haben tatsächlich keine Zeit für eine Beziehung.
  3. Sie wollen sich nicht binden. Weil sie es a) nicht können b) noch mit einer alten Sache nicht abgeschlossen haben c) keine Ahnung von Männern haben und immer beim falschen landen (das auch wissen und lieber die Finger davon lassen) c) eigentlich gerne einen Mann wollen, es aber nicht hinbekommen und daher sagen, sie wollen keinen d) sich einfach nie verlieben etc.
  4. Sie kennen Partnerschaft nur als Dienstleistungsprogramm für den Mann und wollen das nicht wieder. Diese Frauen wissen (noch) nicht, dass es neben der traditionellen, patriarchischen Beziehungsstruktur auch eine gleichberechtigte gibt, die allerdings Selbstreflektion bzgl. der eigenen Wünsche und Bedürfnisse bedarf, Gestaltungskreativität, um sich einen Weg zu erdenken, wie man dorthin gelangt, ein starkes Verantwortungsgefühl auf der Grundlage, dass man selbst für sich verantwortlich ist (und zwar ALLEIN man selbst), eine gesunde, wache Selbstwahrnehmung bei der man seine Grenze kennt, aber auch wahrt und sie vor anderen deutlich aufzeigt und eine bewusste, positive Lebenshaltung und eine präsente, empathische Haltung anderen Menschen gegenüber.

Die meisten Menschen durchleuchten sich nicht und hinterfragen nicht wirklich. Sie wachsen auf in einem Elternhaus und nehmen diese Erfahrungen und Erlebnisse als Grundlage für ihr eigenes Beziehungsleben. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Denn die Sache hat einen gewaltigen Harken: Wir übernehmen damit auch die Fehler, Schwächen unserer Eltern, im schlimmsten Fall auch ihre Traumata – aber vor allem die Missverständnisse und das ist fatal.

Ein Dilemma: der Kindheitsschatten

Denn zwischen der kindlichen, eigenen Sichtweise auf unsere Eltern oder Familie und der komplexen REALITÄT, von Beziehungen und wiederum den Einflüssen, denen ja unsere Eltern ebenfalls in ihrer Kindheit ausgesetzt waren, liegt oft ein himmelweiter Unterschied. Was dazu kommt: Gesellschaft ist immer im Fluss. Die Werte von gestern, gelten heute nicht mehr. Dass was früher angesagt und gewollt war, ist heute verpöhnt und „passt nicht mehr in die Zeit“.

Meine Freundin Louise z.B. war Streit in einer Beziehung nicht gewohnt. Sie konnte damit nicht umgehen, weil sie es von ihren Eltern nicht kannte. Alles verlief dort immer harmonisch. Wenn es Streit in einer Beziehung gab, dann beendete sie diese, weil das für sie, mit ihrer Prägung ein Zeichen war, dass mit ihrer Beziehung etwas nicht stimmte. Eines Tages und viele gescheiterte Beziehungen später, fragte sie ihre Mutter: „Wie habt ihr das hingekriegt, nie zu streiten?“ Und was antwortete diese: „Natürlich haben wir gestritten. Es gibt keine Beziehung ohne Streit. Das gehört immer dazu. Wir haben nur nicht vor euch Kinder gestritten, sondern gewartet, bis ihr im Bett ward und geschlafen habt – dann ging es rund…“ Tja.

Eltern erzählen ihren Kindern sehr oft nicht die Wahrheit. Sie halten sie – zum Schutz der Kinder – klein. Doch wenn wir älter werden, tun wir gut daran, aus dem Kindheitsschatten herauszutreten und den Eltern als erwachsenes Wesen zu begegnen. Wer das nicht schafft, kann nicht erwachsen werden. Oder sagen wir: ein selbstbestimmtes Leben führen.  

Naivität killt the Verantwortungsbewusstsein

Wir Menschen funktionieren ähnlich wie ein Computer (bzw. der Computer wurde nach der Funktionsweise des menschlichen Gehirns entwickelt, aber wir sind tatsächlich mehr mit der technischen Kopie vertraut): Wir speichern Erlebnisse und Erkenntnisse in unserem Hirn und bilden daraus unsere Handlungsstrategien.

Wenn wir viel Gewalt erleben, dann sehen wir die Welt als einen gewalttätigen Ort an und wir werden misstrauisch, evtl. selbst gewaltbereit, gehen in Angriffs- oder Verteidigungshaltung. Zunächst ist das gut, denn dieses Verhalten sichert unser Überleben. Doch für den Fall, dass es keine Gewalt mehr um uns gibt, oder wir die Möglichkeit haben, dorthin zu gehen, wo wir nicht von Gewalt bedroht sind, weil wir uns frei bewegen können, ist ein misstrauisches, verteidigendes oder angreifendes Verhalten hinderlich, denn es kann uns blockieren unser Leben bedürfnisorientiert zu gestalten. 

Die E.H.E. …

Wenn uns eingebläut wird, dass Leben macht nur Sinn, wenn wir heiraten und Kinder haben und eine Ehe ist monogam und bis ans Ende aller Tage – dann glauben wir das irgendwann und definieren uns darüber, bzw. darüber, ob wir dieses Klassenziel erreichen oder nicht und fühlen uns als Gewinner oder Versager – oder sehen den anderen als Versager, wenn er mit unseren Maximen bricht.

Enttäuschte Erwartungen sind aber eben nur enttäuschend, wenn wir vorher eine Erwartung hatten. Andersherum geht es aber auch: Wenn wir die Erwartung streichen, dann sind wir auch nicht mehr enttäuscht. Der Mensch funktioniert tatsächlich so einfach … 

Das Konzept der Ehe ist ausgedacht. Es ist eine Staatsform, ähnlich wie die Staatsbürgerschaft, die festgelegt wird und ein Organisations-Konstrukt ist, um Menschen in einem Staatsgefüge beieinander zu halten, denn das gibt Sicherheit und Ordnung. Es sichert den einen Elternteil ab, wenn Kinder da sind. Das ist nicht verkehrt, aber man muss den wahren Grund von Ehe kennen – und eben auch den negativen Aspekt dieser „Ordnung“. Oder anders gesagt: Liebe und Ehe sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge! Und haben so viel gemeinsam wie eine Blumenwiese und ein Gartenzaun. Sie erfüllen ganz unterschiedliche Funktionen. Und dass sollte einem wirklich klar sein, bevor man vor den Standesbeamten tritt.

Liebe ist natürlich – Ehe nicht

Liebe zwischen den Menschen ist dagegen etwas natürliches. Wir fühlen uns tatsächlich zu einigen Menschen hingezogen – zu anderen weniger. Aber natürlich ist auch, dass wir uns nicht nur zu einer Person hingezogen fühlen. Wir lieben sehr viel und auch sehr variantenreich. Liebe passiert einfach. Und sie ist immer ein Gefühl, dass in uns ist. Wir können jemanden lieben, der uns nicht liebt – oder umgekehrt – geliebt werden, aber selbst nichts für den anderen empfinden – dann ist dass immer UNSER Gefühl. Es hat überhaupt keinen Einfluss auf den anderen …

Bei einer partnerschaftlichen Liebe tritt der Zufall ein, dass BEIDE den jeweils anderen lieben. Noch ist nicht erforscht – was Liebe auslöst … Spannend ist es allemal. Aber eines ist sicher: Besitzanspruchsdenken tötet die Liebe. Liebe braucht Freiheit und unabhängiges Wirken. Wer also weiß, dass er auch alleine gut durchs Leben kommt und diese Haltung auch lebt, wenn er sich verliebt, ist in der Lage wirklich gut und wahrscheinlich auch dauerhaft zu lieben. 

 

 

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