How to be A Good Woman – Illustratorin Felice Vagabonde

Felice Vagabone

Felice Vagabonde alias Jasmin aus Hamburg und Berlin ist eine Frau, deren Art ich bewundere. Ich sehe mir Ihre Videos an, Ihre Kunst und denke: Oh, ist das schön! Mehr davon! Das sehen schon sehr viele andere so wie ich … (wer Interesse an Ihren Werken hat, kann diese hier bestellen).

Kurz und gut, Felice aka Jasmin ist für mich A Good Woman. Sie inspiriert, sie lebt einen Geist, der gut tut und einfach verdammt richtig in die Zeit passt. Höchste Zeit sie zu fragen, was sie zum Thema Frausein heute denkt und wie sie das lebt …

MAMA BERLIN: Felice, was macht Dich zur Frau?

Felice Vagabonde: Ich habe nichts Spezielles, das mich „zur Frau“ macht. Ich wurde mit einem weiblichen Körper geboren und habe das Glück, mich auch damit zu identifizieren. Manchen Leuten geht es da leider nicht so, ich denke da zum Beispiel an Transgender. Eine Freundin von mir wurde als Mann geboren. Es war ein harter und steiniger Weg, bis sie durch Operationen, Hormonbehandlungen und auch psychologischer Betreuung endlich an dem Punkt war zu sagen: JETZT fühle ich mich so richtig als Frau. Ich kenne mich nur als Frau und sehe das als für mich selbstverständlich und passend, aber wie gesagt: Einfach Glück gehabt.

MAMA BERLIN: Wie fließt diese Gefühl in Deine Arbeit ein? 

Felice Vagabonde: Ich habe nicht wirklich das Gefühl, dass mein Output von meinem Geschlecht beeinflusst wird. Ich weiß nicht, ob meine Arbeit anders wäre, wenn ich ein Mann wäre … Vielleicht. Vermutlich sogar. Ich wäre dann ja ein ganz anderer Mensch.

Jasmin FrauseinMAMA BERLIN: Wie fühlt sich Frausein an für Dich?

Felice Vagabonde: Es ist eher unbewusst, ohne, dass ich das permanent reflektiere oder thematisiere. Ich sehe mich einfach als Mensch. Ich bin eben ich, ein Mensch, eine Frau und schreibe und zeichne. In meinen Texten widme ich mich immer mal wieder dem Thema Feminismus, jedoch im Bezug auf Gleichberechtigung aller Geschlechter: Frauen, Männer, Trans, etc. Ich fühle mich nicht speziell als „Frau“ in Abgrenzung zum Mann.

MAMA BERLIN: Welche Momente waren die, die Dich zur Frau gemacht haben? 

Felice Vagabonde: Keine. Wie gesagt: Weiblich geboren, das Glück gehabt, mich damit auch zu identifizieren. Die Frage nach Momenten, die einen „zur Frau“ gemacht haben klingt für mich irgendwie nach seltsam altmodischen Ansichten über das Frausein. Dass es so anders sei, als das Mannsein – was die Basis von Ungleichbehandlungen in Job & Co. ist. Das sehe ich einfach nicht so. Ich mache meine Identifikation mit meinem biologischen oder psychologischen Geschlecht auch nicht am Einsetzen der Periode oder dem Verlust der Jungfräulichkeit fest, daher fallen mir definitiv keine prägenden Momente ein.

MAMA BERLIN: Wie fühlt es sich an für Dich, heute 2016, eine Frau zu sein? 

Felice Vagabonde: Da ich aus direkter Erfahrung nur weiß, wie es eben heutzutage ist, eine Frau zu sein, fehlt mir da der Vergleichspunkt. Aber natürlich sehe ich, dass wir Frauen natürlich viel mehr Freiheiten und Möglichkeiten haben als es zum Beispiel meine Oma hatte. Und dass wir hier in Deutschland im Vergleich zu China, dem arabischen Raum und vielen anderen Orten der Welt ein sehr fortschrittliches Frauenbild haben.

MAMA BERLIN: Also alles tiptop? 

Felice Vagabonde: Ich sehe schon noch Nachbesserungsbedarf. Das geht bei der Kinderbetreuung los, damit Frauen nicht die „Verlierer“ in einer Partnerschaft sind, zu Hause bleiben müssen, wenn der Nachwuchs da ist, aber kein Krippenplatz verfügbar ist. Oder die damit verknüpften ökonomischen und karrieretechnischen Ungleichbehandlungen im Berufsleben. Ich denke da jedoch auch an Frauen, die eben biologisch nicht als Frauen geboren wurden. Für diese ist es auch heutzutage noch schwer, Akzeptanz oder auch Unterstützung zu erfahren, die ihnen dabei hilft, ihre Lebenssituation zu meistern und zu verbessern. Ich kann das gar nicht so recht am Weiblichsein an sich festmachen, sondern sehe, dass Schwule und Lesben Diskriminierung erfahren. Oder biologisch als Frauen geborene Menschen, die sich aber als Mann fühlen und für mich dann auch ganz klar Männer sind.

MAMA BERLIN: Gibt es etwas, dass Du Dir als Frau vom anderen Geschlecht, also den Männern, wünschst? 

Felice Vagabonde: Ich wünsche mir nicht nur von den Männern, sondern einfach von allen Seiten mehr Fairness und Verständnis für die individuellen Bedürfnisse aller Personen – unabhängig vom Geschlecht.

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