Lassen Sie mich durch: Ich bin MUTTERTAG!!! #muttertagswunsch

Frontkarte zum Muttertag

Ich wünsche allen Vätern zum Vatertag und allen Müttern zum Nicht-Muttertag nur das Beste, seid nicht traurig, Ihr kommt Sonntag auch mit einem Tag dran. Weiter so! Ihr seid super! Ihr seid toll! Vorwärts!! Zieht die Kinder groß, zu denen Euch niemand gezwungen hat. Schluckt Euren Frust, dass die Dinge nicht so laufen, wie Ihr euch das mal vorgestellt habt, runter. Schaut, wie süß die Kinder sind, seid dankbar, los. Jetzt, heute! Und Ihr Kinder: Zeigt den Vatis und Muttis, wie lieb ihr sie habt! Kommando: Bild malen, Blumen hinstellen, Kuchen backen. Aufräumen. Ist eh mal wieder dran, könnt ihr gleich zwei Fliegen mit einer Klappe … egal, jetzt aber: Marsch! 

Sorry, wenn ich jemanden mit meinem Zynismus auf die Füße trete, aber das Vatertag/Muttertag-Gruppenzwangsgedöns ist eine Retro-Veranstaltung und dazu fällt mir nur Retro-Polemik ein.

Noch mal kurz zum Anfang zurück: Die Idee stammt von der ultrareligiösen Methodistin und Pfarrerstochter Anna Marie Jarvis aus West Virgina (USA), die einen unglaublichen Ehrgeiz an den Tag legte, um sämtliche Gouverneure der Vereinigten Staaten davon zu überzeugen, den Todestag ihrer Mutter zu einem nationalen Gedenktag aller Mütter zu etablieren. Der sanfte US-Präsident Woodrow Wilson kam 1914 dem Ansinnen zum ersten Mal nach, beflaggte alle öffentlichen Gebäude am zweiten Sonntag des Mais in Gedenken der Mütter seines Landes.

Der Vatertag kam ungefähr zur selben Zeit in Deutschland auf. Also, dass man Christi Himmelfahrt – also einem traditionellen Feiertag – zum Vatertag ummodelliert, kam da auf. Da das Feiern und Saufen an diesem Tag eh schon im kollektiven Bewusstsein war, gab es hier nix zu kreieren, sondern nur zu übernehmen. Irgendwas zu Gedenken oder ein politisches Ansinnen hatten die Herren der Schöpfung eh nicht. Man kann getrost sagen: Es ging einfach ums Saufen. Unter Männern. Ohne die Weiber. Die nerven. Das war und ist den Vätern genug Grund für den Vatertag.

Die Frage, die ich da doch mal stellen möchte, hinsichtlich BEIDER Veranstaltungen: Ist das cool? NEIN! Passt das in die Zeit? NEIN! Wollen wir so sein? NEIN!!!! 

Obwohl, wenn ich die letzten Tage nochmal so hinsichtlich des Tages rekapuliere, dann bin ich mir leider nicht sicher …

Auf Grund der weltpolitischen Lage ist der nationale Pathos, die heile, traute Familien(lügen)welt, das traditionelle Rollenverteilersystem doch leider wieder im Kommen, dass wird auch die FAZ mit solchen Titelblättern …

faz titel

… schon gar nicht stoppen können. Deren feine Ironie wahrscheinlich nur wenige verstehen, wie Carta zum Glück bemerkt (das Bild knüpft in Spießerdeutschland viel zu sehr an unser dunkles kollektives Bewusstsein an. Ich kann mir richtig vorstellen, wie die Leute drauf schauen und sagen: „Hä? Was soll denn daran schlecht sein, Vati??!! Eine hübsche Frau, ein stattlicher Mann, drei (!) Kinder und dann noch alle blond! Super! Und backen kann sie auch noch und das Gewehr erinnert mich an … Uui, hihihi …. Na, da wähl‘ ich doch die AfD!). Und die AfD mit ihrem Scheiß-Kopp-Verlag hat’s natürlich sofort gerafft und konterte auch gleich, zudem stilistisch ziemlich gekonnt, das macht es doppelt gruselig:

faz konter

Auch wenn die Gegner der AfD bestimmt nicht die Islamisten sind (Welcher Salafist kennt schon Frauke Petry????) Sondern, wie ich hoffe, doch immer noch die intelligenten, gebildeten und ur-ur-demokratisch geprägten, fühlenden und lebenden Kräften dieses Landes.

Doch die Leute, das merke ich, machen es sich immer einfacher und machen dieselben Riesenfehler, wie die Generationen vor ihnen: Sie schauen nur auf den eigenen, kleinen Küchentisch und Garten, halten das Geld krampfhaft zusammen, denken: Nach, uns die Sintflut oder zelebrieren – noch schlimmer – ein dämliches Naivsein und machen, wenn es kritisch wird, die Äuglein ganz, ganz fest zu und stellen sich rosa Zuckerwatte oder anderes vor, um bloß nicht, bei der großen, bösen Politik mitzumischen …

Oder wie Silke Burmester es treffend bemerkt:

Silke Burmester Twitter

Wo wir wieder beim Thema wären: Vater/Muttertach. Stand also mal Religion, Moral, Politik und Nationalbewusstsein beim Muttertag hoch im Kurs ist das Schnee von Gestern. Was dem Vatertach das Saufen, ist dem Muttertach inzwischen der Konsum und das zwanghafte Basteln, Backen und Frühstück servieren. Brot und Spiele für den Hausgebrauch, lenkt die Leute ab, von dem was wirklich wichtig wäre!

An Muttertach muss was her …  Manchmal ist es ein Trauerspiel, was da so geboten wird … (Wenn ich SO einen Blumentopf von Kaufland bekomme zu MEINEM Muttertag, dann ist ja wohl klar, WO DER LANDEN WIRD!!!)

Werbung zum Muttertag und Vatertag – ein Trauerspiel

Aber es ist auch beschissen, wie viele angepasste, unreflektierte Häschen und Hasis im vorauseilendem Gehorsam dem Scheiß hinterherhoppeln und sich bei der irren-Kapitalismus-Routine des in-den-Mainstream-Arschkriechens übertreffen.

Und natürlich alles Last Minute versteht sich (Huch? Schon wieder ein Jahr rum, is echt so voll schnellebendig, ’ne die Gesellschaft geworden, sorry! Aber kommt voll vom Herzen…) und ist echt DIY (also, ihr müsst natürlich schon so ein paar Sachen dazu kaufen, aber das Vermischen ist echt selbstgemacht …):

Oder dann die Hipster-Mamas und Papas, die sich gegenseitig mit Geschenken am Vatertag und Muttertag überhäufen, damit Vati mal so richtig das Luxus-Kind in sich rauslassen und Mutti die Luxus-Göre, die sie früher schon so gerne gewesen wäre: Papa bekommt die Spielzeug-Drohne, Mama mal so ein richtig geiles Verwöhn-Weekend in der Wellness-Hütte … Die Kinder kommen derweil zu Oma und Opa – oder zur Nanny.

Und dann natürlich Danke sagen nicht vergessen. Die Gründe können an Doofheit nicht zu toppen sein, wie fem.com in seiner Top-10-Liste „10 Gründe, warum wir unsere Mütter lieben“ den geistig Minderbemittelten klar machen möchte: Danke, dass Du immer darauf geachtet hast, dass ich eine Jacke anhatte … Ja, genau! Danke, Mama, dass Du mir immer den Po abgewischt hast! Och, Mensch schön, du! Dafür möchte Mutti geliebt werden! 

Und dann wird es doch noch mal politisch: Unter #muttertagswunsch und #vatertagswunsch sammeln sich derzeit Beiträge, was sich Väter und Müttern zur Verbesserung ihrer Lage von der Politik wünschen. Die Wünsche sind nicht neu, hier auf diesem Blog schon gebetsmühlenartig immer wieder aufgelistet (gerechteres Steuersystem, mehr Betreuungsmöglichkeiten, mehr Diversität), aber immerhin haben die Medien jetzt wieder einen Grund, darüber zu berichten.

Und: Saufen ist bei den bürgerlichen Prenzlauer Berg/Mittelstands-Vätern auch nicht mehr so angesagt – zumindest nicht am Vatertag, das wird jetzt auf Geschäftsreisen erledigt … Das sind die Muttis automatisch nicht dabei – es bleibt aber p.c. Und Konsum steht eh in der Kritik – es sei denn, es ist Bio oder fairtrade, das kann nicht teuer genug sein (das Gute Gewissen kostet halt was).

Heute machen die Väter am Vatertag auch immer öfter was MIT ihren Kindern – so gemeinsam. Und die Mütter wünschen sich am Muttertag einfach entspannte Zeit mit der Familie. Hach! Mal sehen, wie unsere Kinder das bewerten werden: My Mom! My Dad! Wir waren immer voll auf einer Wellenlänge. Best Friends forever!

Obwohl, eigentlich wissen wir ja schon, wohin das führen wird:

Mein #mutterstagswunsch ist daher: Muttertag abschaffen. Scheiß aufs Muttersein. Scheiß auf das Trennen von Frau/Mutter/Vater/Mann/Kinder.

Denn wir sind einfach alle: Menschen. Verschieden, ALLE sowieso! UND müssen ALLE miteinander klar kommen! Und es geht auch nicht ums Gefeiertwerden, ums Dankbarsein. Das brauchen wir nicht mehr – niemand MUSS Kinder bekommen, das ist heute einfach freie Wahl und Privatsache.

Vor allem brauchen wir gar keine Kinder: Wir sind 8,2 Milliarden!!!! Wir sind NICHT die Pandabären oder Meeresschildkröten, unsere Art ist NICHT vom Aussterben bedroht. Im Gegenteil … Wir sind zu viele. Wir machen zu viel kaputt. Wir sollten uns erstmal um die kümmern, die schon da sind!!! Und schauen, dass die, die schon da sind, gut versorgt werden. 

Daher brauchen wir jetzt nicht mehr Muttis und Vatis, sondern vor allem eine gerechte, chancengleiche, verantwortungsvolle Gesellschaft, die in der Lage ist, in weiten Teilen in die Zukunft und über den eigenen Tellerrand zu schauen. Wir brauchen Verständnis, dass wir verschieden sein MÜSSEN, damit wir weiter wachsen können!

Menschentag – das wäre was – 365 Tage im Jahr! Danke fürs Lesen bis zum Ende! 

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