Mein Sohn haut – wie bringe ich ihm einen Umgang mit Wut bei?

Wilde Giraffen

Hanna Brodersen betreibt die Facebook-Gruppe „Gewaltfreie Kommunikation – Eltern sein“ und beantwortet hier jetzt regelmäßig Eure ganz persönlichen Fragen. Mehr zu Hanna und Gewaltfreie Kommunikation in meinem Interview mit ihr.

Mein Sohn ist manchmal wütend und schimpft mich an oder boxt mich, weil er sich ärgert. Nicht über mich, sondern einfach, weil etwas nicht so gelaufen ist, wie er sich das vorgestellt hat. Er ist 5 Jahre alt. Ich finde das nicht gut und sage ihm, dass er aufhören soll und dass schlagen nicht in Ordnung ist. Er soll sagen, was ihn stört. Überfordere ich mein Kind vielleicht damit? Wie kann ich meinem Sohn einen guten Umgang mit Gefühlen wie Wut und Aggression beibringen? 

Hanna Brodersen – Gewaltfreie Kommunikation
Hanna Brodersen liebt Gewaltfreie Kommunikation und hat gute Inspirationen für Dich!

Das rät Hanna: Wichtig erscheint mir, in jeder Situation immer wieder neu hinzuschauen: Worum geht es meinem Sohn, wenn er mich boxt, oder schlägt? Welches Bedürfnis verbirgt sich hinter dieser Strategie? Sicherlich geht es voranging um ein klares „Stopp, dass tut weh!“ In der gewaltfreien Kommunikation ist die Rede von „schützender Gewalt“. Im Unterschied zu der strafenden Machtanwendung geht es nicht darum, einen „Schuldigen“ leiden sehen zu wollen, sondern den Fokus auf das zu richten, was wir schützen wollen. Dafür müssen wir uns bewusst darüber werden, dass unser Kind gerade keine „bessere“ Strategie zur Verfügung hat, um gut für sich zu sorgen. als zu hauen.

Verstehen, also das dahinterliegende Bedürfnis wahrnehmen zu wollen, bedeutet nicht, mit der Strategie (die Art und Weise, wie es erfüllt werden soll) einverstanden zu sein! Die wichtigste Voraussetzung für einen gesunden Umgang mit Gefühlen ist aus meiner Sicht, grundsätzlich kein Gefühl abzulehnen: „Du darfst anders sein, als ich dich gerade hätte!“ und „Ich liebe dich, auch wenn du dich mit deiner Wut zeigst.“

Gefühle kommen und gehen, möchten ausgedrückt, gefühlt und dann wieder losgelassen werden. Ich kann dabei unterstützen, in dem ich Gefühl und Bedürfnisse einfühlsam annehme und damit beitrage, dass mein Kind sich anders ausdrücken kann, als zu schlagen: „Bist du gerade ärgerlich? Willst du selbst bestimmen?“

Natürlich suche ich diesen Kontakt erst, wenn ich mich ausreichend geschützt habe – dann allerdings kann ich wahrnehmen, was das mit meinem Kind macht: „Bist du erschrocken, als ich gerade so laut Stopp gerufen habe? Ich bin ärgerlich, weil das weh tut!“


Info: Gewaltfreie Kommunikation ist eine vollkommen andere Art der Kommunikation, als die, die wir meist kennen und praktizieren. Denn sie stellt nicht den Ausdruck des eigenen Willens in den Fokus, sondern zunächst einmal die innere Wahrnehmung: Was sage ich das gerade? Wie mag es wohl beim anderen ankommen? Was machen meine Worte gerade mit mir? Was löst die Reaktion meines Gegenübers bei mir aus?

Der GfK geht es nicht darum, den anderen zu einem bestimmten Handeln zu bringen, sondern eine Vertrauensebene aufzubauen, um ein Miteinander zu kreieren. Es ist ein entschleunigter Prozess des Redens und nicht für alle und auch nicht immer angebracht, birgt im Ganzen aber vor allem in ausweglosen Konflikten durchaus Potential.

Symbolbild der GfK ist die Giraffe: Ihr langer Hals symbolisiert den Überblick. Ihr großes Herz steht für Mitgefühl.

Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, kann hier ein Interview mit dem Begründer Marshall B. Rosenberg (1934 bis 2015) lesen.

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