Möge die Macht mit Euch sein! A Roadmap für Rosenkrieger

Yoda

Eines mal vorneweg gesagt: Die meisten Eltern sind okay. Sie wuppen den Alltag gut, umsorgen ihre Kinder mit viel Herz und bleiben auch nach einer Trennung tolerant, verzeihlich, verantwortungsvoll – und humorvoll (für mich ja das Wichtigste). Kurzum: Die meisten können lieben. 

Aber es gibt auch leider immer noch viel zu viele, bei denen läuft es nicht gut. Früher, ganz, ganz früher habe ich immer gedacht: Es gibt böse und gute Menschen. Als ich älter wurde, dachte ich eher: Ach, komm, es sind immer irgendwie beide mitverantwortlich. Heute denke ich: Weder das eine noch das andere – es ist (leider) alles richtig.

Natürlich gibt es sehr böse Menschen, die eine unglaublich zerstörerisches Kraft an den Tag legen und selbst die beste Charaktere in einen Kampf hineinziehen, der nicht zu gewinnen ist. Es gibt auch gute Menschen, die nur Gutes wollen und dennoch alles zum Unguten wenden und es gibt Paare, da tun sich beide nix, die drehen sich nur um sich und vergessen ihre Kinder … Das und noch viel mehr ist möglich – und genau, das macht es so schwer, die Probleme zu lösen.

Meiner Erfahrung nach sind die größten Problemfelder, die eine schnelle Lösung von Trennungseltern möglich machen, folgende:

  • Keine Kooperationsbereitschaft
  • Psychische Störung
  • Kein Verantwortungsbewusstsein
  • Kontrollwahn
  • Dauerkriegsführung
  • Mobbing
  • Grobe Unzuverlässigkeit
  • Dauerhaftes Lügen

Die folgenden Ratschläge wenden sich an Eltern, die mit einem schwierigen Elternteil nach einer Trennung klar kommen müssen, aber auch an die, die sich vor Kurzem getrennt haben und sich noch sehr verletzt fühlen oder noch keinen Plan haben, wie sie die Situation bewältigen sollen.

Ganz wichtig: Es müssen feste Regeln her. Wer in der Partnerschaft keinen Vertrag hatte, sollte es spätestens jetzt organisieren. Je mehr geregelt ist, desto mehr Chancen habt Ihr, dass Ruhe einkehrt: 

  1. Erkennen, dass es keine optimale Lösung gibt. Es ist schwer zu akzeptieren, wir alle wollen, dass es den Kindern so gut wie möglich geht und es könnte doch auch alles so einfach sein. Ist es aber nicht. 
  2. Nicht von Dir auf andere schließen. Du kommunizierst? Du bist kooperativ? Du kannst zuhören? Du behälst Deine Gefühle unter Kontrolle? Du bist in der Lage den Überblick zu wahren? Du kommst sonst mit allen anderen klar? Das ist löblich, das heißt aber nicht, dass es Dein Gegenüber auch kann oder auch will – und vor allem: Das auch so sieht …
  3. Es gibt kein RICHTIG und kein FALSCH. Am Ende sollte immer das Ziel stehen: Der Weg dorthin ist eigentlich schnuppe. 
  4. Lege für Dich fest, was wichtig ist, welche Punkte geklärt und festgelegt werden müssen und werde Dir als erstes darüber klar, was DU willst. Behalte dabei Dein Kind im Fokus.
  5. Suche den kleinsten gemeinsamen Nenner. Irgendwas, wo ihr vielleicht eine Übereinstimmung habt. Suche nach weiteren Gemeinsamkeiten. 
  6. Wenn Du merkst, hier gibt es keine Übereinkunft, breche ab. Gehe zum nächsten Punkt.
  7. Versuche immer, Streit zum umschiffen. Denke nur lösungsorientiert. Wenn es klar wird, dass es keine Lösung geben kann, lege den Punkt auf Eis und gehe zum nächsten.
  8. Lege alle Regeln schriftlich fest. Suche Die einen juristischen Mediator deines Vertrauens. Mache ein Casting: Klappere mehrere ab und treffe dann Deine Wahl.
  9. Achte bei dem Mediator oder der Mediatorin auf ein gutes Bauchgefühl: dass Du dich wohlfühlst und dass er/sie kompetent ist.
  10. Etabliere einen Elternvertrag mit Hilfe des Mediators: Lege in einem Vertrag verbindliche Regeln gemeinsam mit dem anderen Elternteil fest. Lege fest, was passiert, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Wenn der Vertrag fertig ist, lasst ihn von einem Gericht bestätigen, damit er bindend ist.
  11. Wichtig sind am Anfang: Umgangszeiten (inkl. Ferien, Feiertage, Geburtstage von Eltern und Kind, vielleicht auch Großeltern), Sorgerecht, Unterhalt, legt eine feste Kontaktzeit fest, in der ihr mit dem Kind telefonieren könnt, wenn es beim anderen Elternteil ist. Achte auch auf Ausnahmeregelung: Was passiert im Krankheitsfall? Wie werden die Ferientage aufgeteilt? Wie werden Probleme besprochen, welche Vollmachten z.B. für Pässe, Konten, Schule und Ärzte müssen vorbereitet werden …? Oder auch: In welchem zeitlichen Abstand sollen die Regelung überprüft und evtl. dem Alter der Kinder angepasst werden?
  12. Lege Deine Vorstellungen hierüber schriftlich fest und begründe sie kurz. Dabei sollte immer das Kind im Fokus stehen. Auch der andere Elternteil sollte das tun.
  13. Minimiere dabei die Kommunikation auf das Wesentliche. Und denke an Nr. 7
  14. Wenn es Differenzen gibt, schreibe auf, was gegen die Vorstellungen des anderen spricht. Mache es nachvollziehbar, bei erheblichen Gefahren brauchst Du Belege für Deine Einwände. Bleib bei den Fakten und fasse dich kurz. Lass Dich beraten, wenn Du das Gefühl hast, dass Du Dich unsicher fühlst. 
  15. Wenn es keine Einigung gibt, macht erstmal mit den nächsten Punkten weiter. Gliedere die Regelung in möglichst viele Teilbereiche auf.
  16. Setze für die Regelung mindestens 20 Stunden an. Wenn es schneller geht, um so besser. Meistens dauert es länger. Fange mit den einfachen Punkten an.
  17. Ein Kind ist kein Deal. Es wird nicht geteilt wie ein Schinken. Es muss sich wohl fühlen können. Der Geschlechterkampf zeigt sein hässlichstes Gesicht leider oft, wenn es um die Kinder geht. Habe immer Dein Kind im Blick. Ein Baby kann nicht beim anderen Elternteil übernachten, ein zehnjähriges Kind aber schon (es sei denn, es liegen Gewalt oder Missbrauch vor).
  18. Lass Dich nicht provozieren. Denke daran: Wer provozieren und mit miesen Tricks und Spielchen hantieren muss, hat nicht viel in der Hand und hat nicht das Kind im Blick. 
  19. Sei wachsam und setze deutlich Grenzen. Entkräftige sofort jede Lüge, die über Dich in Umlauf gebracht wird. Sage dem anderen Elternteil klar und deutlich, dass das nicht in Ordnung ist, dass es dem Kind schadet. Wenn es häufiger aber vor allem vorsätzlich passiert, notiere diese Vorgänge und sichere die Aufzeichnungen.
  20. Bedaure nicht Dein Kind. Damit machst Du es klein, auch wenn es vielleicht nett gemeint ist oder Du dich sorgst. Weder Du noch Dein Kind sind Opfer. 
  21. Vertraue Deinem Kind und darauf, dass es einen Weg findet, aber behalte einen realistischen Blick und sorge für guten Schutz und Sicherheit.
  22. Mache den anderen Elternteil nicht vor Deinem Kind schlecht – auch nicht non-verbal. Überprüfe Dich.
  23. Und wenn es doch mal passiert, entschuldige Dich. Stelle für Dein Kind klar, dass es ein Streit zwischen den Eltern bleibt und nichts mit ihm zu tun hat. Sage auch, dass Streitigkeiten von Zeit zu Zeit normal sin. Dass sich alle Menschen manchmal streiten, dass es zum Leben dazu gehört.
  24. Sei selbständig und zuverlässig. Halte Dich an die vereinbarten Regeln. Richte Deinen Fokus auf Dein Leben und Dein Kind, wenn es bei Dir ist.
  25. Verliere niemals Deinen Humor und Deine Liebe. Lasse sie Dir niemals nehmen. Sie sind der kostbarste Schatz in Deinem Leben.

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