Meine Vorbilder: Marlene Dietrich

Marlene Dietrich als junge Frau
copy: Screenshot by MAMA BERLIN

Drei Dinge, die wir von Marlene Dietrich lernen können: Gerechtigkeit, Glamour & Abenteuer.

Sie durchschaute die Männer wie keine andere, nahm’s mit Humor, provozierte mit Charme und machte das Beste daraus. Sie sagte Sätze wie: „Männer wollen immer nur ihr Ding reinstecken. Das ist alles, was sie wollen.“ Und nutzte den Umstand zum Selbsterhalt: „Femme fatale: Eine erwachsene Frau von einem gewissen Rang, von einer gewissen Weisheit, einer gewissen Kenntnis der Welt, in der sie lebt, eine Frau, die ihre Lebenserfahrung zu ihrem Vorteil zu nutzen weiß.“

Es liegt an Frauen wie Marie Magdalene Dietrich, die 1901 in Berlin-Schöneberg geboren und 1992 in Paris gestorben ist, dass Frauen heute Freiheiten genießen können, die nicht immer selbstverständlich waren.

Marlene Dietrich wuchs in gutbürgerlichen, eher links orientierten Verhältnissen und in einem starken Frauenhaushalt auf. Ihr Vater und auch ihr Stiefvater starben früh, die Mutter schilderte sie als streng, der eine gute Bildung ihrer Töchter wichtig war (Marlene und ihre ältere Schwester gingen in Berlin und Dessau zur Schule, besuchten beide das Gymnasium). Die Mädchen lernten Englisch und Französisch und Marlene begann eine Ausbildung zur Konzertgeigerin, die sie nach einer Sehnenentzündung abbrach und schließlich entschloss, Schauspielerin zu werden. Zum Glück für die Welt.

Zuerst tingelte sie als Varieté-Girl durch Deutschland, mit 21 Jahren bekam sie ihre erste Rolle am Großen Schauspielhaus (heute BE) in Berlin in „Der Widerspenstigen Zähmung“, das von einer Frau handelt, dich sich einfach nicht verheiraten lassen will … Marlene selbst heiratet mit 22 Jahren den Regieassistenten Rudolf Sieber, mit 23 wird sie Mutter einer Tochter, trotz Trennung bleibt sie bis zum Tod ihres Mannes verheiratet.

Die Verfilmung von Heinrichs Mann gefeierten Roman „Professor Unrat“, der unter dem Titel „Der Blaue Engel“ (1929/1930) Filmgeschichte schrieb, machte die Dietrich zum Star. Regisseur Sternberg (der Jonas mit Vornamen hieß, aber seinen Namen mit Josef von … pimpte) der sich in Marlene verguckte, inszenierte sie gekonnt (das muss man ihm lassen) doch war wütend, was er mit der typisch männlichen Herablassung überspielte, als seine „Schöpfung“, wir er die Dietrich sah, ihm bei Weitem übertrumpfte und er keine Kontrolle mehr über „sein Werk“ ausüben konnte.

Marlene konterte Sternbergs unreflektierten Besitzanspruch an ihre Person mit geschickt verpackter Ironie und dankte unaufhörlich „ihrem Schöpfer“, dem sie alles verdanke, was Sternberg noch wütender macht. Sie verglich sich und Sternberg mit Galatea und Pygmalion, der König von Kypros, der sich in eine von ihm geschaffene Elfenbeinstatue verliebte und die Liebesgöttin Aphrodite bat, seine Figur zum Leben zu erwecken und offenbarte damit ihre Sicht der Dinge.

Was ich an Marlene besonders liebe, ist ihre Schlagfertigkeit, ihre Leidenschaft vor allem in den jungen Jahren, diese Berliner Schnauze gemixt mit Eloquenz, Ironie, Intelligenz, Stärke, ihren Charme, den sie so glamourös inszenieren konnte und für ihre knisternde Kühle, die sie mit Selbstbewusstsein und Witz Männern aber auch vielen Frauen gegenüber an den Tag legte und die später als Coolness Furore machte. Aber auch der Beweis, dass es vor den Nazi-Ärschen in Deutschland etwas gab, dass frei, schlau, demokratisch-gerecht und gleichberechtigt denkend war.

Voller Verve und Elan als junge Frau, voller Gerechtigkeitssinn, Freiheits- und gespaltener Heimatsliebe in den mittleren Jahren. Ein mysteriöses, kapriziöses Tabletten- und Alkohol abhängiges Wrack im Alter, in einer Zeit als Menschen mit allen Schwächen und Stärken ihre Ecken-und-Kanten-Charaktere ausleben konnte und das auch taten.

Marlene Dietrich, Preußin durch und durch, charmanter und sexgeladenen Gegenentwurf zur deutschen Spießigkeit, Welt-Star, Vorzeige-Deutsche – noch heute taugt sie zur Ikone. Und dann diese Stimme …

Hitler, dem Marlene rechtzeitig entkommen war, nannte sie eine Hyäne und war dennoch ihr Fan. Als Front-Diva im Zweiten Weltkrieg kehrte sie in die Heimat zurück und sang für die Feind-Soldaten, was man ihr lange übel nahm. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis sie wieder einen Fuß auf deutschen Boden setzte. Sie blieb aber auch dann sich und ihrer kritischen Linie treu, sang es „durch die Blume“ und wurde mal wieder zur Legende:

Marlene, die leidenschaftliche Köchin, die Putzen und Stricken zur Kontemplation nutzte, das Leben und den Luxus genoss, aber sich nie sonderlich für Besitz interessierte, die die Kunst liebte, die Freiheit und vor allem die Liebe, die ihre kraftvolle Erotik mit kühler Melancholie mixte und sich ihrer narzisstischen Tendenzen humorvoll stellen konnte, wenn das intellektuelle Gegenüber es von ihr forderte, besaß die Kraft, es mit einer ganzen Kompanie Soldaten aufzunehmen und war in Hollywood und New York dafür bekannt, auch die größten Broadway-Stars untern Tisch zu trinken.

Ihre Tochter Maria Riva, die ihrer Mutter gemeinsam mit dem Vater Anfang der 1930er Jahre in die USA folgte und ein kluges, kritisches und ehrliches Buch über die Dietrich/ihre Mutter/ihr Vorbild/Konkurrentin schrieb, erbte den preußischen Verstand und Stolz, aber auch die schonungslose Offenheit der Mama …

Ich traf Maria Riva vor ein paar Jahren mal in Berlin, als sie ihr Buch vorstellte. Sie ist eine starke Frau und Dinge ehrlich beim Namen zu nennen, ist etwas, das auch die Dietrich immer ausgezeichnet hat:

 „Wenn man seine eigenen Fehler kennt, muß man nicht darauf warten, daß man auf sie aufmerksam gemacht wird; man ist auch nicht entmündigt, wenn man Kritik hört.“ Und:“ Wer zugibt, daß er Unrecht hat, beweist, daß er gescheiter geworden ist.“

 

 

 

0
More from Mamaberlin

Zweiter Teil des Interviews mit der Berliner Senatorin Kolat: „Ein umfassende Reform wäre sinnvoll“

Viele Solo-Mamas atmeten auf: Die geplante #Unterhaltsreform versprach endlich ein bisschen finanzielle...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.