Ich möchte mich mit meinem Ex vertragen – aber wie?

Giraffe GFK Hanna Bro
copy: pixabay

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Hanna Brodersen betreibt die Facebook-Gruppe „Gewaltfreie Kommunikation – Eltern sein“ und beantwortet bei MAMA BERLIN regelmäßig Eure ganz persönlichen Fragen. Mehr zu Hanna und Gewaltfreie Kommunikation im Interview.

Ihr habt auch eine Frage, die Euch unter den Nägeln brennt? Dann schickt mir eine E-Mail an moin@mamaberlin.org.

Der Vater meiner Kinder und ich haben uns vor vier Jahren getrennt, die Trennung ging von ihm aus, allerdings lief die Ehe schon lange nicht gut. Wir hatten danach einen großen Streit, es folgten Gerichtsverfahren. Irgendwann habe ich gemerkt, wie unsere Kinder darunter leiden und ich auch. Eigentlich möchte ich wieder eine Ebene mit meinem Ex-Mann finden. Aber ich weiß überhaupt nicht wie. Was kann ich tun?

Das rät Hanna: Ich denke, der authentische Selbstausdruck könnte ein Anfang sein. Wähle Worte, die bei Dir ansetzen: „Wenn ich an die letzten Jahre denke, dann werde ich total traurig! Ich wünschte, dass wir eine neue Verbindung herstellen können, die unsere Bedürfnisse nach Respekt und Wertschätzung erfüllen. Gleichzeitig bin ich so unsicher, wie das gehen kann.“

Frage ihn, ob er bereit wäre, Dir zu sagen, wie er die letzten Jahre erlebt hat und was er brauchen würde, um sich auf einen neuen Kontakt einlassen zu können. Achte dabei auch Deine Bedürfnisse: „Wärst du bereit mit mir nach Möglichkeiten zu suchen, wie es so gelingen kann, dass es uns beiden gut damit geht?“

Achtung: Möglicherweise wird es eine Herausforderung sein. Es könnte sehr gut sein, dass Vorwürfe und Schuldzuweisungen ausgesprochen werden, dass dir nicht  geglaubt wird. Versuche deutlich zu machen, dass es statt dessen darum gehen soll, die eigenen Verletzungen und die des ehemaligen Partners in Bedürfnisse zu übersetzen.

Wenn alte Verletzungen nicht geheilt sind, dann kann dies die eigenen Kräfte nahezu übersteigen. Darum kann es durchaus eine Strategie sein, zunächst die Unterstützung durch einen Mediator zu vereinbaren. Eine gute Selbstfürsorge kann vielleicht dazu beitragen, dass die einfühlsamen Ressourcen aufgeladen werden.

Ich gestatte mir Pausen. Ich muss nicht sofort reagieren. Was in mir lebendig wird, werde ich in erster Linie einfühlsam versorgen und auch auf Unterstützung von Freunden zurückgreifen.


 

Info: Gewaltfreie Kommunikation ist eine vollkommen andere Art der Kommunikation, als die, die wir meist kennen und praktizieren. Denn sie stellt nicht den Ausdruck des eigenen Willens in den Fokus, sondern zunächst einmal die innere Wahrnehmung: Was sage ich das gerade? Wie mag es wohl beim anderen ankommen? Was machen meine Worte gerade mit mir? Was löst die Reaktion meines Gegenübers bei mir aus?

Der GfK geht es nicht darum, den anderen zu einem bestimmten Handeln zu bringen, sondern eine Vertrauensebene aufzubauen, um ein Miteinander zu kreieren. Es ist ein entschleunigter Prozess des Redens und nicht für alle und auch nicht immer angebracht, birgt im Ganzen aber vor allem in ausweglosen Konflikten durchaus Potential.

Symbolbild der GfK ist die Giraffe: Ihr langer Hals symbolisiert den Überblick. Ihr großes Herz steht für Mitgefühl.

Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, kann hier ein Interview mit dem Begründer Marshall B. Rosenberg (1934 bis 2015) lesen.

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