Männermodelle, Teil 1: der konservative Mann

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Der konservativer Mann ist der Neandertaler unter den Männern und zeichnet sich vor allem durch sein archaisches Verständnis von „Männlichkeit“ aus, das stark mit Kampf und Kriegertum verbunden ist. Seine genetische Struktur verlangt von ihm das Jagen von Tieren und das Besiegen von Angreifern oder auch die militärische Eroberung.

In der demokratischen Zivilgesellschaft in denen es im Alltag meist nicht mehr viel zu kämpfen, zu erlegen und zu jagen gibt, orientiert sich sein Kampfgeist auf die Jagd nach den materiellen Statussymbolen, die der Kapitalismus hervorbringt. An seiner Seite begleitetet ihn ein materiell veranlagter Frauen-Typus. Seine Kampfbereitschaft verdeutlicht der konservative Mann durch seinen sprachlichen martialischen Duktus.

Männlich ist für ihn, wenn er andere rumkommandieren kann oder sagen, was Sache ist, dominant und selbstgerecht auftritt und sich für derjenigen hält, der den „Laden am Laufen hält“, letztendlich den „Arsch hinhält“ oder überhaupt der ist, der „Arsch in der Hose“ hat oder auch nur „die Hosen anhat“. Eben „ein Kämpfer“, „ein Entscheider“, „ein Macher“, „ein Alpha-Mann“, „ein Fels in der Brandung“. 

Der keine „Memme“ ist, der sagt „was Sache ist“, der einfach auch mal „die Klappe aufmacht“, der Dinge auspricht, die „unbequem“ sind. Der die „Grundwerte“ verteidigt, der nicht „die Augen verschließen“ kann wenn die „Grenze erreicht“, nein, wenn die „Grenze überschritten“ wird, der „dringend appelliert“ und nie zu feige ist, den Dingen ins „Auge zu sehen“.

Er ist aber sich gegenüber auch äußerst großzügig, bei all dieser „schweren Verantwortung, die auf den Schultern lastet“, dass Fehler passieren, „nobody is perfect“ und „wo gehobelt wird, da fallen Späne“. Aber weil er sich für den“geborenen Chef“ hält, ist sein Credo: „Weitermachen!“. „Zähne zusammenbeißen“ und „die Dinge anpacken“. Er ist sich selbst natürlich nie zu schade für „Drecksarbeit“, er hat sich oft „von unten hochgearbeitet“, er denkt sehr gerne in Hierarchien und kategorisiert die Menschen gerne in Gruppen, ob sie ihn nach vorn bringen oder einflusslos für seine Karriere sind. Das bestimmt dann die Art, wie er seinen Gegenüber begegnet.

Diese Männer, die ihren „Mann stehen“, können dann aber auch mal „Fünfe gerade sein“ lassen, die wissen, wie man „es ordentlich krachen lassen“, die „Sau rauslassen“, die „Luzi abgehen“ lassen kann, aber natürlich den Grundsatz verinnerlicht haben wie das „Vaterunser“: „Wer feiern kann, der kann auch arbeiten“. „Hängen lassen“ das ist was für Loser. 

Dieser Männer finden auch – und diese Ansicht ist fest in Beton gegossen -, dass ein Mann eine Familie versorgen muss. D.h. bedeutet im Umkehrschluss, dass die Frau zu Hause bleibt, anders könnte er auch keine Karriere machen.

Daher beharrt er auch auf seiner Ansicht, dass Männer und Frauen total unterschiedlich sind, „schon allein genetisch“ und von „ihrer Struktur“, dass Weiblichkeit „sanft“ ist, das Frauen das „schwache Geschlecht“ sind, aber besser aussehen als Männer, und sie geben gerne vor Frauen zu, dass hinter einem „starken Mann“ auch immer eine „starke Frau“ steht, die Kinder, Haushalt und Küche als „Familien-Unternehmerin managt“ und ein „Vorbild“ für die Kinder ist und „Traditionen“ bewahrt, die „Herrin im Hause“ ist und eine „ausgezeichnete Köchin“ und „vorbildliche Mutter“ ist.

Eine Frau ist in erster Linie „Mutter“ und „natürlich will jede Frau irgendwann Kinder haben“, anderes kann gar nicht sein, dann „macht sie sich doch was vor“. Eine Frau „braucht auch einen Mann“ und „verehrt ihn“ ansonsten ist sie eine „Lesbe“, ein Wort, das in seinem Kreisen einem Schimpfwort ähnelt. 

Diese Männer verstehen unter „emanzipiert“ „ehrgeizig“, daher sind ihnen die „Emanzen“ auch so ein „Dorn im Auge“. Sie wollen ihnen ihre Karriere-Grundlagen zerstören, Frauen unabhängig von den Männern machen und müssen mit „aller Macht bekämpft“ werden.

Noch schlimmer sind „die Feministinnen“ (außer die „aus Russland mit den nackten Brüsten, die schauen ja ganz gut aus“), denn die wollen die Männer „entmannen“.

Aber merke: Hinter jedem konservativen Mann steht ein konservatives „Schatzimausi“, die ihren Status über Machteinfluss und Kontostand ihres Ehemannes definiert, also die moralische Berechtigungsgrundlage liefert. 

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