FREE YOUR MIND – meine Lieblingsvorurteile

Hinter einem Vorurteil steht immer das Unvermögen aus seiner kleinen Welt über den Zaun zu schauen.

Es gibt sie zuhauf, diese Menschen, die denken: Es gebe EIN richtig und EIN falsch. Einfache Menschen. Oder wie es Voltaire so hübsch ausgedrückt hat: „Vorurteile sind die Vernunft der Narren.“

Fatal wird es, wenn sich viele zu einer Vorurteils-Gang zusammenraufen und die Dummheit Oberhand gewinnt.

Das Schöne: Wenn man Vorurteile auf Logik überprüft, fallen sie geräuschlos in sich zusammen wie Asche.

FREE YOUR MIND – hier meine Top-Vorurteile – auf Herz und Nieren geprüft … 

  1. Jede Frau will heiraten und Mutter sein – das ist das Schönste im Leben

Zum Glück nicht. Dann wären wir nicht 8 Milliarden Menschen sondern 585 Mrd. – mindestens.

2. Es ist wider die Natur, wenn Homosexuelle Kinder haben

Alexander der Große war schwul, hatte Kinder. Thomas Mann, Oscar Wilde, William Shakespeare, David Bowie, auch schwul, ebenfalls Väter. Josphine Baker war lesbisch und Mutter, genau wie Judy Garland, Marlene Dietrich, Simone de Beauvoir. Heute kümmern sich Elton John, Jodie Foster, Ricki Martin und Wolfgang Joop einen Kehricht um Spießer-Hirne. Und siehe da: Die Kinder sind ja ganz „normal“. Denn: Der liebe Gott ist nämlich auch schwul. Oder kann mir jemand das Gegenteil beweisen? Amen!

3. Kinder brauchen Mutter UND Vater!

Tja, wenn es so einfach wäre. Was ist denn, wenn einer von beiden prügelt – oder sogar beide! Wie entscheiden wir dann? Die meiste Gewalt erfahren Kinder im Elternhaus – körperliche, sexuelle, aber vor allem seelische. Brauchen dann Kinder weiterhin Mutter UND Vater? Da scheiden sich die Geister und wer will es beurteilen, was richtig, was falsch ist? Das Leben ist viel zu komplex … Adolf Hitler, Josef Stalin, Mao Zedong wurden in Familien groß. Es kann sein, es muss aber nicht, dass da Mutter und Vater was falsch gemacht haben. Es gibt Hinweise, dass eine schwere Jugend den Charakter verdirbt, doch die meisten schaffen es – trotz schwerer Kindheit – den tugendhaften Pfad einzuschlagen, ein Hang zur Aggression, viel Testosteron kann auch genetisch bedingt sein. In den Preppy-Familien der US-Ostküste lernen die Söhnchen von kleinauf krumme Geschäfte zu machen ohne mit der Wimper zu zucken, Arroganz als Erfolgstugend zu inhalieren, während Mama – frisch geföhnt – die innere Leere am teuren Lifestyle wärmt und mit scheinbarer Unschuldsmiene ordentlich  dabei mitmauschelt die Kinder zu herablassenden Arschlöcher zu erziehen. Georg W. Bush stammt aus so einer Familie, er hat Mutter und Vater, Barack Obama und Bill Clinton dagegen nicht so richtig … Wer ist jetzt der beste Präsident gewesen? Casanova hatte keine Eltern, Beethoven verlor früh seine Mutter, der Vater war ein Säufer und starb ebenfalls früh. Michael Jackson hatte Vater und Mutter. Und Jesus … – naja, s.o. So, und wie war das jetzt nochmal mit dem IDEAL?!

4. Die ist doch selbst Schuld, warum hat sie sich auch auf DEN eingelassen?

Ja, echt. Der hat doch das fette Schild auf der Stirn, wie wir ja alle, auf dem alle seine Fehler aufgelistet sind. Hat die sich die Gebrauchsanweisung nicht durchgelesen? Wieso verliebt die sich auch einfach? Das ist doch nicht so schwer: Sich beim Date einfach mal Führungszeugnis, Gehaltsabrechnung der letzten 6 Monate, Referenzschreiben der Ex-Freundinnen, Spermienqualität und bionomischen Fingerabdruck vorlegen lassen – dann passiert sowas auch nicht.

5. Man kann immer nur eine/einen lieben

Mmh. Die Weltliteratur spricht eine andere Sprache. Die Liebe. Eines der wenigen Dinge, die wir noch NICHT kontrollieren können. Während die Männer in den meisten Regionen der Welt (Afrika, islamische Welt) sich mehrere Frauen halten dürften, hat sich in den christlichen Räumen die monogame Ehe etabliert – allerdings gehen täglich mehr als eine Millionen Männer in den Puff – allein in Deutschland, Tinder nicht eingerechnet. Und lügen dann. Und die Frauen machen das natürlich genauso. Hoffentlich. Für die Balance. Ach, wir sprachen ja gar nicht über die Ehe. Sondern über die Liebe. Und lieben können wir natürlich grenzenlos, so viel, so unterschiedlich und so lange wie es geht.

6. Alleinerziehende sind alle unglücklich, in Wahrheit suchen sie alle einen Mann

Evolutionär ist der Mensch ein Rudellebewesen. Gemeinschaft ist für unser Überleben nicht so wichtig, wie Luft, Nahrung und Bewegung. Isolation halten wir aus, aber auf Dauer macht sie seelisch krank. Das gleiche gilt für körperliche Nähe und Vertrautheit. Allerdings ist der Mensch sehr viel anspruchsloser, als manche glauben. Wir sind auf soziale Kontakte konditioniert und können eigentlich fast mit allen Menschen – wenn wir wollen. Was uns abhält sind – genau – Vorurteile oder auch Erwartungen, die zu Konflikten führen. Was Menschen eigentlich auch gut können: Wenn ein Kontakt wegfällt, können wir ihn ersetzen. Daher fahren Menschen mit einem großen Freundeskreis und einer grundsätzlichen Aufgeschlossenheit anderen gegenüber gut. Was wir brauchen ist: Nähe, Freundschaft, Hilfsbereitschaft. All das KANN ein Mann sein, muss aber überhaupt nicht (und ich meine damit nicht lesbische Frauen), wir können, wir dürfen uns auch mehrerer Personen bedienen!

7. Frauen sind naiv

Es gibt naive Frauen, denn vielen wurde auf naives Weibchen konditioniert. Es ist signifikantes Merkmal der Unterdrückung von Frauen, dass sie als unflektiertes Wesen ans Haus gebunden werden, keine Fragen stellen, keine Meinung entwickeln dürfen – denn das nervt ja nur und ist so anstrengend. Und fürs Kinderkriegen braucht man eh keinen Schulabschluss. Viele Männer und Frauen sind leider auch heute noch – wenn auch in der abgespeckten Version – in dieser schrecklichen Denke gefangen. Aber ich sehr einen fetten weißen Streifen am Himmel. Angela Merkel ist vieles, aber ganz bestimmt nicht naiv! Und Madonna auch nicht.

8. Männer und Frauen passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte

Äh. Doch. Genau wie dick und doof, reich und schön, clever und smart, Humpty und Bumpty.

9. Muttersein ist total anstrengend

„Hilfe, ich muss noch zum Friseur, dann mein Kind von der Kita abholen und heute abend noch kochen! Und mein Sohn macht gerade gar nicht, was ich will. Außerdem habe ich meinen Dispo überzogen, ich wollte doch noch den Tisch im Kinderrestaurant reservieren, das Auto muss in die Werkstatt. Ach, und den Töpferkurs von Julie noch überweisen. Arrrrggggh! Ich bin am Rande des Nervenzusammenbruchs!!!!!!!!!!“ Ja, echt anstrengend, Mutti, vor allem DU!

10. Männer wollen sich gar nicht um ihre Kinder kümmern, das sollen die Mütter machen

Wenn man denkt Männer = verantwortungsvolle Scheißkerle dann ja, für alle anderen: nein.

11. Männer können keine Unterhosen waschen und Frauen keine Eier ausblasen – etc. 

Es ist schon erstaunlich, dass das Witzebuch „Männer sind vom Mars und Frauen von der Venus“ für ein Sachbuch gehalten wurde. Verkaufstrick des Jahrhunderts. Respekt.

12. Alle Männer wollen immer nur Sex

Schön wär’s. Dann könnten wir uns Frauen an die Bar stellen, wenn wir Lust haben und einfach sagen: „Du!“ Obwohl, manchmal klappt es ja sogar. Vielleicht ist an dem Vorurteil also doch was dran …

13. Frauen wollen immer nur Sex

Absolut richtig.

 

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2 Comments

  • Gut geschrieben!
    Was aber auch so richtig an die Substanz einer Familie gehen kann, ist, wenn sie nicht allen blöden Vorurteilen entspricht.
    Aus persönlicher Erfahrung: wird die Familienarbeit tatsächlich 50/50 geteilt, ist der Mann ein Held und die Frau eine karrieresüchtige, geldgeile Selbstdarstellerin und Rabenmutter (das ist eher ein Kompliment), die nicht genug zu tun hat…
    Also ehrlich, der Mann steht bestimmt unterm Pantoffel, für seine Männlichkeit ist es unabdingbar unbedingt auf den Tisch zu hauen…
    Es ist sehr schwer für eine Familie, das ständig zu hören und vor allem subtil zu spüren. Selbst vor der Beeinflussung der Kinder in Abwesenheit der Eltern wird nicht halt gemacht!

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