Du bist Familie!

Auch eine Mutter ohne Ehemann ist Familie

Es gibt sie noch. Die Frauen, die denken, es gibt Frauenarbeit: Küche, Kinder, Klamotten und Einrichtung.

Und es gibt Männerarbeit: alles, was mit Geldverdienen zu tun hat, Handwerksarbeit, Autofahren.

Frauen sind beim Sex eher schüchtern, treu, naiv und zart, Männer sind beim Sex aktiv, fordernd, dominierend, zupackend.

Und es gibt die anderen, so wie mich, die sagen: BULLSHIT. Rumgesprochen hat sich das aber noch nicht so, würde ich tippen.

Denn wenn wir so denken, dann kommen wir nicht weiter. Dann gibt es ja nie das, was die meisten dann ja doch wollen: die GLEISCHBERESCHTIGUNG, rischtisch!

Denn wenn man die versteht, wie sie gemeint ist – also nicht gleich im Sinne von Gleichmacherei, sondern im Sinne von gleichen RECHTEN, also größtmögliche Entscheidungsfreiheit, größtmögliche Chancengleichheit – egal wat fürn Geschlecht, Hautfarbe oder Schuhgröße – dann müssen wir uns erstmal frei machen, von Kategorien, die genau dieser Gleichberechtigung im Wege stehen. 

Das komische: Leider wollen viele Menschen immer noch nicht selbstbestimmt leben. Sie wollen jemanden, der ihnen sagt, was sie zu tun haben, wie die Regeln sind. Sie wollen so etwas wie eine Leitlinie, einen Lebensführer, einen Verantwortungsübernehmer.

Das wollen sie natürlich nicht WIRKLICH. Sie haben nur Angst. Die Angst kommt von einer Erziehung, die von Angst geprägt ist, die wiederum historisch bedingt, auf Grund von Misstrauen und das Vermeiden von Risiken angelegt ist, die wiederum auch etwas mit den schrecklichen Kriegen zu tun hat, die Europa die letzten Jahrhunderte überzogen hat und einem alten Clan-Denken, aus Zeiten, in denen es keine Sicherheit, kein Rechtssystem, keine Mitbestimmung und keine Polizei, in einer Zeit, in der sich Menschen in der Regel selbst schützen mussten und in der die Familie als einzig sicherer Hort galt – gegen das Fremde, das Bösen da draußen, vor dem Burgtor… 

Es gibt heute in der Regel keinen Grund zum Misstrauen und falls uns doch etwas zu stoßen sollte, haben wir die Möglichkeit Anzeige zu erstatten, die Hilfe eines Rechtsapparates in Anspruch zu nehmen, der ein Interesse hat, für Gerechtigkeit zu sorgen. Im Gegenteil: Selbstjustiz ist in Deutschland unter Strafe gestellt und das ist auch gut so!

Aber dennoch ist unser Denken von Misstrauen und Abhängigkeitsdenken geprägt: „Frauen sind so einfühlsam“. „Männer wissen, was sie wollen“. „Frauen können einfach besser mit Kindern“. „Männer setzen sich einfach besser durch“. „Ach, die Männer!“. „Warum Frauen immer so kompliziert sind…?!“. 

Und auch im Bezug auf Familie haben wir ganz schön überholte Vorurteile: „Blut ist dicker als Wasser“ oder „niemand liebt dich so, wie deine/r Mutter/Vater“ oder „nur der Familie kannst du vertrauen“. Das ist ja umso schräger, als wir ja auf Grund der Psychotherapie wissen, wie zersetzend gerade Familie auf die eigene Seele einwirken kann – im schlechtesten, aber auch oft im normalen Fall.

Noch immer ticken die Menschen – so merkwürdig es klingt – nach diesen inzwischen doch vollkommen überholten Grundsätzen, denn wir sind einfach gestrickt, wir hinterfragen uns meist nie, wir spulen aufgespielte Programme ab.

Doch wenn wir nicht leben wollen wie ein Tier, dann sollten wir unseren Verstand, der uns zu Menschen macht, nutzen und einmal überlegen, ob so wie wir leben, der uns und unseren Fähigkeiten gerecht werdende Weg ist.

Die Hoffnung macht mir die Zukunft. Wenn ich von meinem Umfeld der 30-, 40-, 50-Jährigen zu den jungen Menschen schaue, dann sehe ich da einen enormen Wandel. Zum Glück. Nicht nur, dass sie mit Geschlechterrollen viel spielerischer umgehen, es scheint ihnen einen Bedürfnis, Stereotype zu brechen. Sich davon zu befreien. 

Denn letztendlich geht es um die Freiheit, ein Leben so zu führen, wie es der einzelne für sich als richtig empfindet (in moralischen Grenzen, andere nicht zu behindern).

Was mich sehr freut, ist dass Familie auch hier ein viel erweiterten Gestaltungsrahmen erfährt: Statt NUR Mann-Frau verheiratet und Kind(er), ist für die junge Generation zwischen 20 und 39 Jahren alles Familie, was mit Kindern zu tun hat und das betrifft uns ja alle, wir bleiben ja auch immer das Kind unserer Eltern, auch wenn wir selbst keine haben. Auch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung kam in einer umfassenden Befragung zum selben Ergebnis.

Warum sich dennoch nicht das Familienbild politisch und rechtlich ändert in Deutschland liegt an den alten Knorzköppen, die sich in ihrer Tradition verbissen haben und nicht ihr langgepflegtes Weltbild auf den Kopf gestellt wissen wollen, nach dem Motto: „Da hat man jetzt so lange die Zähne zusammengebissen, und jetzt kommen da diese jungen Leute und wollen es alles anders machen …“

Ich glaube dennoch daran, dass die Freiheit genau wie die Liebe immer das letzte Wort hat: Das ist mein Ansatz und daher lautet mein Spruch: Du bist Familie! Wir alle sind Familie.

Wir alle sollten uns verantwortlich für die Zukunft fühlen. Und sollten sie verantwortungsvoll mit Leben füllen, sie gestalten und alle Menschen dazu animieren, die Chancen zu sehen, nicht die Hindernisse und die Selbständigkeit und Unabhängigkeit aller Menschen gewährleisten, aber sie auch dazu animieren.

Denn das sich selber ausbremsen, dass sehe ich doch bei vielen … 

Scheiß auf die Ehe. Wer will, soll heiraten. Dass er damit aber besser gestellt wird, als andere, die sich genauso kümmern, ist, genau: BULLSHIT.

 

 

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