Wer hat Angst vor Veränderung?

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Es ist ja so, dass die meisten von uns ein Bild im Kopf haben, wie die Dinge zu laufen haben.

Man muss pünktlich sein. Man darf nicht schmatzen. Man darf nicht „Scheiße“ sagen. Man darf die Leute nicht dutzen. Man darf nicht „man“ sagen, das ist nicht gender.

Eine Mutter hat so und so zu sein und ein Vater so und so. Das, findet Jochen König in seinem Post „Warum das Vatersein vor mir beschützt werden muss“ sei aber in Wirklichkeit nur ein Grund, alles so zu lassen, wie es ist. Sprich: Weiterentwicklung blockieren.

Er hat total recht. Allerdings: Es ist leider auch ein Zeichen von begrenztem Intellekt. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Masse sich meistens strikt weigert, sich weiterzuentwickeln. Man schafft allerlei Angebote, man erklärt und warnt und zeigt die Konsequenzen auf – und am Ende lesen die Muttis doch lieber die „Vogue“ und die „Gala“ und kaufen lieber Klamotten und Make-up als Bücher. Und die Vatis gehen nicht in Elternzeit, stehen nicht nachts auf und sehen sich als Ernährer.

Veränderung macht vielen Angst. Komisch eigentlich. Aber Weiterentwicklung bedeutet immer, dass wir über uns nachdenken, dass wir unsere Muster hinterfragen und dass wir neue Ziele definieren. Schwer ist das eigentlich nicht, wenn man einmal begriffen hat, wie es geht.

Warum tun sich die Menschen mit Veränderung so schwer?  

  • Sie wissen nicht was das überhaupt konkret heißt.
  • Sie verstehen den Begriff nicht.
  • Sie können sich nicht vorstellen, wie das gehen soll.
  • Sie haben sich in ihrer Welt eingerichtet und sehen kein Grund zur Veränderung.
  • Es ist ihnen zu anstrengend.

Aber Gott-sei-Dank ist das ja nicht alles. Gebe es keine Weiterentwicklung würden wir heute nicht Menschen sein, sondern Primaten auf Bäumen oder auch nur Amöben oder noch nichtmal das. Evolution ist Weiterentwicklung und wie nimmt sie normalerweise ihren Anfang? Durch Eliten.

Kleine, feine Eliten, die mehr Gespür, mehr Intellekt, mehr Kreativität besitzt, die Notwendigkeiten erkennen, mit neuen Lebensweisen (Demokratie), neuen Erfindungen (Buchdruck) um die Ecke kommen, die die Menschen in den Bann ziehen, weil sie die Bedürfnissen der Menschen besser befriedigen. Oder wie Victor Hugo so schön gesagt hat: “Nichts kann eine Idee aufhalten, deren Zeit gekommen ist.”

Doch erst wenn der „Tipping Point“ erreicht ist, an dem es dann auch die Schwerfälligen, Ängstlichen und auf Sicherheit und Materialismus ausgelegten Leute – also der Mainstream – begriffen haben, ändert sich wirklich was. Das dauert meistens ein paar Jahrzehnte. 

Jochen ist ein Mann/Vater, der ganz klar den Fortschritt vorzieht, wenn man darunter versteht, sich ziemlich wenig um Stereotype, Tradition und Normen, die von außen vorgegeben werden, zu kümmern, sondern einfach das macht, was ihm selbst gut tut, was sich richtig anfühlt.

Ich bin eine Frau/Mutter, die das auch so sieht. Aber ich weiß auch, ich bin (noch) so ziemlich allein auf weiter Flur. So wie Jochen wegen seines Alternativ-Programmes kritisiert wird, werde ich attackiert, wenn ich z.B. darüber schreibe, wie seltsam unsere Gesetze sind, da sie Frauen und Mütter nur belohnen, wenn diese verheiratet sind und zudem anderen Menschen verbieten zu heiraten (wenn sie das gleiche Geschlecht haben) oder Alleinerziehende die günstige Steuerklasse aberkennen, sobald sie mit jemanden zusammenwohnen, aber Verheiratete steuerlich begünstigen, wenn sie zusammenwohnen, dann muss ich mir anhören, ich schreibe aus Frust. Und Dutzende Muttis klicken „I like“ … Häh??!

Wir gehen mal kurz zurück: Die Ehe wurde eingeführt, in Zeiten, in denen es der Frau per Gesetz untersagt war, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Der Mann wurde verpflichtet, die Frau zu versorgen. Es wurde per staatliche Einrichtung ein Abhängigkeitsverhältnis geschaffen.

Ich verstehe nicht, wie man als Frau DAS toll finden kann. Aber es gibt da so einen Schlag Frau und der ist sehr, sehr, sehr verbreitet, der steht darauf. Die findet Muttersein ist ein Beruf und Vati der Chef. Und die Hochzeit der schönste Tag im Leben einer Frau, dann hat man endlich Männe „unter die Haube gebracht“ und hat alles „in trockenen Tüchern“. Und es gibt viele Männer, die stehen darauf, ein Frauchen zu Hause zu haben, die putzt, die kocht und die macht, was man ihr sagt, auch im Bett. Wenn diese beiden Typen zusammenkommen, wird alles gut.

Wirklich? Natürlich nicht. Es ist würdelos. Es macht depressiv. Daher nehme so viele Frauen Beruhigungsmittel, daher gehen so viele Männer in den Puff. Daher leiden so viele Kinder an der Enge und den Familienlügen, die ihnen die Erwachsenen, Eltern (also wir) erbamungslos aufdrücken. 

Im Moment leben wir in einer Zeit, in der, wenn die Zukunft uns als Geschichte betrachtet und zurückblickt über uns sagen würde: „Das war so krass, als die die Aufgaben nach Geschlechtern aufgeteilt haben. Und Männer dachten, sie sind nur ein Mann, wenn sie das und das machen, und Frauen, wenn sie so und so sind.“

Wir sollten daher anfangen, mehr zu hinterfragen. Dann wird einem so manche Merkwürdigkeit bewusst.

Ich fang mal an: Das erste, was Behörden, Arbeitgeber, aber auch Freunde und Familie über einen fremden Menschen wissen wollen, ist das Geschlecht. Nur: wozu? Wir separieren uns nach Geschlechtern. Aber das ist Nonsense. 

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