Brave New World Oder: Wie viele von uns Eltern wollen Veränderung?

Brave New World von Aldous Huxley

Der virile Malte Welding hat vor zweieinhalb Jahren in der Berliner Zeitung über den Geschlechterkrieg im Familienleben geschrieben und der Artikel könnte auch von heute sein. Vor allem ist Welding aber ein guter Prototyp Mann.

Damals war er seit sechs Monaten Vater und wenn man seinen Text liest, gehört er nicht zu den „neuen Vätern“, die es meiner Meinung nach sowieso überhaupt nicht gibt. Darin sind Welding und ich uns übrigens einig. Ein schlechter Vater scheint er aber deswegen keineswegs zu sein (Mich würde sehr interessieren, wie er heute zu seinem Text von damals steht) …

Nicht (ganz) zustimmen kann ich ihm bei diesem Punkt: Die Politik würde immer noch versagen, wenn es darum geht, Gleichberechtigung in Familien- und Arbeitsleben zu unterstützen. 

Das Problem, was ich sehe, ist nicht „die“ „Politik„, die ja in einer Demokratie immer nur Ausguss des Massenwillen ist, sondern bei uns Eltern selbst (scheint er ja auch schon zu wissen): Viele wissen gar nicht was Gleichberechtigung heißt. Viele haben sich auch nicht einen Furz Gedanken darüber gemacht. Oder sie denken Gleichberechtigung ist ein Schreckgespenst in lila Latzhosen, das Männern die Pimmel abbeißt. Natürlich spricht man von Politik, aber Politiker selbst können ja nur etwas ändern, wenn sie die Mehrheit dazu haben. Und was ich mich frage: Habe Sie die?

Wieviele von uns Eltern wollen Veränderung?

Viele haben noch nicht einmal eine Ahnung, dass sie ihr Leben SELBST GESTALTEN können, noch die nötige Kreativität oder Motivation dazu. Sie funktionieren und spulen ihnen aufgeschriebene Programme ab – und jammern, wenn diese Programme nicht zum Erfolg führen. Dass sie sich selbst auch neu programmieren können, das wissen sie nicht.

Oder das wollen sie nicht wissen. Ist ja anstrengend. Dann muss man erstmal analysieren, woher man kommt, was einen geprägt hat, warum man z.B. denkt, Pünktlichkeit ist das A und O im Leben, warum man sich anzieht, wie man sich anzieht, warum man die Partei wählt, die man wählt, warum man seine Wohnung einrichtet, wie man sie einrichtet und warum man immer tut, was der Chef sagt (oder eben genau nicht).

Warum man seinen Partner anlügt, warum man sich nichts anmerken lässt, warum man nicht sagt, dass man etwas richtig Scheiße findet. Oder warum man nicht sagen kann, worauf man im Bett wirklich steht oder warum man das noch nicht mal weiß und warum man sich hat vorschreiben lassen, wie die eigenen Sexualität/Lebensweise/Liebe/Erziehung zu laufen hat – und woher überhaupt diese ganze, verdammte Unsicherheit kommt.

Und natürlich, was man denn nun will: SICHERHEIT oder FREIHEIT? Denn beides geht nicht. Aber das würde auch ein hohes Maß an Selbstverantwortung bedeuten. Und viele schmerzhafte Einsichten. 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Mehrheit der Menschen, das NICHT möchte. Sie möchten lieber, dass das andere machen und ihnen Lösungen präsentieren, die sie dann kritisieren können.

Doch das oben genannte wäre zumindest ein Weg, um Antworten zu finden auf die große Frage: Wie muss denn eine gerechte Gesellschaft aussehen? Wenn wir die haben, dann könnten wir auch loslegen … Das könnte eine Verbesserung sein. Zumindest eine Zeitlang. 

Bis dahin kann es jeder für sich schon mal versuchen!

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