Neue, alte Sorgen zum Thema Wechselmodell – erster Teil

https://pixabay.com/de/h%C3%A4nde-erreichen-angebot-kinder-1022028/

Ich bin von Carola Fuchs, die in ihrem Buch sehr detailliert den Trennungsprozess aus Muttersicht und mit einem kleinen Kind beschrieben hat, gebeten worden, über das Thema Wechselmodell zu schreiben. Sie mache sich Sorgen …

Eigentlich bin ich ein wenig müde, es ist dazu alles gesagt und geschrieben und eigentlich (vorerst) entschieden worden. Aber sie wies mich auf ein paar Dinge und hin und es gibt tatsächlich Grund, das Thema nochmal aufzugreifen und ein paar Dinge deutlich zu machen.

Zum einen hat sich das eher unbedeutende Gremium der Parlamentarischen Verfassung der EU dem Thema gewidmet und kam zu einem Beschluss, der doch sehr vom Lobbyismus der sogenannten Väterrechtler durchtränkt ist und von denen der Beschluss im Anschluss auch eifrig samt Kommentierung gepostet wurde …

Die Seilschaften der Väterrechtler

Ich bin immer wieder verwundert, wie diese Gruppe von ziemlich Gestrigen, die inzwischen den Charme einer Kegel-Stammtischtruppe aus Niedergörlitz (nichts gegen diesen Ort, ist bestimmt total schön dort) hat, doch relativ viel Einfluss nehmen kann. Aber sind vielleicht auch so alte Seilschaften?!

Die EU-Mitarbeiter in Strassburg nehmen Bezug auf das Cochemer Modell. Die Idee ist nicht verkehrt, war es doch einst in der Stadt an der Mosel, eben Cochem, der Versuch, die Eltern im Trennungsfall zu selbst erarbeiteten Lösungen zu bewegen, statt einen Richter von „oben“ entscheiden zu lassen.

Allerdings ist es zu einer Zeit entstanden, anno 1992, in der andere Gesetze, andere Verhältnisse bestanden. In meinen Augen ist es total überaltet, aber vielleicht fällt ihnen einfach nichts besseres ein.

Die konservative Welt unter der Handschrift der beflissenen Sabine Menkens, hat sich dann letzte Woche auch dem Thema gewidmet und auch hier vor allem, nein, ausschließlich den Väterrechtlern Stimme gegeben. Ich weiß nicht ob es Zufall ist oder ein subtiler Hinweis, aber auch das Aufmacher-Bild ist identisch mit dem einer einschlägigen Vaterrechts-Organisation, die sich hier stark machte. Ich wollte das nur mal erwähnt haben …

Wechselmodell-Propaganda

Die zweite Sorge von Carola galt den Veranstaltungen zum Thema Wechselmodell, die vor allem von einigen politischen Lokal-Funktionärinnen angeboten werden und die so ein wenig an olle Propaganda-Abende erinnern, weil sie Neutralität vorgaukeln, aber  eigentlich ganz gezielte Meinungsmache sind:

>>> EU-SPD-Abgeordnete und Grund- und Hauptschullehrerin Maria Noichl aus Rosenheim und München lädt z.B. zum Infoabend, aber geladen sind nur die üblichen Verdächtigen der Väterrechts-Fraktion.

>> Noch doller treibt es die eh schon vielen leidige Bezirksstadträtin und ehemals SED-Abgeordnete Christine Keil aus Berlin, die auch Jugendamtsleiterin des Jugendamtes Pankow ist, das im Vergleich zu den anderen Jugendämtern der Hauptstadt einen ziemlich miserablen Ruf genießt. Sie lässt im Amt eine Fachtagung organisieren, zur der sie ausschließlich hartgesottene Vaterrechts-Kontakte bemühte.

Kann man ja machen, muss man dann aber auch so nennen – alles andere ist entspricht nicht den basisdemokratischen Anforderungen von heute, zu der eben auch Transparenz gehört. 

Tradition oder Doktrin? 

Aber um sich nicht in Details zu verheddern … Die GROSSE FRAGE IST: Was passiert mit den Kindern nach einer Trennung und wie positioniert sich der deutsche Rechtsstaat? Im Groben gibt es da zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit a): Ausschlaggebend ist die jeweilige gelebte Familientradition. z.B. wenn die Frau die letzten Jahre zu Hause war und sich um Haushalt und Kinder gekümmert hat, dann bleiben die Kinder auch nach einer Trennung weiterhin hauptsächlich bei der Mutter. Wenn es umgekehrt war, bleiben sie hauptsächlich beim Vater. Wenn sich schon immer BEIDE gekümmert haben, dann bleibt es auch dabei und BEIDE sind zu gleichen Teilen verantwortlich.

Oder

Möglichkeit b): Bei einer Trennung werden die Karten grundsätzlich neu gemischt und die Kinder werden immer 50/50 geteilt – Widerspruch möglich, aber relativ aussichtslos. Beiden Eltern steht die gleiche Umgangszeit per se zu, egal wie die Verhältnisse vorher waren und egal, wie viel Widerspruch sich regt.

Morgen kommt der zweite Teil: Warum die Lebensrealität entscheidend ist. 

0
More from Mamaberlin

Die SexTanten kommen! Fragt uns alles! Let’s talk about it.

Ab morgen und dann jeden zweiten Samstag beantworten wir Euch Eure Fragen...
Read More

5 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.