Man will es allen recht machen und macht es nicht recht

In der Erziehung von Kindern muss immer derjenige mehr leisten, der sich mehr verantwortlich fühlt. Im Idealfall ist das Maß an Arbeit und Verantwortung zwischen den Eltern ausgeglichen – auf welche Art auch immer. Ob nun im traditionellen oder paritätischen Modell oder oder oder …

Wenn es nicht ideal läuft, bleibt die Erziehungsarbeit meist bei den Müttern hängen. Bislang scheint es nach einer Trennung in den meisten Fällen doch weiterhin so zu sein, dass die Kinder eher bei der Mutter sind und dort bleiben. Die groß postulierte Gleichheit scheint sich hier nicht durchzusetzen. Mal sehen, ob da noch was in Bewegung kommt und ob die Menschen das dann überhaupt wollen …

Ich bin noch skeptisch, ob das neue Familienrecht und die Reform daran wirklich etwas geändert hat, ändern wird und ob uns das gut tut.

Ich bin gespannt, ob das System aufgeht. Im Moment glaube ich, es führt eher dazu, dass Frauen sagen: Karriere ja, Kind eher nein, wenn dann später. Aber ich will mich nicht aus dem Fenster lehnen. Wir sprechen uns in 40 Jahren ; ).

Im Moment führt die Familienreform allerdings klar zu einem: Weniger Kinder und zu einer Vermehrung von Armut der Alleinerziehenden und deren Kinder. Die meisten Väter zahlen keinen Unterhalt, Väterrechtler postulieren das pauschale Wechselmodell, der Umgang des Kindes soll 50/50 aufgeteilt werden – egal unter welchen Umständen.

Doch das wollen die meisten Mütter nicht. Ganz einfach: Es bringt oft Nachteile und es funktioniert nur in eine Richtung. Wenn der Vater die Hälfte des Umgangs will, kann er den einklagen, wenn aber beispielsweise die Mutter will, dass sich der Vater hälftig kümmern soll, hat sie keine Möglichkeiten. Eine Strafe für Eltern, die sich nicht kümmern, gibt es nicht.

Daher führt das Gesetz in der Praxis zu einer Abhängigkeit vom Willen des Vaters. Will er, muss sie das hinnehmen, will er nicht, muss sie sehen, wie sie klarkommt. Hier mit dem Wohl des Kindes zu argumentieren ist meines Erachtens fadenscheinig. Darum geht es nicht. Es geht um Mütter- und Väterrechte. Der Geschlechterkampf zeigt sich hier mit seiner fiesesten Fratze: im Kampf um die Kinder. Wer das immer noch nicht begriffen hat, dem helfe Gott. 

Es wird sich von Fall zu Fall um Verschiedenes gestritten, mal, weil der eine sich mehr kümmern, weil sie sich weniger kümmern soll und umgekehrt. Es wird Verantwortung abgelehnt, eingefordert, aufgerechnet, gegengerechnet und immer hat nur einer Recht.

Solange sich einer der Elternteile als Verlierer sieht, hört der Kampf meist nicht auf. Solange einer denkt, er muss jetzt noch sein Ziel erreichen, geht es immer weiter. Unser System von Jugendämter und Gerichten und vor allem der Anwälte feuert die Kämpfe oft gehörig an und die Beteiligten verdienen ganz gut dabei. 

Was auch unter den Tisch fällt: Die Erziehung eines Kindes ist nicht nur die Betreuungszeit. Auch sie seelische Komponente ist sehr wichtig. Wenn ein Kind zwischen zwei Elternteilen, die es in der Regel beide liebt, hin- und herwechselt wird, die ihm jeweils andere Werte vermitteln, verunsichert das die Kinder. Kinder haben in den jungen Jahren nicht die Möglichkeit, zu reflektieren. Es macht sie schwach, statt stark. Ganz zu Schweigen vom Stress, der den ständigen Ortswechsel ausmacht oder das Gefühl sich für einen Elternteil entscheiden zu müssen, Dinge nicht sagen zu dürfen, sich nur geliebt fühlen, wenn man den anderen Elternteil ablehnt oder ihn niedermacht.

Diese tiefgreifende Problematik wird zu Gunsten des Elternproporz zzt. unter den Tisch gekehrt. Auch das ist einer kurzfristig denkenden Politik geschuldet. Man will es allen recht machen und macht es nicht recht.

Und: Wenn ein Elternteil gewalttätig ist, gibt es keinen Schutz mehr für Frau und Kinder. Nach der alten Rechtsordnung konnten Mütter gehen und ihre Kinder bei sich behalten. Nach der neuen Rechtsordnung geht das nicht. Auch gewalttätige Väter haben das Recht auf Umgang mit ihren Kindern. Aber gewalttätige Mütter auch, nur gibt es diese nicht so häufig, zum Glück.

Mal sehen, ob sich bei der nächsten Reform (wieder) die Männer oder (dieses Mal) die Frauen, die ja die Kinder bekommen (müssen), durchsetzen werden. Die Kinder werden ja leider nicht gefragt …

Dustin Hoffman erhielt für seine Rolle in „Kramer vs. Kramer“ den Oscar. Der Film erschien 1979 in den USA – vor 36 Jahren.

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