Die Primaten unter den Müttern

Es ist für eine 30-jährige Akademikerin in New York wahrscheinlicher Opfer eines Terroranschlages zu werden, als einen Mann zu finden, der sie heiratet, schrieb die „New York Times“ nicht lange nach dem 11. September. Und formulierte damit einen alten Grundsatz leicht zynisch um: Bildung ist die beste Geburtenkontrolle (wobei dabei nicht die Bildung des Mannes gemeint ist). Oder auch etwas einfacher: Dumm f… gut.

Wir haben vor allem in Deutschland mit einem sehr hohen Bildungsgrad von Frauen zu tun, der inzwischen, blickt man auf die letzten Abitur-Jahrgänge, den der Männer überholt hat. Es machen 2015 mehr junge Frauen und vor allem mit besseren Noten Abi als junge Männer.

Was heißt das für die Zukunft? Noch weniger Geburten? Meines Erachtens gibt es drei Möglichkeiten für die German Mama in future, die ihr ein gutes Leben als Mutter ermöglichen. Ich zeige mal auf: 

a) Die gut ausgebildete, intelligente, deutsche Frau bekommt irgendwann Lust aufs Kinder kriegen. Und sagt sich: Kinder ja, aber Erziehung und Haushalt NEIN! No way. Kann ich nicht, will ich nicht. Dann braucht sie einen Mann, der zu Hause bleiben will und kein Problem hat, wenn die Frau mehr Geld nach Hause bringt. Oder: Kindermädchen.

b) Die gut ausgebildete, intelligente, deutsche Frau bekommt irgendwann Lust aufs Kinder kriegen. Und sagt sich: Kinder ja, aber den Stress mit dem Typen, die Spießigkeit, das ganze Kompromisse schließen, Eheweibchen-Gedöns und auf-einander-Gehocke ist mir viel zu doof. Ich will meine Freiheit und bekomme das alles auch alleine hin. Und wenn der Vater sich auch einbringen will, ist doch super! Kinder können doch auch zwei Zuhause haben, Hauptsache sie werden geliebt.

c) Die gutausgebildete, intelligente, deutsche Frau bekommt irgendwann Lust aufs Kinder kriegen. Und sagt sich: Kinder ja und mit dem Beruf? Ach, jetzt habe ich doch all die Jahre schon so viel für die Karriere getan, mein Mann verdient bombig, was soll’s, jetzt mache ich nur noch auf Mama und konzentriere mich ganz und gar auf die Aufzucht der Brut. Ich kann ja, wenn die Kinder aus dem Haus sind, mich mit Kinderklamotten selbständig machen, falls mir langweilig wird …

Wie so ein Leben nach Möglichkeit c) dann aussehen kann, schildert ein neuer Roman aus New York von der Autorin Dr. Wednesday Martin, die sich selbst einen „Social Researcher“ nennt.

„Primates of the Park Avenue“ heißt das Werk. Mit Primaten ist nicht der Zoo im Central Park gemeint, sondern das Leben der Upper-East-Side-Mütter, die in einem Kokon von Reichtum, Macht und Shopping leben – weit ab von Begriffen wie „Kitaplatz“, „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ oder „Erziehungsratgeber“. Das überlassen sie dem Personal.

Martin selbst war so eine Über-Mum, bis sie 2010 das exaltierte Superreichen-Viertel verließ, um nun – in bester Zickenmüttermanier – darüber abzulästern. Kein Wunder, dass  sie schon vor dem Erscheinen ihres Buches, die volle Breitseite der Anfeindungen zu spüren bekam!

Diese erfolgsorientierten Aufsteiger-Frauen konzentrieren sich ganz auf das „ewig Weibliche“: ein gut gepflegtes Heim, gutes Aussehen, einen zufriedener Ehemann, wohlerzogene Kinder mit Top-Ausbildung, Erfolg als Familie. Sie leben in einem stetigen Vergleich und zelebrieren Stutenbissigkeit auf höchstem Niveau und ihre Männer bringen Dutzende Millionen, wenn nicht Milliarden nach Hause.  

Martin blickt in die Welt von Play-Dates, in denen Kindern mit Hilfe von Erziehern zum Spielen angeleitet werden, von angemieteten Disneyland-Begleitern mit Behinderung, um das lästige Schlange stehen zu umgehen (bei Disney haben Menschen mit Einschränkungen Vortritt), von Geburtstagspartys für 4-Jährige für 4000 Dollar, 8-Jährigen die morgens gestylt und frisiert und in Designerklamotten im SUV vom Fahrer zur Privatschule gebracht werden und Männern, die ihren Frauen einen Wife-Bonus zahlen, dafür, dass Sie zu Hause bleiben.

Männer und Frauen leben in dieser Welt separiert. Während die Männer mit den Hedgefonds jonglieren und mit allem was dazu gehört, finden sich die Frauen im Kinder kriegen. Unter zwei geht gar nichts. Gebattelt wird in Kinderscharen ab vier. Dank künstlicher Befruchtung gehen auch Mehrlingsgeburten immer leichter. 

Zwischendurch halten die „Manhattan-Geishas“ den Überblick über das Designer-Angebot, die neuesten Restaurant-Eröffnungen und Hot-Spots, den Tratsch, die Kontakte. Sie organisieren sich zwischen Nagelpflege und Personal-Trainer-Stunde, Vernissage und Charity-Dinner und bei der Jagd auf die besten Ausbildungsplätze (nicht für sich, für die Kinder natürlich!)  

Am Ende bleibt die Frage: Was braucht die Frau? Was braucht das Kind? Kann man sein Lebensheil im Streben nach Erfolg finden – egal ob auf welchem Niveau? Ob es nun um den Elektro-Lamborghini für Sohnemann oder den neuen Mixer geht.

Immer steht dahinter unserem Bestreben unseren Kinder eine schöne, sichere, gesunde Kindheit und uns selbst ein sexuell erfüllendes, materiell abgesichertes Leben, um das uns die anderen beneiden, zu schaffen.  

Und um was ging es in diesem Artikel noch mal? Ach, ja, um das Bestreben der Frauen, immer bessere Bildung zu erreichen und immer mehr zu verdienen und um die sinkenden Geburtenzahlen in Deutschland. 

Was wollte ich also sagen? Ach, ja: Um ein Kind auf die Welt zu bringen, es zu lieben und groß zu ziehen, braucht es kein Abitur. Abitur braucht es, um einen Job zu finden, Geld zu verdienen, damit man sich und das Kind versorgen kann. Allerdings braucht man dann auch jemanden, der wiederum das Kind versorgen kann, während man Geld verdient.

Oder – s.o. – eben anders. PS: Die Väter kommen in allen Modellen eher am Rande vor.

Und das wollte ich sagen: Am Ende ist es egal, welches Modell. Wichtig ist allein die Liebe und das Vertrauen!  

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1 Comment

  • Achja, die Vielfalt *G Ich habe die größte Vielfalt in meiner Sockenschublade, darum bin ich untenrum meistens bunt. Und wer ist wohl am glücklichsten bei alledem? Beste Grüße! Ela

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