Ist es besser oder einfach anders?

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Zur Zeit wird ja alles unternommen, um Gleichheit unter den Geschlechtern herzustellen. Hehre Ideale werden hier zum Maßstab gesetzt: Die Eltern sollen sich beide zu gleichen Teilen um ihren Nachwuchs kümmern. Männer und Frauen sollen die gleichen Löhne bekommen, den gleichen Machteinfluss in der Gesellschaft nehmen können und es ist völlig legitim, Kinder schon mit ein paar Wochen in die Krippe oder den Kindergarten zu geben, damit beide Vollzeit arbeiten können.

Wir wollen Gerechtigkeit, uns von Geschlechterklisches lösen, es soll politisch korrekt, vielfältig und tolerant zugehen. Proporz ist wichtig. Nicht nur unter den Geschlechtern, auch im Bezug auf Herkunft, sexueller Ausrichtung. Das ist das Anliegen.

Ich unterstütze das total, aber bin in letzter Zeit dann doch immer wieder am Grübeln, wieviel Gleichheit einer Gesellschaft gut tut, bevor es in Gleichmacherei abdriftet und was es heißt, wenn das Streben danach – so wie jetzt – so hoch im Kurs steht. Im Sozialismus war die Idee der Gleichheit ein hehres Ziel. Alle sollten gleich verdienen, es sollte keine Konkurrenz unter den Menschen geben. Eine schöne Idee, erstmal so. Doch am Ende hat das die Menschen auch nicht befriedigt oder gar motiviert. Es funktionierte einfach nicht.

Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man. Vielleicht ist zuviel Gleichheit auch eine Bremse? Manchmal denke ich auch, wir machen jetzt zwar alles anders, aber ist es dann unterm Strich auch wirklich besser?

Meine Mutter, die mit der Nachkriegs-Emanzipation nie viel am Hut hatte, aber durchaus wusste, ihre Interessen durchzusetzen, sagte neulich, dass sie ihr System der Aufgabenteilung eigentlich besser fand.

Es gab auch bei meinem Vater nie das Bedürfnis, den Haushalt zu führen oder die Kindererziehung komplett zu übernehmen, er wollte Karriere machen, er fand es toll, sich zu verwirklichen, während meine Mutter gearbeitet hatte, aber nach der Geburt von mir dann eben Hausfrau und Mutter war und neben meinem Vater als Gesellschaftsdame glänzte und sich in der Rolle gefiel und aufging. Zu kurz gekommen habe sie sich nie gefühlt. Natürlich habe sie dabei auch Einfluss genommen, sie hat meinem Vater geflüstert, wenn sie eine berufliche Entwicklung nicht richtig fand, wenn er auf Abstand zu bestimmten Personen im beruflichen Umfeld gehen sollte. Und das Vermögen – meine Eltern hatten wie fast alle Paare damals keinen Ehevertrag – gehörte beiden zu gleichen Teilen. Zudem bekamen sie durch das Ehegattensplitting noch sehr viel Geld vom Staat zurück.

Wahrscheinlich, so meine Mutter, hatten Frauen damit damals unterm Strich sogar mehr Geld und Macht als heute. Scheidung war verpönt, aber auch im Falle einer, waren die Frauen früher besser abgesichert. Männer mussten zahlen, verloren ihre Kinder. Frauen dafür dann oft gesellschaftlich außen vor. Ein Umstand, der viele dazu bewegt habe, sich mehr um den Erhalt Ehe zu bemühen. Der Preis bei einem Bruch war ein hoher, so meine Mutter. 

Als junge Frau und noch nicht Mutter war ich erst so ganz anderer Meinung: 1. Jeder/jede sollte ihr eigenes Geld verdienen 2. Es ist was anderes, es selbst zu verdienen, und selbst darüber bestimmen zu können, als indirekt über die Eheschließung 3. Gesellschaftlichen Einfluss quasi nur hinter den Kulissen auszuüben, ist auch etwas anderes, als selbst diejenige zu sein, die die Geschicke in der Hand hält und 4. Kinder profitieren in den meisten Fällen davon, wenn beide Elternteile sich um sie kümmern (wobei sich mein Vater natürlich auch gekümmert hat, wenn er abends kam und am Wochenende, aber eben in einer anderen Rollenverteilung) und 5. Das Ganze sei an der Ehe aufgehangen gewesen, das sei überholt und nicht mehr zeitgemäß, da sich die Menschen heute viel öfter scheiden ließen und wieder neu heiraten würden.

Doch als ich älter wurde, mehr Erfahrungen und mehr Ist-Werte kennengelernt hatte, wurden mir doch viele Grenzen deutlich. Nicht alles, was sich in der Idee gut anhört, ist in der Realität umsetzbar. Und: Ein System grenzt immer eine Gruppe von Menschen aus. Mal werden die einen, mal die anderen ausgegrenzt. Was besser ist, darüber ließe sich wohl endlos streiten. Was mich auch nochmal, vor allem nachdem ich Mutter geworden war, ins Grübeln gebracht hatte, ist die Kraft der Natur. Ich meine hier keine Klieschees, sondern tatsächliche Fakten.

Zum einen den Umstand, dass Kinder zu 100 Prozent von Frauen zur Welt gebracht werden und danach auch über mehrere Monate – idealerweise – genährt werden. Das ist ja nicht nur eine Tätigkeit, die man ausübt, sondern mit vielen emotionalen, feinstofflichen, hormonellen Umständen und Folgen verbunden. Es entsteht hier ein neuer Mensch im Körper der Frau.

Wir sind schon sehr verstandsbemüht, es gibt Leihmütter, künstlicher Befruchtung, Samenspende, Brutkästen, Säuglings-OPs, Kinder, die nicht gestillt werden, Kinder, die in Pflegefamilien aufwachsen und es gibt viele, viele Beispiele, wo diese Möglichkeiten zu einem glücklichen Ergebnis führen. Auch das wird sich immer weiter ausbreiten, solange die Technik und das Geld dafür zur Verfügung steht. Solange wir die Möglichkeiten dazu haben.

Dann gibt es noch den Umstand, dass die körperlichen Durchschnittswerte der Männer immer mehr Größe, mehr Muskelmasse, mehr Dominanz aufweisen, als die Durchschnittswerte der Frauen. Auch das Aggressionspotential von Männer – durchschnittlich – ist höher als bei Frauen. Das legt sich u.a. in der Kriminalistik nieder: Nur gut 5 Prozent der Inhaftierten in deutschen Gefängnissen sind Frauen, der Rest Männer.

Und wenn sie meine Mutter fragen würden, dann würde sie noch eine ganze Reihe von Unterschieden nennen können, die für sie auch nichts mit Kultur, Erziehung oder patriachischer Denke zu tun haben, sondern einfach tief verankert sind. Bei den Steinzeitmenschen schon da waren und bei uns heute, in allen Ländern der Erde. Zum Beispiel, findet sie, hätten Frauen meistens mehr Blick fürs optische Detail auch hätten Männer und Frauen eine andere Rangehensweise, wenn sie einen Partner suchen und sie fänden meistens unterschiedliche Dinge gut, der sexuelle Akt ist jeweils anders angelegt. WAS nicht heisst, dass es ausschließlich so ist. Ich rede von dem, was nicht veränderbar ist oder von dem, das viele einfach nicht ändern wollen und zwar, weil es für sich Sinn macht.

Ich weiß, es ist verpönt so zu denken, aber ich weiß was sie meint, vor allem seit ich einen Sohn habe und sehe, auf was er abfährt, wie seine Augen bei dem einen leuchten, während das andere ihn einfach überhaupt nicht triggert. Und wenn er sieht, dass ich mir die Nägel lackiere, dann will er es auch machen, darf er auch, ich finde das immer gut, aber es fasziniert ihn danach nicht mehr. Es ist einfach so. Ich bin mir immer mehr sicher: Es gibt Dinge, die lassen sich nicht gleich machen. Und ich frage mich: Ist der Ansatz des Ganzen vielleicht doch nicht der richtige? Sollten wir vielleicht lieber unsere Unterschiede feiern und sie so einsetzen lernen, wo sie gut passen, statt dahin zu tendieren, dass alle alles machen?

So langsam komme ich daher immer mehr ins Zweifeln. Der Mainstream steht jetzt auf Gleichheit. Aber ist das wirklich besser oder einfach nur anders? Letztendlich geht es doch um das Miteinander und das gegenseitige Vertrauen, und das ist da – oder nicht. Die Form ist dabei das geringste Problem.

Werden wir jemals zu dem Punkt kommen, dass ALLE ALLE Möglichkeiten haben werden? Wird jeder frei wählen können, welchen Bereich er erfüllen will? Werden wir in der Lage sein, uns dann dazu den passenden Partner zu suchen? Werden wir das Leben so gut planen können?

Mal sehen, wie es die nachfolgende Generation halten wird … ; ).  

https://www.youtube.com/watch?v=1YzYHdnwOH0

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2 Comments

  • Eigentlich ist es doch absurd, dass man sagen muss, es sei verpönt auf die natürlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinzuweisen, oder? Wobei du natürlich Recht hast. Dabei ist es doch augenfällig, und die meisten Mütter/Eltern haben ja ganz ähnliche Erfahrungen wie du. Vielleicht ist es ein Versuch, der gelebten Ungleichheit Herr zu werden, aber ich finde den Ansatz unglücklich. Problem ist ja nicht, dass es Geschlechtsunterschiede gibt, sondern wie wir sie bewerten. LG!

    • Ja und dass wir uns klar machen, dass ein fruchtbares, soziales Zusammenleben auf den Prinzipien der Ergänzung nicht der Konkurrenz aufbaut. Wir denken zu viel in äußeren Formen und Normen, anstatt die Unterschiede als etwas zu sehen, dass uns viele Möglichkeiten, Kombinationen und Vielfalt und damit auch eine Vielzahl an Lösungen bietet, die wir brauchen um ein sinnvolles, erfüllendes, freies Leben zu führen. Wir müssen die individuelle Gestaltung und die Verantwortung des Einzelnen fördern und belohnen – nicht die beste NORMERFÜLLUNG, wie es derzeit geschieht. Das macht uns zu Objekten, nicht zu verantwortungsvollen Menschen.

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