Einen schönen Frauentag. Oder: 5 Gründe, Danke zu sagen

Hier in Berlin-Mitte war es quasi unmöglich, den Frauentag zu vergessen. Es wurden Rosen verteilt, Wünsche vergeben und auch bei Google wurde geehrt:

Google Doodle zum Frauentag

Da ist es doch an der Zeit, auch Danke zu sagen. Denen zu danken, die beweisen, dass wir Frauen toll, stark, klug, so weich, so weise, so sanft, so kämpferisch sind!

Daher: Danke, Euch, …

1. … unseren Kindern: Wir haben euch unter Schmerzen, Sorgen, Glückseligkeit, Angst, Trauer und der größten menschenmöglichen Liebe zur Welt gebracht, wir haben euch gewärmt, liebkost, euch gehalten – manchmal stundenlang, euch genährt, gemahnt, geschaukelt, gewickelt, getragen. An euren Betten gewacht zur Tag und zur Nacht. Wir haben mit euch gelacht, euch angeschaut und uns gesehen und uns durch euch an andere erinnert, unsere eigenen Sorgen und unsere eigene Kindheit in euch wiederentdeckt, Fehler gemacht und unter Tränen bereut, gelernt durch euch über uns, über das Leben und das geteilt. Wir sind alt geworden durch euch, krank und müde und dankbar und demütigt. Danke, euch Kindern, sagen wir Frauen als Mütter, Großmütter, als Tanten, als Lehrerinnen, als Nachbarinnen …

2. … unseren Männern: Was haben wir mit und unter euch gelitten. Immer schon und so wird es immer so bleiben. Was haben wir euch geliebt, wie haben wir uns für euch erniedrigt und euch aus Wut auf vielfältige Art leiden lassen. Wie haben wir euch verziehen, wir haben wir uns an euch gehangen, euch fallen lassen. Euch belogen und verehrt, bewundert, angefleht. Wie haben wir in euren Armen gelegen und wollten nie mehr woanders sein. Wie haben wir euch beneidet, bekämpft und beleidigt. Wie sind wir dahin geschmolzen, in dem Moment, wo wir eure Liebe für uns erkannten. Wie fühlten wir uns umschmeichelt, umgarnt, bewundert und aufgehoben. Wie haben wir versucht, euch immer zu kopieren – aus Bewunderung und weil wir euch zeigen wollten, dass wir es besser können. Wie haben wir gerungen um eure Anerkennung, als Vater, als Ehemann, als Geliebter. Was haben wir alles veranstaltet uns verbogen und verrenkt, um euch zu gefallen. Und was haben wir alles dadurch über euch, über uns und das Leben gelernt. Danke, Ihr Männer, dass Ihr uns daran immer wieder erinnert, wie schön es ist, kein Mann zu sein.

3. … unseren Chefs: Wir wissen es doch, dass Ihr es nicht leicht habt. Verpflichtet dem Unternehmen, der kapitalistischen Ordnung womöglich und sich dennoch nach Anerkennung sehnend. Wie leicht es Euch fiel, mit den männlichen Kollegen ein Bier trinken zu gehen, über Fussball zu reden und über die neue, junge Kollegin, unter sich zu sein und die Gehaltserhöhung als joviale Geste zu sehen. Und dann sind wir da plötzlich und so viele und wollen da rein. Wollen eure Jobs. Und ihr wollt mit uns ins Bett, aber müsst euch jetzt auch noch das verkneifen, und ihr wisst, das wir das wissen und auch alle anderen und dass es so sehr kompliziert geworden ist, für euch. Ihr wusstet schon immer, dass ihr nicht im Recht seit und nicht nur das Prinzip sondern auch euren Stand verteidigt habt, als wäre es die letzte Bastion. Wir ihr möglichst plump, äußerst sexistisch, verzweifelt versucht, die Zeit anzuhalten. Danke, ihr Chefs, für euer schlechtes Gewissen und eure männliche Ängste, die uns Recht geben.

4. … unseren Angreifern: Ihr habt uns geschlagen, vergewaltigt, verstümmelt, betrogen, gedemütigt, ausgegrenzt, unterdrückt, eingeschränkt, kommandiert, belächelt, ausgestoßen, gebrandmarkt, entmündigt, gesteinigt und getötet. Aber wir sind immer noch da. Und wir könnten es euch heimzahlen. Das wisst ihr. Wir machen es aber nicht, weil wir Frauen sind. Und stark. Durch euch. Danke, Ihr Angreifer, dass Ihr der ganzen Welt zeigt, wie stark wir seien können. Und unsere Liebe, unserer Glaube und Gemeinschaft immer kraftvoller sein werden als euer Hass.

5. … unseren Gleichmachern: Vielleicht meint ihr es gut, wenn ihr findet, dass Frauen, wenn sie gleiche Rechte möchten, dann auch den Preis dafür zahlen müssen. Wenn ihr findet, dass Frauen, die Karriere machen möchten, den männlichen Karriereweg einschlagen müssen, weil ihr euch nicht vorstellen könnt oder mögt, dass es Alternativen gibt. Wenn ihr denkt, dass eine Frau immer mit einer Funktion verbunden sein muss, entweder eine gute Mutter oder Hausfrau, eine gute „Karrierefrau“ oder Lady sein kann, oder Geliebte und Sexbombe, aber niemals eine Kombination aus allem und wenn ihr nicht merkt, dass sich die Welt um Euch herum entwickelt und das, was gestern war, nicht mehr jetzt ist. Und das es kein GLEICH gibt, weder unter Mann und Frau noch unter den Menschen per se. Danke, Ihr Gleichmacher, dass ihr mit eurer Verquastheit aufzeigt, dass die Vielfalt der einzig stabile Bausatz der Natur ist und wir dankbar sind, Frau zu sein, was immer das auch heißen mag.

PS: Danke, Clara Zetkin.

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