Väterrechtler, Teil II

In meinem ersten Teil ging es mir darum, zu zeigen, mit welchen Methoden teilweise Eltern gegen einander vorgehen und das dies leider – von ungeübten oder auch fehlbesetzten Richtern oder Amtsmitarbeitern – befeuert wird.

Die darauf folgenden Kommentare zum ersten Teil (siehe auch unten) verdeutlichten, wie eng hier doch manchmal die Denke ist. Das aber auch Defizite darin bestehen, überhaupt zu unterscheiden, was z.B. eine Pauschalisierung ist oder was der Unterschied zwischen einer Meinung und einer Anschuldigung oder Beschimpfung ist. Auch dass die Schilderung eines Falles nicht heißt, dass es dann IMMER so ist, scheint nicht immer selbstverständlich zu sein, kurzum, die Gabe überhaupt einem Diskurs folgen zu können, ist oft überhaupt nicht vorhanden.

Gegen meine Person wird immer wieder gewettert. Es fing an mit ihm hier: Oliver Fletsch, der gleich schon mehrfach intellektuell versuchte, sich dem Thema Mütter neben seinen zahlreichen Posts über „Pornos und Alkohol“ anzunehmen was ihm einfach nicht gegeben ist, aber auch tief blicken lässt. U.a. titelte er: „Warum die meisten allein erziehenden Mütter gehörig einen an der Klatsche haben.“ Mein Mitbewohner meinte dazu: „Er hätte auch schreiben können ,Warum alle Schwulen AIDS haben‘ oder ,Warum alle Türken nach Knoblauch riechen‘, das wäre dann auch so dasselbe Niveau …“ Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: 1. Ihm fällt es nicht au. 2. Er findet sich witzig. Ich befürchte, es ist beides.

Merkwürdig ist auch er hier, der findet, dass „Dämlich das neue weiblich“ ist. Wobei er vor allem ein Problem damit hat, wenn jemand nicht seine Meinung teilt, dann teilt er aus. Das betraf auch meinen männlichen Kollegen Gunnar Schupelius, der hier mal eben als „Mistkerl“ tituliert wurde. Grund: Schupelius hatte sich in einem Kommentar in der Berliner Zeitung „B.Z.“ für ein geteiltes Sorgerecht in strittigen Fällen und bei sehr kleinen Kindern ausgesprochen hatte (denn das sei besser für die Kinder, weil so Ruhe einkehren kann) und war von Väterrechtlern deswegen vor den Presserat gezogen worden: Er, Schupelius, selbst zweifacher Vater, sei väterschädigend, fanden die Väterrechtler. Nun, ja. Ich habe ja schon gesagt, der Unterschied zwischen einer anderen Meinung und einer Anfeindung scheint manchen hier nicht ganz klar zu sein.

Sowas ähnliches hat sich auch auf meiner Facebook-Seite für diesen Blog zugetragen: Ich hatte einen OLG-Beschluss, der in die selbe Richtung wie Schupelius‘ Fall ging, mit den Worten kommentiert: „Vernünftige Entscheidung“ und ihn gepostet. Neben der Tatsache, dass hier ja immerhin ein deutsches Oberlandesgericht geurteilt hat, wurde sich an diesem Umstand unglaublich an meiner Person und an Müttern per se aufgeheizt. Ich bzw. andere Mütter wurden beschimpft als „Nazis“, „Schla…“, „N…“.

Aber das Erschreckendste: Den Männern, die das aussprachen, fiel überhaupt nicht auf, was sie da taten. Sie hatten kein Reflektionsvermögen, kein Verantwortungsbewusstsein, kein Schuldbewusstsein für sich selbst – und es waren Dutzende, sie kamen alle von diesen Männerseiten und hatten sich gegenseitig animiert, nun auf den doch eigentlich relativ harmlosen Post mit extremer, aber auch den eigentlichen Inhalt total aus den Augen verlierenden, Aggression zu reagieren.

Wenn ich mir vorstelle, dass solche Menschen irgendwo Einfluss nehmen, fühlt sich das gar nicht gut an. 

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Väterrechtler, Maskulinisten oder Männerrechtler oder „Pöbel-Machos“ hier zum Teil ein enormen negativen Einfluss auf die gesellschaftlicher Entwicklung haben, wenn Sie ihrem Hass und ihren Ängsten, Anfeindungen freien Lauf lassen können. 

Ich denke, man muss darüber gar keine Kommentierung verlieren, jeder der einigermaßen bei Verstand ist, kann zwischen richtig und falsch unterscheiden. Beschämend ist es dennoch ein wenig, dass solche Meinung in Deutschland so viel Anklang finden.  Es ist schon sehr dumpf. Was ist denn da los?

Verzweiflung? Schlichte kriminelle Energie, wie bei Paul H., der sich im Väteraufbruch Aachen und in der FDP engagierte, einen Brief an den Bischof schrieb, weil ihm angeblich die Kinder entzogen würden, dabei schändete er über Jahre seine Stieftochter.

Das Problem: Diese Fälle sind leider nur die Spitze des Eisberges. Der Verfassungsschutz beschäftigt sich zum Glück schon mit dieser Thematik und hat einige dieser „Pappenheimer“ im Visier. Ich finde das richtig. Wir sind ja nicht der Hindukusch – wir sind das demokratische Deutschland 2015.

Unsäglich ist da z.B. das Netzwerk „WikiMANNia“ in dem unglaublich gegen Frauen gewettert wird. Aber: Auch hier gibt es noch schlimmere Seiten, die ich gar nicht erst nennen möchte. Hintergrund ist hier, dass Wikipedia diese Pamphlete gelöscht hatte, daher haben die Frauenhasser-Männer ein eigenes Netzwerk gegründet. Man ist schon verwundert darüber. Gibt es hier tatsächlich noch so viel Grundsätzliches, das geklärt, wo aufgeklärt (im Kantschen Sinne) werden muss?

Bedenklich finde ich die Fälle, in denen durch getarnte oder nicht als solche auftretende Väterrechtler Jugendamts-Sachbearbeiter und auch Familienrechts-Gutachter oder gar Gerichte Fortbildungen erhalten. Man könnte auch meinen, indoktriniert werden.

Hier, finde ist, muss Transparenz her. Wir sind ein freies Land, in dem jeder seine Meinung sagen und vertreten kann, aber dennoch sollte klar sein, woher sich Behörden ihre Informationen holen, welche Ausrichtung einzelne Sachbearbeiter oder auch ganze Ämter vertreten. Denn: Eigentlich dürfte es keinen Unterschied machen, ob ein Amt von einer Frau oder einem Mann geleitet wird. Eigentlich müssten die persönlichen Sichtweisen hinter die professionellen zurücktreten. Aber wie viele wissen: Das ist nicht die Realität. Daher sollte die Ausrichtung dargelegt werden. Zum Beispiel durch die Internetseite.

Aber letztendlich sollte an staatlichen Einrichtungen immer ein Diskurs stattfinden und eine Kritik möglich sein. Am besten auch eine Ombudsstelle eingerichtet werden, damit Bürger gehört werden. Sinnvoll ist immer eine Evaluation, also ein Verfahren, in dem die Zufriedenheit der Beteiligten, in dem Verbesserungsideen abgefragt und ausgewertet werden können.

Nur so kann meines Erachtens der Staat und seine Institutionen die Interessen und Rechte der Bürger wahren und ihnen Würde verleihen. 

Zum Glück muss man sagen, dass es genug Männer gibt, die gegen diesen oben aufgeführten Irrsinn steuern und die destruktive Kraft erkennen und viel bessere Wege aufzeigen.

Und genau das ist mein Appell, in dem schwierigen Feld einer guten, einer konstruktiven Familienpolitik und ihrer alltäglichen Gestaltung: Trennt die Spreu vom Weizen.

Wir brauchen Typen, die die Prinzipien der Demokratie und der Gleichberechtigung nicht nur verstanden, sondern inhaliert haben. Die mit Intelligenz und Sachverstand über etwas sprechen, von dem sie was verstehen – und die – vielleicht die wichtigsten Eigenschaften – weder das Zuhören noch den Humor noch die Empathie abgelegt haben. Vielleicht in einem Wort: die einen gesunden Menschenverstand haben. 

Dann können wir die „Haters“ in ihren dumpfen Ecken lassen und sie meckern lassen. Denn wie singt Taylor Swift: „Haters gonna hate“ – Hasser hassen. Sie können nichts anders. 

 

 

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2 Comments

  • Ich habe aufgehört zu lesen als es um das „geteilte“ sorgerecht ging..
    Es heißt gemeinsames…
    Denn man hat ein Kind gemeinsam gemacht und sollte nicht nur die rechte gemeinsam haben sondern auch die Pflichten.
    Ich habe für meine 3 das alleinige aufenthaltbestimmungsrecht.
    Das hier so sehr gegen Männer geht verstehe ich nicht

    • Weil man nicht von einem (seinen eigenen Fall) auf alle schließen kann. Es gibt im Familienrecht doch keine Regel, die auf alle Familien deutschlandweit per se angewendet werden kann. Es gibt doch zu viele verschiedene Situationen. Es ist ja schön, dass Sie sich um ihre Kinder kümmern. Allerdings so ganz gerecht aufgeteilt ist es zwischen Ihnen und der Mutter ja auch nicht, sonst hätten Sie ja das „gemeinsame“ Aufenthaltsbestimmungsrecht. Es geht hier auch nicht gegen Männer. Das ist großer Quatsch.

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