Gebt den Kindern das Kommando

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Die neuen Zahlen belegen es: Es gibt in Deutschland immer mehr Kinder in Armut, inzwischen leben 1,6 Millionen der unter 18-Jährigen von Hartz IV.

Viele davon sind Kinder von alleinerziehenden Müttern. Nicht weil – wie ihnen oft zu aller Anstrengung (und leider auch noch von den Vätern der gemeinsamen Kindern) unterstellt wird – diese Mütter faul sind. Ganz im Gegenteil. Wenn man den Dingen auf den Grund geht, entdeckt man einen unglaublichen Missstand: Zwei Drittel der Väter zahlen überhaupt keinen Unterhalt. Die Mütter sollen alles alleine leisten. Nur wie?

Natürlich wollen auch Alleinerziehende arbeiten. Aber wie? Vor allem in den ländlichen und kleinstädtischen Regionen in West- und Süddeutschland gibt es nur unzureichende bis überhaupt keine Kinderbetreuung.

Wenn sie Glück haben, gibt es Verwandtschaft in der Nähe, andere Mütter, die unter die Arme greifen können, einen guten Babysitterdienst. Vielleicht verschweigen sie beim Bewerbungsgespräch, dass sie alleinerziehend sind …

Die Mütter sollen alles alleine leisten

Und dann haben Sie einen Job, und dann müssen sie um 7/8/9 Uhr da sein. Müssen vorher aber noch ihre ein/zwei/drei … Kinder in die Kita oder die Schule bringen, vorher Frühstück machen, die Kinder anziehen, sich selbst auch, Fahrtwegen absolvieren.

Endlich angekommen, arbeiten sie bis zum Teilzeit-Dienstschluss, und dann geht das Kommando rückwärts los: Sie holen die Kinder wieder von der Kita/Schule ab, es wird gespielt, Hausaufgaben gemacht, der Haushalt in Ordnung gebracht, gekocht, gekümmert, gerechnet, ob das magere Gehalt für alles reicht. Anträge geschrieben, alle Entscheidungen der Kinder bezüglich alleine bearbeitet, entschieden, verantwortet …

Das alles ist schon sehr viel für eine Person. Und dann wird das erste Kind krank und dann das zweite. Und dann irgendwann auch die Mutter. Und wenn alle wieder gesund sind, geht der Stress wieder von vorne los. Kein Wunder, dass vor allem Alleinerziehende oft Burn-out gefährdet sind.

Zwei Drittel der Väter zahlt keinen Unterhalt. Wieso? 

Aber nun sag mir doch, wie soll – lieber Vater Staat – eine Mutter, die von ihrem Mann getrennt lebt und deren ein/zwei/drei … Kinder bei ihr wohnen, unter diesen Vorraussetzungen dauerhaft, ausreichend Geld verdienen können und zwar so viel, dass es auch noch für die Altersvorsorge reicht? 

Wie soll sie ihren Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen? Urlaub? Ich kann verstehen, dass viele irgendwann hinschmeißen.

Grundsätzlich ist das Elternteil, bei dem die Kinder nicht leben, zu Kindesunterhaltszahlungen an seine Kinder verpflichtet. Die Höhe bemisst sich nach dem Einkommen, dem Alter und der Anzahl der Kinder. Berechnungsgrundlage ist die Düsseldorfer Tabelle. Doch nun steht dieser Berechnungsmodus immer mehr in Kritik. Kritik u.a.: Wenn die Väter ihre Kinder mit betreuen, warum müssen  sie dann zahlen?Oder: Wenn Väter ihre Kinder gar nicht sehen, warum müssen sie dann zahlen?

Wie kann eine gerechte Erziehungsteilung zwischen getrennten Müttern und Vätern aussehen? 

Ich schreibe Väter, da es tatsächlich noch im wesentlichen Väter betrifft. 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter, zwei Drittel der Väter zahlt keinen Unterhalt. Ich denke, dass steht auch im Zusammenhang damit, dass über 40 Prozent der Mütter Hartz IV Leistungen in Anspruch nehmen.

Wäre es nicht sinnvoll/gerecht/modern und den EU-Richtlinien entsprechend, dass BEIDE Eltern für ihre Kinder aufkommen müssen und dass das auch stärker eingefordert wird? 

Vielleicht müssten sich dann viele Mütter nicht mehr zwischen den vielen Aufgabenbereichen so aufreiben, vielleicht müssten sie auch kein Hartz IV mehr beantragen?

Vätern wurden in den letzten Jahren viele Rechte eingeräumt. Mütter und Väter sind nun gleichberechtigt, haben beide Umgangs- und Sorgerecht, das Gesetz verlangt nur noch Unterhalt für die Kinder (nicht für die Ex-Partner wie es früher war).

Wenn Unterhalt nicht gezahlt wird, passiert häufig erstmal nicht viel. Bis zum 12. Lebensjahr springt das Amt ein und legt die Summe bis zu einem bestimmten Satz aus, fordert sie ggf. erfolgreich vom Zahlenden ein.2013 legte die Bundesagentur für Arbeit eine Summe von 170 Millionen Euro aus, bezahlt von Steuergeldern.

Wenn Väter sich kümmern wollen, müssen sich Mütter oft den Umgang diktieren lassen 

Doch im Moment wird es den Vätern zu leicht gemacht, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Wenn sie aber mithelfen wollen, müssen sich die Mütter da häufig diktieren lassen wie. Hier ist eine Schieflage entstanden, die derzeit für viel Streit und Unsicherheit sorgt. Hier müssten klare Richtlinien her. Außerdem bin ich dafür, die individuelle Familiengeschichte und die Wünsche der Kinder mehr einzubeziehen. 

Ich habe mich umgehört, was Alleinerziehende sich wünschen, welche Ideen sie haben, wenn es um den Kindesunterhalt geht – mein herzliches Dankeschön für die vielen Beiträge. Manche sind konkrete Ideen, viele regen zum Nachdenken an: 

  •  Sie sollen uns steuerlich entlasten. Kinder sind doch die Zukunft dieses Landes und es gibt immer mehr Kinder die alleinerziehend aufwachsen (…) Was ist das Ziel unserer Innenpolitik?
  • Zum Thema mehr Betreuungsmöglichkeiten: Ein Kleinkind soll mit Sicherheit nicht nur fremdbetreut werden (…) Erwachsene können auf ein paar Euros verzichten aber Kinder doch nicht komplett auf die Mama, mit der sie nun mal alleine leben.
  • Ich kenne Männer (und beneide deren Frauen), die die Berufstätigkeit ihrer Frau immer unterstützt haben und auch kräftig im Haushalt angepackt haben. Dann haben Vater und Mutter nach der Trennung oft gute Jobs und können beide ihren Lebensunterhalt bestreiten.
  • Leider gibt es auch total viele Männer, die eben nix im Haushalt machen und ihr extensives Junggesellenleben in voller Bandbreite weiterleben, so dass die Frau immer alleine da steht mit Haushalt und Kindern. Das geht dann oft so weit, dass sie erschöpft den Job aufgeben muss und in die Hausfrauenrolle gedrängt wird. In dem Fall soll der Mann so lange Unterhalt zahlen, bis sie beruflich wieder gefestigt ist.
  • Kleine Kinder bekommen weniger Unterhalt (machen aber mehr Arbeit) als ältere Kinder.
  • Man sieht, welche Väter sich nach einer Trennung auch meist weiter kümmern und denen es um das Wohl der Kinder geht. Die, die eh schon nichts gemacht haben, die weigern sich auch gerne zu zahlen. 
  • Wenn Väter, die sich um die Kinder kümmern, weniger zahlen müssen, dann wäre es nur fair, wenn man die entgangene Summe den Müttern, wo die Kinder nun mal leben, ausgleicht.
  • Es geht doch nicht darum, dass wir Mütter uns bereichern wollen. Es geht hier um das tatsächliche Überleben.
  • Entweder sollen die Väter zahlen oder man müsste einen Zuschuss aushandeln können.
  • Ich bin gegen Unterhalt. Weil es inzwischen immer mehr Väter gibt, die das Kind nur wollen, weil sie dann keinen Unterhalt mehr zahlen müssen.
  • Auch beim Wechselmodell muss trotzdem einer den Hort, das Essensgeld, den Vereinsbeitrag etc. zahlen. Das machen die Eltern doch nicht hälftig!
  • Gut fände ich kostenlose Kinderbetreuung, kostenlose Verpflegung in der Kita (Frühstück + Mittag + Vesper), und vollen Lohnausgleich bei geringerer Arbeitszeit für denjenigen Elternteil, bei dem das Kind lebt.
  •  Ich finde es gerecht, wenn mir der Staat meine Arbeit als Mutter für 4 Kinder genauso hoch anrechnen würde, wie die Arbeit mit vier Pflegekindern, die auch vom Staat vergütet wird. Dann könnte der Unterhalt ganz abgeschafft werden.
  • Ich finde, die Erziehungsarbeit muss ganz genauso respektiert und gefördert werden, wie von den Erzieherin in Krippen oder Kitas oder Tagesmüttern.
  • Übrigens rechnet sich die momentane Doktrin volkswirtschaftlich gar nicht, da ein Krippenplatz mind. 1100 Euro im Monat kostet, ein Altenheimplatz eigentlich so um die 4000 Euro aufwärts. Nicht umsonst geht grade die Sterbehilfedebatte los! Wenn alle Frauen arbeiten gehen und nicht mehr diese Betreuung auffangen oder selbst leisten, kann sich das ein Staat gar nicht mehr leisten.
  • Warum Väter so nachhaltig bei der finanziellen Verantwortung entlastet werden sollen, hängt, und ich hoffe niemand fühlt sich auf den Schlips getreten, auch an der Zusammenführung von zwei Systeme (BRD und DDR).

Ich denke, wir wollen ja prinzipiell die gemeinsame Verantwortung BEIDER Eltern. Denn wenn die besteht, würde es dazu führen, dass sich Mütter, wenn sie denn den Großteil der Erziehung übernehmen, sich in ihrer Leistung mehr anerkannt fühlen.

Denn die Väter würden dann FÜHLEN können, was es heißt, diese Verantwortung zu tragen …

Und vielleicht sollten wir für die Details auch einfach mal unsere Kinder mehr einspannen, was die so denken, was sie sich wünschen und sie mitbestimmen lassen.

„Sie berechnen nicht, was sie tun“, singt Grönemeyer und: „Wir werden in Grund und Boden gelacht!“ Schaden kann das also nicht …

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2 Comments

  • Frauenerwerbstätigkeit bedingt oft alternativlos Krippenaufbewahrung, welche beachtliche Probleme für die Kleinkinder bringen kann (Stresshormonausschüttung, Wachstumshormonreduktion infolge Schlafmangel, Zerstörung der für die frühkindliche Sprachentwicklung wichtigen Dyadenbindung an die Mutter, auf deren Stimme der Foet bereits ab der 20. Entwicklungswoche massiv fixiert ist), wodurch z. B. mangelnde Stressresistenz und Angstbewältigung, Sprachentwicklungsstörungen (Lese- Rechtschreibstörungen) und auch ADHS teilweise erklärbar sind. [siehe Kapitel „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ im Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014, ISBN 978-3-9814303-9-4]

    • Ich denke, alle Menschen und alle Kinder sind verschieden. Eine gesunde Eltern-Kind-Bindung halte auch ich für vernünftig. Aber selbst wenn die Mutter und/oder der Vater ein Jahr oder auch mehr zu Hause bleiben, spricht das nicht gegen eine Erwerbstätigkeit von Frauen und auch von Männern. In der Regel arbeiten die Menschen ja über 40 Jahre ihres Lebens, selbst wenn man die Baby- und Kleinkindzeit abzieht, bleiben also noch Dutzende Jahre, um einem geregelten Beruf nachzugehen, während die Kinder während der Arbeitszeit in der Kita, der Schule oder dem Hort, bei den Großeltern oder bei Freunden sind.

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