Das bisschen Haushalt …

In letzter Zeit habe ich immer wieder den Wunsch gehört, es wieder so zu haben, wie unsere Mütter. Ein Hausfrauen-Leben wie im guten West-Deutschland der 60er, 70er, 80er Jahre …

Man oder besser gesagt frau hatte da noch Zeit für die Kinder, konnte es sich zu Hause so richtig gemütlich machen, musste sich nicht zerreißen zwischen Job und Kindern, musste nicht ständig von A nach B eilen, die Kinder in Betreuung geben, ein schlechtes Gewissen haben, gegenüber den Kindern einerseits und gegenüber den Kollegen anderseits – wenn die Kinder (mal wieder) krank sind. Und versorgt war’n ’se auch – für die Kohle war ja Männe zuständig …

Es wäre auch wieder viel entspannter, erklingt das nostalgisch verklärte Klagen und wenn abends der Mann nach Hause kommt, dann können beide die Zeit zu zweit viel besser genießen, denn die Kinder schlafen ja zeitig. Klingt so auch ganz plausibel.

Aber warum sieht die Welt denn dann heute anders aus, wenn es früher so viel besser gewesen sein sollte? Werden hier vielleicht doch ein paar Kleinigkeiten unter den Tisch gekehrt …?! Schaun wir doch noch mal genauer hin …

Ich geh noch mal zurück, Anfang der 1950er Jahre. In Deutschland gibt es den Gehorsamsparagraph § 1354 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der dem Mann in einer Ehe das Recht zur Entscheidung aller das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zuspricht. Mit anderen Worten: Der Mann hat immer das letzte Wort – per Gesetz. 1957 wird der Paragraph gestrichen, doch seine Wirkung hat dabei nicht ausgedient, denn unsere Mütter wachsen in dieser hierarchisch, patriarchischen Atmosphäre auf.

Ihre Mütter sind Mütter und auch für sie steht das auf dem Plan. Zwar dürfen sie (inzwischen) die Schulen und auch die Universitäten besuchen (zu dem Zeitpunkt auch erst seit zwei Generationen möglich), aber der Plan ist in der Regel ein vorgegebener.

Den Frauen damals wird nicht gesagt: Versuche die bestmögliche Bildung zu bekommen, studiere, reise, sehe die Welt und finde dich selbst, probiere Dich aus und erstrebe einen Beruf, der dich ausfüllt, suche dir gute Freunde und einen Partner, auf den du dich verlassen kannst.

All das zählt überhaupt nicht. Stattdessen gibt es nur eine Option: Suche dir einen Mann, der dich heiratet und dich versorgt und bekomme Kinder. Frauen werden angehalten fleißig, ordentlich, bescheiden und sittsam zu sein. Die meisten beenden die Schule nach der Mittleren Reife ab. Es gehört sich nicht, für ein junges Mädchen zu gebildet zu sein. Eine Frau, die arbeitet, ihr eigenes Geld verdient, gar Karriere macht, ziemt sich nicht.

Der Druck eine Ehefrau zu werden, lastet auf vielen Frauen. Wer bis Mitte 20 keinen abgekommen hat, wird schief angeschaut. Und auch die Männer müssen sich schnell entscheiden. Sex vor der Ehe ist tabu. Zusammenziehen ist sogar für Verlobte noch Ender der 1960er Jahre so gut wie verboten und fällt unter den Paragraphen der Kuppelei.

Die jungen Leute müssen sich daher schnell für den Bund des Lebens entscheiden: Die meisten verloben sich meistens schon nach ein paar Monaten. Den Antrag stellt der Mann, oft wird vorher noch der Vater der Braut gefragt … Wer nach einem Jahr seiner Freundin noch keinen Heiratsantrag gemacht hat, gilt als problematisch.

Und dann wird geheiratet und es ist klar: Hat die Frau bis dato gearbeitet, ist ab sofort damit Schluss – spätestens aber, wenn die Kinder kommen. Eine Teilzeitstelle und kleine Kinder? Undenkbar! Eine Frau, die ihr eigenes Geld verdient, vom Mann unabhängig ist, gilt als Affront für den Ehemann. Eine Frau, die – außerhalb von Küche und Kindererziehung – eine eigene Meinung hat, oder noch schlimmer noch: eine andere als der Mann und diese auch nach außen hin vertritt – als Scheidungsanwärterin.

Es gilt für alle Ehefrauen dasselbe: Der Mann verdient das Geld, die Frau macht den Haushalt – unentgeltlich. Ist ihr Mann großzügig, hat sie freien Zugang auf das gemeinsame Konto. Wenn nicht, muss sie um Haushaltsgeld bitten.

Kindererziehung ist Frauensache. Kochen ist Frauensache. Putzen ist Frauensache und Wäsche waschen ist Frauensache. Frauen kaufen für ihre Männer die Klamotten und packen ihnen die Koffer, wenn sie auf Geschäftsreise fahren. Und der Mann hat weiterhin das letzte Wort. 

Weibliche Statussymbole sind Einbauküche, Waschmaschine, ein kleines Auto und eine Mitgliedschaft im Tennisclub. Der Mann repariert dafür das Auto, bohrt Löcher in die Wand, trinkt abends Bier in seiner Stammkneipe. Meistens sieht er seine Kinder meistens nur am Wochenende und kurz am Abend. Dafür sind die Frauen abgesichert. Ihre Jahrzehntelang geleistete unentgeltliche Arbeitsleistungen federt der Staat über die Versorgungspflicht des Ehemannes an– auch im Scheidungsfall muss er weiter für Ex-Frau und Kinder sorgen, nicht selten muss er aus dem gemeinsamen Haus ausziehen, muss die Hälfte seines Vermögens an seine Frau zahlen, sowie einen erheblichen Teil seiner Rentenansprüche.

Es gibt auch Frauen, die finden diese ganze System merkwürdig. Die sagen Dinge wie: Es ist nicht richtig, dass eine Frau in finanzieller Abhängigkeit zu ihrem Mann steht. Dann wird laut protestiert und gepöbelt: „Schmeißt die Emanzen aus dem Saal.“ Kritik am Patriarchat kommt überhaupt nicht gut an. Aber auch Frauen untereinander machen sich das Leben schwer, z.B. nach einer Scheidung. Das ist ein Skandal. Eine Tragödie. Die Ex-Frau, der Ex-Mann und die Kinder müssen im besten Fall mit Tratsch fertig werden. Oder sie werden komplett ausgegrenzt. Es herrscht das Schuldprinzip: Wer fremd geht hat die Ehe ruiniert – und wird geächtet.

Und heute?

Heute wollen Frauen und Männer einen guten Abschluss machen, sie wollen „sie selbst sein“, sie wollen studieren, sich austoben, sich finden – selbstverständlich auch sexuell. Sie wollen sich gar nicht binden, sie wollen Freunde finden, ihren Platz, ihre Rolle, ihre Aufgabe und eine eigene Meinung haben.

Sie wollen für sich selbst verantwortlich zu sein, Geld verdienen, sie haben keine Lust, sich auf das Geschlecht, auf eine Rolle und schon gar nicht auf Klischees zu reduzieren, sie wollen individuell sein dürfen.

Männer wollen heute was von ihren Kindern haben. Sie wollen Zeit mit ihnen verbringen. Frauen wollen Kinder und Karriere unter einen Hut bringen – und sie schaffen es immer besser!

Männer können heute kochen, putzen, Wäsche waschen und ihre Klamotten selber kaufen. Sie sind witzig, sie sind locker. Sie denken nicht mehr, dass sie nur (dann) ein Mann sind, wenn sie eine Familie ernähren können. Die Männer von heute wollen eine Partnerin, sie wollen eine coole, selbstbewusste, selbständige Frau, die für sich selbst sorgen kann – keine bessere Hausangestellte. Hoffe ich doch …

Denn natürlich gibt es auch weiter die Männer, die nicht im Heute angekommen sind. Die mit ihrem Kopf im Vorgestern festklemmen. Die sich nicht bewusst gemacht haben, dass sich die Zeiten weiterentwickelt haben. Weil ihnen zu lange etwas anderes vorgelebt wurde, das sie jetzt nicht mehr abschütteln können, denn dafür müsste man sich erst mal locker machen und dann seine eigene Welt gestalten, nach eigenen Regeln.

Aber manche wollen das ja auch gar nicht. Die möchten lieber Regeln befolgen, die ihnen vertraut sind. Diesen Männer empfehle ich, sich eine Hausfrau zu suchen.

Wenn sie denn noch eine finden …

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3 Comments

  • Menschenskind, Du sprichst mir ja so aus der Seele.
    Nur wenn man sich etwas wegdenkt, mit wirklich allen Konsequenzen wegdenkt, kann man beurteilen, was es einem wert ist. Die Freiheit, auch mit drei Kindern zu wissen, dass ich mein eigener Mensch bin und mir keiner im Privatleben „was anschaffen“ kann, dass ich mich weder schuldig fühle, wenn eigentlich schon längst wieder das Staubsaugen fällig wäre noch ich etwas zu erklären habe, wenn ich am Computer meine Ruhe haben möchte, weil ich ebenfalls einen ganz erheblichen Beitrag zum Familienbudget leiste, ist mir unendlich viel wert.
    Ich kann mich nur zu gut noch daran erinnern, dass es für meine Mutter und ihre Zeitgenossinnen selbstverständlich war, sich in all ihren Wünschen (sofern diese überhaupt jemals geäußert wurden) und organisatorischen Vorstellungen – sich selbst und die Kinder betreffend – ausschließlich nach meinem Vater zu richten. Gedankt wurde ihr das nie. Wertschätzung gab’s dafür keine. Und doch wäre alles andere als Meuterei interpretiert worden. Das war das Hausfrauenleben von früher.
    Ich brauch es nicht. Und leicht war daran damals wie heute nichts.

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