Die größten Probleme – hier der Überblick

Unter anderem Meike von mutterseelenalleinerziehend, ich und viele andere sind dabei einen Verein zu gründen. Ziel soll es sein, die Gleichstellung der unterschiedlichen Familienmodelle voranzutreiben, um für mehr Gerechtigkeit und mehr Gestaltungsmöglichkeiten zu sorgen.

Im Moment gilt die verheiratete Vater-Mutter-Kind-Konstellation als rechtlich, politisch und steuerlich begünstigte Familie, alle anderen Modelle (allein erziehende Mütter und Väter, homosexuelle Paare mit Kindern, unverheiratete Eltern oder Eltern mit Adoptivkindern, die nicht verheiratet oder alleinstehend sind und Patchwork-Eltern) nicht dazu.

Sie werden im Vergleich zum ersten Modell gesetzlich, steuerlich, aber auch gesellschaftlich und am Arbeitsplatz benachteiligt und ausgegrenzt. Das finden wir nicht gerecht, daher haben wir uns zusammengetan, um für eine Verbesserung der Situation einzustehen. Vieles könnte sehr einfach geändert werden, es wäre wirklich nur ein kleiner Schritt der Regierungsgremien notwendig. Wir möchten Bewegung in den Prozess bringen, der unserer Meinung nach überfällig ist.

Andere Punkte könnt ihr selbst schon durch Aufklärung ändern, d.h. wenn jeder von uns stetig das Problem beim Namen nennt, Kollegen oder Freunde (nett) daraufhin hinweist, an Schulen oder Behörden oder auch im Gespräch mit dem Vater aufzeigt, welche schlimmen Folgen so manches Verhalten hat. Ich denke, dass jeder dazu beitragen kann, im Kleinen wie im Großen, die Situation zu verbessern.

Ich hatte vorab unter einigen Müttern und Foren eine kleine Umfrage gestartet und wollten wissen, welche Umstände Euch besonders beeinträchtigen und wie genau sich diese auswirken.

Hier die Ergebnisse nach Problemfeldern sortiert:

Probleme am Arbeitsplatz

  • Zu wenig Chancen seine Arbeitszeiten den Kindern anzupassen. Beispielsweise früher zu beginnen, dafür aber auch früher zu gehen – so dass die Stundenzahl dieselbe bleibt, man aber das Kind zur Kita bringen und es auch rechtzeitig wieder abholen kann.
  • Arbeitgeber selbst fordern dagegen extrem flexible Arbeitsbereitschaft nach seinen Wünschen ohne Berücksichtigung der Mitarbeiterumstände, teilweise variieren diese von Monat zu Monat (mal morgens, mal nachmittags, mal 6 Tage, mal 12 Tage pro Monat …) und es wird verlangt, dass man diese unberechenbare Organisation mitmacht, was mit einem Kind schier unmöglich ist. Wichtiges Besprechungen und Gruppentermine werden auf Zeiten nach 16 Uhr (also dann, wenn das Kind von der Kita abgeholt wird oder man selbst – bei einer Teilzeitstelle – schon wieder zu Hause ist) gelegt.
  • Kaum Möglichkeit von leistungsorientiertem Arbeiten, d.h. nicht die Zeit abzurechnen, sondern nach konkreten Zielvereinbarung, z.B. Fertigstellung eines Berichtes, Überarbeiten der Kundendaten, etc. was wiederum eine flexible Arbeitseinteilung möglich machen würde.
  • Der Arbeitgeber stuft einen auf Grund des Alleinerziehenden-Status zurück, macht einen ohne Mitsprache zur „Vertretungskraft“ oder „Teilzeitkraft“ oder kündigt gar. Unbefriedigend ist auch die Versetzung in eine Abteilung, in der man sich nicht wohl fühlt oder die unter den eigentlichen Kompetenzen liegt.
  • Die stetige Bedrohung von finanzieller Not mit  psychologischen Folgen auch für das Kind.
  • Vorurteile und Mobbing am Arbeitsplatz. Wenn man seinem Beruf nachgeht und das Kind betreuen lässt, werden viele als „schlechte Mutter, die ihr Kind vernachlässigt“ verunglimpft und der Ruf beschädigt. Wenn man wegen Krankheit der eigenen Kindern zu Hause bleibt, wird es von Kollegen als „Blaumachen“ ausgelegt – trotz Attests des Kinderarztes.
  • Viele spüren Abwertung, wenn sie versuchen, ihre Arbeitszeiten flexibel zu gestalten, aber auch wenn sie krank oder mal müde sind, dann werden viele mit Sprüchen wie „die ist mit ihrem Kind alleine und total überfordert“ oder „Die will wohl eine Extra-Wurst“ ausgegrenzt – damit wird die Arbeitsleistung abgewertet und das Standing im Beruf enorm geschwächt. Für viel stellt das zudem eine hohe, seelische Belastung dar.

Probleme bei der Kinderbetreuung

  • Zu wenig oder gar keine Betreuungsplätze. Ein Kindergarten, der um 13 Uhr schließt oder Betreuungszeiten hat, die nicht mit einem Berufsleben vereinbar sind.
  • Die Möglichkeit von flexiblen Betreuungszeiten für Teilzeit arbeitende Mütter, d.h. die Möglichkeit die Kinder an den Arbeitstagen lang betreuen zu lassen, dafür an den Nicht-Arbeitstagen nur wenig oder auch gar nicht.
  • Mehr Hilfe, schnell und finanziert oder zumindest subventioniert, im Alltag, z.B. schnelle und unbürokratische Bereitstellung einer Haushaltskraft mit Übernahme durch die Krankenkasse, wenn eines der Kinder krank ist – und man arbeiten muss – oder man selbst (eine Mutter mit zwei Kindern, von denen eines krank ist, kann auch ihr gesundes Kind nicht zur Kita bringen, kann nicht einkaufen gehen, weil sie ihr krankes Kind nicht alleine zu Hause lassen kann.
  • Übernahme von kitaunanbhängigen Betreuungskosten, z.B. eines regelmäßigen Babysitters oder Haushaltshilfe.

Gesellschaftliche Ausgrenzung

  • Abwendung des gemeinsamen Freundeskreis nach dem gesellschaftlichen, meist durch die Trennung vom Vater bedingten, Abstieg. Oft bleiben die Freunde bei dem, der den besseren sozialen Status und mehr Zeit hat – meistens der Vater.
  • Aberkennung eines gleichberechtigten Familienstatus, verheiratete Paare pochen auf ihren „Vater-Mutter-Kind“-Status und bewerten sich selbst als Ideal, die anderen (manchmal auch unbewusst) als minderwertig – das führt zur Ausgrenzung.
  • Abwertung und ständiges Bemitleiden aber auch herablassende Kommentare oder deutliche Distanzierung, statt Hilfsangebote oder öffentliche Bekundigungen von Solidarität, die allein erziehende Mütter belasten und oft in die Isolation treiben. Viele haben niemanden, den sie um Hilfe bitten können oder sind total verängstigt und fühlen sich einsam.
  • Extremen Beleidigungen und Vorwürfe aus dem direkten Umfald – am gängigsten sind diese Vorurteile und Abwertungen: Beziehungsunfähigkeit, Sozial-Schmarotzertum, schlechte Mutter, faule Kollegin.
  • Abwertung und Ausgrenzung der Kinder (häufig in kleinstädtischen Regionen).
  • Negative, teils arrogante Sichtweise auf Alleinerziehende, wenig bis keine Kommunikation zwischen Familien und Single-Mütter und Vätern, was die Gräben vertieft, außerdem wenig Toleranz, aber auch viel Angst.
  • Ungünstige Einmischung in die Belange ohne Kenntnis über die Umstände, oft auch mit einem sexistischen Tenor, die Abwertung und Ausgrenzung der Alleinerziehenden zur Folge hat.
  • Kaum die Möglichkeit und Zeit, mal für sich zu sein.
  • Fehlende Zeit und Geld sein Hobby auszuführen, soziale Kontakte zu pflegen.
  • Der Wunsch nach einer vereinfachte Antragstellung beim Bildungspaket und eine Form, in der Kindern in der Schule bei Empfangsnahme nicht stigmatisiert werden (Kinder müssen z.B. Kassenbons vom Mittagessen sammeln und einmal wöchentlich im Sekretariat abgeben, das sorgt unter den anderen Schülern für abwertende Sprüche).
  • Extreme Benachteiligung und sexistisch bedingte Vorurteile bei der Wohnungssuche, wenn man erwähnt, dass man allein erziehende Mutter ist – es wird einem vieler Orts überhaupt nicht zugetraut, dass man die Miete begleichen könnte.

Mangel an Beratung und Hilfe

  • Zu wenig oder gar keine Angebote für Netzwerke, Treffpunkte für Alleinerziehende und ihre Kinder. Viel zu wenig Fachkräfte für Beratung auf gesundheitlicher und psychologischer Ebene (vor allem  in ländlichen und kleinstädtischen Regionen).
  • Keine Möglichkeit einer dauerhaften, finanzierten Wochenhilfe bei kleinen Kinder.
  • Viel zu wenig bis gar keine staatlichen oder bezahlbaren Angebote zur Aufklärung und Hilfe bei den rechtlichen Auseinandersetzungen z.B. am Arbeitsplatz oder zu Sorgerecht- und Umgangsrechts-Fragen (vor allem  in ländlichen und kleinstädtischen Regionen).
  • Ständiges Verschieben bzw. Absagen von Umgangszeiten der Väter oder der komplette Kontaktabbruch zum Kind – ohne Konsequenzen für die Väter. Unverhältnismäßigkeit von Mutter- und Vaterpflichten. 
  • Kommunikationsverweigerung oder keine Möglichkeit Erziehungsbelange mit dem anderen Elternteil zu besprechen.
  • Kaum bis gar kein gesellschaftliches Verständnis für die Folgen der hohen Belastung.

Jugendämter und Gerichte

  • Der Verantwortung und Herausforderung in Familienbelangen langfristige und schwerwiegende Entscheidungen zu treffen überhaupt nicht gewachsenen Mitarbeiter/innen.: Häufig viel zu unerfahren Kräfte, die über keinerlei familienpsychologische Schulungen, keinerlei Kenntnis über Entwicklungspsychologie von Kindern und Menschenkenntnis verfügen.
  • Keine reelle Möglichkeit, Akteneinsicht bei den Jugendämtern zu bekommen. Anträge werden fast alle abgelehnt.
  • Ein viel zu niedriger Schlüssel von Mitarbeiter/Familienfällen. Dadurch ist überhaupt keine Zeit, sich mit den einzelnen Fälle ausreichend zu beschäftigen, es kommt vielfach zu Falschbewertungen, fatalen Fehlern.
  • Keine unabhängige Entscheidungspraxis von Familienrichtern, die sich in fast allen Fällen den Vorgaben der Jugendämter unterordnen.
  • Keine Öffentlichkeit der Familiengerichtsprozesse und damit keine Kontrolle der Abläufe dort.
  • Erhebliche Schikanen, Aggressionen und psychische Gewalt durch Kindesväter, denen man selbst und das Kind oft schutzlos ausgeliefert ist.
  • Viele zu wenig bis gar keine staatlichen Mediation-Angebote.
  • Bevormundung durch das Jugendamt, das einem vorschreibt, welche Sorgerechts- und Umgangsrechtsregelung man anwenden muss. Wenig bis gar keine Möglichkeiten individuelle Vorstellungen zu leben oder Widerspruch einzulegen.
  • Abhängigkeit von den Sympathien, aber auch von den Kompetenzen der JA-Mitarbeiter/innen.
  • Missachtung von Kinderrechten, psychologisch höchst umstrittene Praxis, Kinder während des Prozesse der beiden Elternteile gegeneinander im Gerichtsaal vorzuladen und dem Prozess beizuwohnen, bzw. gegen den einen oder anderen Elternteil auszusagen.
  • Die rigorose Durchsetzung des Wechselmodells auch bei Widerspruch der Mutter und das Hinwegsetzen von Mütterrechten- und interessen und dem Kindeswohl durch JA-MitarbeiterInnen. In vielen Fälle reicht es aus, wenn der Vater das Wechselmodell fordert. Selbst Kinder im Babyalter werden damit wochenweise von ihren z.Teil noch stillenden Müttern getrennt und unabhängig davon, ob ein kooperativer Umgang oder eine Kommunikationseben der Eltern besteht.

Finanzielle Nachteile

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