We are Family

Im Rückblick bin ich immer noch erstaunt, wie sehr das Allein-erziehend-sein in alle möglichen Bereiche hinein gewabert ist. In den Beruf, in mein Auftreten, mein gesellschaftliches Ansehen, aber auch in meinen Freundes- und Bekanntenkreis. Man sollte denken, die eine erzieht ihr Kind vom Vater getrennt, die andere nicht, ist ja nebensächlich, man kann doch trotzdem super befreundet sein. Aber, äh-äh, das war in vielen Fälle alles andere als möglich.

Die Lebenswelten wurden zu unterschiedlich. Die verstanden nicht, was ich erlebte und durchmachte und sie fühlten sich von meiner Lebensweise subtil angegriffen, denn als Mutter, die alles alleine wuppt, ihren Lebensunterhalt alleine verdient, das Kind alleine erzieht, keine Schulter zum Anlehnen hat, die sich zudem mit Bevormundung und Anfeindungen auseinanderzusetzen hat, ist man irgendwie ein Alien. Man schafft wahnsinnig viel alleine und das ist den Leuten unheimlich.

Manche denken auch: Wenn die das alles alleine macht, dann kann da irgendwas nicht in Ordnung sein. Oder sie beziehen es auf ihre eigene Partnerschaft und denken: ,Dieses Konzept lass ich mal nicht zu nah an meinen Alltag heran!‘ Als hätten sie die Befürchtung, dass alleinerziehend anstecken wäre. Und vielleicht haben sie damit sogar Recht: Schließlich werden wir immer mehr …

Manche haben schlicht Angst um ihre Ehe und ihre Privilegien. Eine Mutter sagte mir neulich unter vier Augen: „Wenn mein Mann sieht, dass du alles alleine machst, kann ich ihm kaum noch dazu animieren, mir zu helfen. Der sagt dann wohl möglich noch: ,Schau dir die Alleinerziehende xy an, die schafft auch alles alleine …'“

Es sind tatsächlich ein paar Freundschaften verloren gegangen. Aber so ist das Leben: Manche bleiben, andere gehen, wieder andere kommen.

Auf jeden Fall habe ich die Erfahrung gemacht, dass wir uns am besten gegenseitig helfen und beraten und zur Seite stehen. Daher ist ganz toll, was Dr. Alexandra Widmer geschaffen hat, nämlich neben ihren tollen Blog „Stark und Alleinerziehend“ eine geschlossene Facebook-Gruppe für Alleinerziehende, die dort täglich ihre Sorgen austauschen können, sich helfen, sich motivieren können. Und auch für mich ist diese kleine Gruppe, die rasend schnell wächst, ein Lichtblick, wenn ich mal wieder denke: ,Wieso hilft einem keiner? Wieso wird es einem so schwer gemacht?‘ Dann finde ich hier Rat, Solidarität und die Erkenntnis, dass Probleme, von denen ich dachte, dass nur ich sie habe, viele betreffen. Das gibt mir unglaublich viel Aufwind. Ich finde Hilfe und ich versuche selbst so gut es geht, zu helfen und Anregungen zu geben.

Meike von Mutterseelenalleinerziehend sagt immer: Familie ist da, wo Menschen für einander einstehen. Das unterschreibe ich.

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