Zurück … in die Zukunft!

Mein Sohn ist vier Jahre alt. Er liebt seinen Vater und der liebt ihn.

Die meiste Zeit seines kleinen Lebens hat unser Sohn mit mir allein gelebt. Er kennt es eigentlich gar nicht anders. Aber seit einem Jahr hat er immer mal wieder die Idee, dass Mama und Papa eigentlich zusammenleben sollten.

Er sagt dann: „Papa soll bei uns einziehen.“ Ich frage dann: „Wo soll Papa denn schlafen?“ Und mein Sohn sagt dann: „Na, auf dem Sofa“. Oder er schlägt vor: „Du kannst doch bei Papa wohnen!“ Und wenn ich dann frage: „Und wo soll ich dann schlafen?“ Sagt Bruno: „Na, in Papas Bett. Das ist so groß, da können drei Leute drin schlafen: Du, Papa und ich.“ Tja …

Ich sage dann: „Aber ich weiß nicht, ob Papa das möchte.“ Mein Sohn sagt dann: „Wir müssen ihn fragen.“ „Ja, das machen wir …“, bestätige ich ihn lächelnd und voller Rührung. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, es drückt nicht auf meine Seele, wenn mein Sohn diese Wünsche hat, die sich nicht erfüllen lassen. Und manchmal muss ich kämpfen, damit die Gefühle mich nicht überollen. Wie neulich.

Wir hatten gemeinsam einen Film geschaut. Im Vorfilm wurde ein Trailer eines Streifen gezeigt, den ich einst mit dem Vater meines Kindes gesehen hatte. „Der Film ist lustig, den habe ich mal mit Papa gesehen“, sagte ich beiläufig. „Wann?“, wollte mein Sohn wissen. Ich wollte was Nettes sagen: „Oh, das ist schon lange her. Damals waren wir verliebt …“ Bruno schwieg, kein Wort weiter darüber. Ich hätte nie wieder daran gedacht, wenn er nicht zwei Wochen später zu mir gekommen wäre: „Mama, ich habe eine Idee …“ ,Aha? Was kommt jetzt?‘, dachte ich. Und ging davon aus, Bruno würde von seinen Plänen für den Spielnachmittag erzählen. „Mama, Du musst Papa einfach die DVD schenken und dann verliebt er sich wieder in Dich!“, verkündete Bruno strahlend. Erst verstand ich nicht, was er meinte, dann fiel es mir ein. Bruno setzte nach: „Den Film, den ihr gesehen habt, als ihr verliebt gewesen seid! Du kaufst ihn und gibst ihn den und dann …!“ Oh, mein Gott!

Da stand mein Kind voller Stolz und liebevoller Naivität. So erfüllt von seiner warmherzigen Versöhnungsvorstellung. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich kannte das Gefühl, so wie wir alle, über das die Söhne Mannheims ihr schönes Lied geschrieben hatten. Bis dahin dachte ich, nur wer schon mal Liebeskummer erlebt hat, weiß wovon da die Rede ist. Und nun stand da mein vierjähriger Sohn vor mir …

Ich habe tatsächlich überlegt, ob ich es nicht einfach machen sollte. Aber ich habe mich nicht getraut. Nicht aus Angst um mich, sondern aus Angst um meinen hoffnungsvollen Sohn.

Neulich saßen wir beisammen. „Weißt Du, Bruno, das mit dem Zusammenwohnen ist ein ganz tolle Idee …“ Bruno nickte, „… aber das Leben ist sehr geheimnivsoll und verläuft oft anders, als man es geplant hat.“ Bruno nickte. „Wichtig ist, dass man sich selber treu bleibt und nie seinen Mut verliert.“

„Mama“, sagte Bruno ein anderes Mal, „wenn ich groß bin, dann heirate ich Dich, dann bist Du nie mehr allein.“ Da habe ich ihn gerügt: „Das lässt Du mal schön bleiben.“ Und um den Nachdruck zu verleihen: „Außerdem ist das verboten. Dann werden wir eingesperrt. Dann kommt die Polizei und sagt: ,Was ist denn hier los?!'“ Das fand er komisch und hat gelacht. Und ich auch.

Die Liebe und das Leben hat viele Formen. Es geht nicht darum, die richtige zu finden, denn welche sollte das bei den vielen unterschiedlichen Wünschen der Menschen sein?

Es geht um das Ja-Sagen zum Leben. Wir müssen eigentlich nur begreifen, wie wenig wir brauchen, um glücklich zu sein.

Wenn wir stolz sind auf die Gefühle die wir hatten, die wir haben und die wir noch haben werden, statt sie als schlecht und falsch abzuwerten, wenn wir froh sind über die Vielfalt des LEBENs, zu dem, was unsere Seele alles spüren kann – dann können wir mit dem Blick zurück unsere Zukunft fühlen …

Eigentlich geht es darum auch in dem Film, den ich damals mit dem Vater geschaut habe (als wir noch verliebt waren ; )) und ohne den es Bruno nicht gebe. Ist das nicht großartig, dass wir die Möglichkeit haben, unserem Leben einen Sinn zu geben, wenn wir uns auf die wesentlichen Dinge besinnen? Ich sag mal: Ja!

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