Break the Silence

Eine Freundin, die auch von dem Vater ihres Kindes getrennt lebt, meinte neulich: „Im Grunde meines Herzens habe ich den Vater meines Kindes gern. Eigentlich. Wenn er nicht immer wieder Dinge machen würden, die so schrecklich selbstgerecht und bevormundend und schlimmeres wären. Dann liege ich oft nachts wach und ärgere mich, bin traurig oder verzweifelt, weil ich mich ungerecht behandelt oder gar bedroht fühle.“

Sie mache sich dann Sorgen um die Zukunft des gemeinsamen Kindes. „Wenn ich dem Vater des Kindes versuche, klar zu machen, dass mich sein Verhalten schmerzt, wird mir oft Verachtung und Ignoranz entgegengebracht. Aber auch oft Aggression, die mir Angst macht.“ 

Sie fing daher zunächst an, Dinge für sich zu behalten und merkte, dass es sie traurig machte, ja sogar krank. Ihre Seele wurde schwer, sie fühlte sich wie ausgebremst, manchmal fast depressiv.

Ich glaube, vielen Frauen geht es so. Und ich glaube, viele wissen gar nicht über die Zusammenhänge. In ihnen wächst Angst, Pessimismus, weil sie sich mundtot machen lassen, sich einer Situation ausgesetzt fühlen – fast masochistisch leben.

Ich möchte, dass das aufhört. Damit wir die Kraft für unsere Kinder haben.  Daher stelle ich eins klar: Es sind berechtigte Einwände, die wir Frauen haben.

Es sind Recht und Freiheiten, die beschnitten werden. Es geht um Gewalt und Aggressionen, die uns entgegengebracht werden und die nicht immer nur physisch sein müssen. Es gibt viele Möglichkeiten, der Einschüchterung und der menschlichen Abwertung und der Missachtung: mit Worten, auch mit Gesten, es gibt die üble Nachrede oder Drohungen mit den Jugendamt, dem Gericht oder sonstigen Konsequenzen oder sogar mit oder über das eigene Kind.

Diese Angriffe immer wieder einstecken zu müssen, die Gefühle wie Angst und Hass zu unterdrücken, erzeugt Wut. Die muss auf alle Fälle raus, sonst wird man krank. Sonst kann es sogar passieren, dass sich unsere Wut in Frust umwandelt und wir wiederum zu Angreiferinnen werden.

Wut ist das Signal der Seele, dass zuviel auf ihr lastet. Der Nachteil: Sie führt einen meistens nicht weiter. Inzwischen habe ich meine Tricks und Kniffe (mir hilft Bewegung und Sport und das Aufschreiben gegen akute Attacken aller Art, privat oder im Job). Wenn ich ruhig geworden bin, tausche ich mich aus. Ich erzähle, was mir passiert und ich höre zu, was anderen passiert und erzähle auch das weiter. Dabei geht es nicht um das Anschwärzen, sondern darum, dass Schweigen zu brechen und sich zu wehren!

Ich halte mich fern von Menschen, die mich nicht verstehen und suche Gleichgesinnte und versuche, die Dinge zu ändern, wenn es geht. Und mich schnell abzugrenzen, wenn ich merke: Hier ist kein Weiterkommen. 

Die Idee dazu bekam ich von Leslie Morgan Steiner. Sie ist eine intelligente, smarte, attraktive Frau, die sich jahrelang von ihrem Partner unterdrücken und misshandeln ließ und die heute Vorträge über das Thema hält und Möglichkeiten aus der Gewalt aufzeigt. Sie erzählt sehr klar und anschaulich, wie es überhaupt dazu kam, dass sie trotz ihrer Intelligenz und Selbständigkeit bei dem Mann blieb, der sie schlug. Wie die Übergriffe, die Bedrohungen stetig zunahmen und wie sie mit Wut reagierte, die ihr vorgehalten wurde, um sie doppelt einzuschüchtern.

Wie sie an Trennung dachte und vor Angst nicht weiter wusste: In 70 Prozent der Fälle, so Steiner, werden Frauen von ihrem Partner getötet (ja, getötet!) nachdem sie sich zuvor von ihm auf Grund seiner Gewalttätigkeit getrennt hatten. Es ist eine große Bedrohung gegen Frauen, auch hier in unserer zivilisierten Gesellschaft, die kaum im öffentlichen Bewusstsein Beachtung findet.

Leslie schaffte den Weg heraus, durch eine einfache, simple Sache: Sie brach das Schweigen, indem sie mit JEDEM über ihre Lage sprach. Der Polizei, den Nachbarn, Freunden, der Familie – aber auch mit vollkommen Fremden. Und sie bekam Hilfe und Schutz, um auszubrechen, denn alleine schafft man es nicht.

Daher hört nicht auf zu reden. Habt den Mut und erzählt, was Euch passiert! Immer und immer wieder. Danke. 

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